kalaydo.de Anzeigen

Wasserforum in Istanbul: Europa betreibt "Raubbau" an Ressourcen

Durch die Bedürfnisse der schnell wachsenden Weltbevölkerung und die Auswirkungen der Klimaveränderungen sind die Wasser-Ressourcen auf unserem Planeten in Gefahr.

Wenns nicht mehr aus dem Hahn fließt, wird schwierig im Haushalt...
Wenns nicht mehr aus dem Hahn fließt, wird schwierig im Haushalt...
Foto: dpa

Istanbul/Kopenhagen/New York. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat vor dem Hintergrund einer drohenden globalen Wasserkrise bessere Gesetze zum Schutz der Ressourcen gefordert. International müssten Regierungen ihre Wassergesetze reformieren, damit Ziele wie eine sichere und flexible Versorgung festgeschrieben werden, erklärte die Organisation in Istanbul auf dem 5. Weltwasserforum.

"Wasser ist für das Leben auf der Erde eine natürliche Ressource. Wenn die Ressourcen abgewirtschaftet werden, sind die Folgen auf allen Ebenen der Gesellschaft und der Wirtschaft zu spüren", hieß es in einer Erklärung.

Mehr zum Thema

Interaktive Grafik: Die Wasserreserven der Welt


Foto: dpa

Die Organisation forderte, dass neue Wassergesetze einen Ausgleich zwischen den Wasserrechten der Wirtschaft und den Ansprüchen der Menschen mit traditioneller Lebensform herstellen. Dabei müsse das Recht auf Wasser der Blickwinkel sein.

"Wir müssen verstehen, dass Wasser eine begrenzte Ressource ist", sagte der türkische Staatspräsident Abdullah Gül bei seiner Eröffnungsrede. Die EU-Umweltagentur (EEA) verlangte in einem in Kopenhagen vorgelegten Bericht ein Ende des europäischen "Raubbaus" an der immer knapperen Ressource Wasser.

Dürre und Flut

Bildergalerie ( 22 Bilder )
Dürre auf den Phillippinen (Archivbild von 1998)
Dürre auf den Phillippinen (Archivbild von 1998)
Foto: dpa

Unterdessen protestieren in Istanbul Menschen gegen große Staudammprojekte und die Nutzung des Wassers als Wirtschaftsgut. Die Polizei nahm 19 Demonstranten fest, darunter eine Deutsche und eine Amerikanerin.

Gespräche über Zugang zu sauberem Wasser

Bei dem weltweit größten Expertentreffen soll bis zum Wochenende über den Zugang zu sauberem Wasser, Wasserrechte und den Einsatz moderner Technologien beraten werden. Zu dem Treffen werden in Istanbul auch Vorsitzende internationaler Organisationen, Minister aus mehr als 100 Staaten sowie Staats- und Regierungschefs erwartet. Insgesamt wird mit etwa 20.000 Teilnehmern gerechnet.

In einigen Ländern wie in der Türkei setzen Regierung und Wirtschaft auf den Bau neuer Staudämme, um zusätzliches Land zu bewässern und Energie zu erzeugen. Umweltgruppen warnen vor den Folgen solcher Großprojekte, die für Menschen und Natur neue Probleme schafften.

Nicht-Regierungsorganisationen veranstalten in Istanbul in dieser Woche ein Alternativforum.

Trinkwasser ist nur begrenzt verfügbar

Durch die Bedürfnisse der schnell wachsenden Weltbevölkerung und die Auswirkungen der Klimaveränderungen sind die Wasser-Ressourcen auf dem Planeten jedoch in Gefahr. Zu diesem Schluss kommt die Unesco in ihrem jüngsten Wasser-Bericht mit dem Titel "Wasser in einer sich verändernden Welt", der in New York vorgestellt wurde.

Die Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft, Lebensstil und Verhaltensmuster sind die wichtigsten Faktoren beim Wasserverbrauch.

"Die Geschichte zeigt eine enge Verbindung zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Entwicklung von Trinkwasser- Ressourcen", heißt es in dem Bericht der Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur).

Die Weltbevölkerung wächst jährlich um fast 80 Millionen Menschen, die zusätzlich 64 Milliarden Kubikmeter Wasser benötigen, so der Bericht. Heute leben bereits 6,8 Milliarden Menschen auf der Welt. Bis 2012 sollen es 7 Milliarden sein, bis 2050 sogar 9 Milliarden, so die Prognosen.

Durch ein einfaches Beispiel zeigt der Unesco-Bericht die Auswirkungen von veränderten Essgewohnheiten und Nahrungsproduktion auf den Verbrauch von Wasser. Ein Chinese, der 1985 nur 20 Kilogramm Fleisch gegessen hat, konsumiert heute mehr als 50 Kilogramm. Um das Vieh zu füttern, wird mehr Getreide benötigt, für das mehr Wasser verbraucht wird als damals.

Europäer betreiben "Raubbau"

5300 Kubikmeter Wasser verbrauche ein Europäer im Schnitt pro Jahr, schreibt die in Kopenhagen ansässige EU-Umweltagentur (EEA) in einem Report. Das entspricht dem Fassungsvermögen von zwei olympischen Schwimmbecken.

EEA-Direktorin Jacqueline Glade nannte den Gesamtwasserverbrauch angesichts der Klimaveränderungen mit zunehmender Dürre im südlichen Europa einen "Raubbau, der gravierende Auswirkungen haben wird".

Auch in Teilen Nordeuropas werde der "Wasserstress" zunehmen, weil insgesamt zur kurzfristigen Behebung von Wasserknappheit immer größere Wassermengen aus den Oberflächen- und Grundwasserreservoirs entnommen werden. "Beim Wasser leben wir über unsere Verhältnisse", heißt im Bericht der Umweltagentur.

Das meiste Wasser wir für Energiezwecke verbraucht

Nach den Erhebungen der EEA werden in Europa 44 Prozent des entnommenen Wassers für die Energieerzeugung verwendet, das aber zum größten Teil wieder zurückgeleitet wird. 24 Prozent fließen in die Landwirtschaft, 21 Prozent in die öffentliche Wasserversorgung und 11 Prozent in die Industrie.

Im besonders von zunehmender Dürre bedrohten südlichen Europa allerdings würden 60 und teilweise sogar 80 Prozent zu Bewässerungszwecken von der Landwirtschaft verbraucht.

Als akutes Problem neben der illegalen Entnahme von Wasser vor allem in der Landwirtschaft nannte die EEA den Verlust durch Lecks im öffentlichen Wasserversorgungssystem: In einigen Teilen Europas gingen dadurch 40 Prozent des Wassers verloren. Zur Begrenzung des Wasserverbrauchs forderte die EEA an erster Stelle eine strenge Preissetzung auf der Grundlage tatsächlich entnommener Wassermengen. (dpa)

Datum:  17 | 3 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (240 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Mohamadou Idrissou: Noch reicht die Kraft nicht für 90 Minuten, vielleicht reicht sie aber für Fortuna Düsseldorf?
Eintracht gegen Fortuna 
Moderator Günther Jauch.
Günther Jauch 
Gegen seine alten Kollegen in der Startelf: Bamba Anderson.
Eintracht gegen Fortuna 
Ohne Draht zum Volk: Adolf Sauerland.
Kommentar zu Sauerland 
Interaktive Karte
Die Karte Freiheit im Internet 2011 wurde von der NGO Freedom House erstellt - und von der FR als Google Map umgesetzt.

FR-online.de zeigt die Ergebnisse der Studie "Freedom on the Net 2011" in einer interaktiven Karte.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!