Den Haag. Fazia schreckt zurück. Sie zögert. Ihre Stimme wird leiser und leiser, als sie doch sagt, was sie über Geert Wilders Erfolg denkt. Der niederländische Rechtspopulist hat bei den Kommunalwahlen am Mittwoch mit seiner PVV einen Sensationserfolg errungen - sein Programm ist seine Ablehnung der Muslime.
"Ich fürchte, dass sich die Atmosphäre verhärten wird", sagt Fazia. Sie ist 38, Mutter, Marokkanerin. Seit 1993 lebt sie in in den Niederlanden und seit zwölf Jahren zieht sie ihren hier geborenen Sohn groß. "Mein Sohn kommt in die Pubertät. Das ist eine schwierige Phase", sagt Fazia. "Ich hoffe, dass er hier eine Zukunft hat." Fazia umschifft diplomatisch ein Problem, das schon lange in den Niederlanden besteht und Wilders die Stimmen einbrachte: marokkanische Jugendgangs und ihre registrierte Gewaltbereitschaft.
Wilders, der mit der von ihm gegründeten Partei für die Freiheit PVV bei der Kommunalwahl nur in zwei Städten antrat, überraschte seine Kritiker: In Almere, östlich von Amsterdam, 187000 Einwohner, wurde die PVV aus dem Stand heraus mit 21,6 Prozent der Stimmen die größte Partei. In Den Haag, dem Sitz der niederländischen Regierung und der Residenz von Königin Beatrix, erhielt die PVV 18 Prozent der Stimmen. Sie ist hier nun hinter den Sozialdemokraten PvdA zweitstärkste politische Kraft.
Erfolg auch im Juni denkbar
Das Kriminalitätsproblem der marokkanisch-stämmigen Jugendlichen schürt Vorurteile. Das Wort ,,Kut-Marokaan" - Scheiß-Marokkaner - ist längst Teil der Alltagssprache. Aber von allen inhaftierten Jugendlichen sind auch rund 70 Prozent marokanisch-stämmig. Geert Wilders will sie abschieben - obwohl er weiß, dass viele von ihnen niederländische Staatsbürger sind.
Zu seinem Überraschungserfolg sagte Wilders: ,,Das ist fantastisch, das ist der Durchbruch. Wir werden die Niederlande nun zurückerobern und die linke Elite bei den Parlamentswahlen schlagen. Denn was in Den Haag und in Almere möglich ist, das ist auch im ganzen Land möglich." Wilders könnte tatsächlich nach den vorgezogenen Parlamentswahlen am 9. Juni an der Regierung beteiligt sein. Die Wähler kehren den Volksparteien, insbesondere den Christ- und Sozialdemokraten, massenweise den Rücken zu. Die sozialdemokratische PvdA fiel landesweit von 23 Prozent auf rund 16 Prozent der Stimmen ab. Die Christdemokraten fielen um zwei Prozentpunkte auf knapp 17 Prozent der Stimmen.
Viele Niederländer schreckt das Ergebnis nicht weiter auf, so wie die 57-jährige Els in Den Haag. ,,Ich habe für die VVD gestimmt, weil die VVD hier in Den Haag gute Politik für die Stadt macht." Die VVD ist die rechtsliberale Partei für Freiheit und Demokratie. Ihre gehören der Haager Bürgermeister Jozias van Aartsen und der Schöffe für Marketing und Tourismus Frits Huffnagel an. Wilders Sieg lässt Els kalt. "Er ist nicht gefährlich", sagt sie. "Er ist nur gegen den Islam, das ist sein gutes Recht."
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