Llandeilo, Bezirk Carmarthenshire, Südwales im Februar. Es ist der Tag, an dem Bernard Llewellyn zum letzten Mal in seinem Leben ein gewöhnlicher Schäfer ist, ein bodenständiger, bärtiger Mann mit einem Akzent, den schon entfernte Verwandte kaum mehr verstehen und den sie im Dorf ein wenig ehrfürchtig den "General" nennen.
Llewellyn hatte es in der malerischen Gegend bereits zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, mit seinen Schafen bei diversen Wettbewerben diverse Preise gewonnen und lokalen Zeitungen diverse Interviews gegeben. Dann tauchte ein gewisser Daniel Evans auf. Jetzt ist Llewellyn weltberühmt.
Evans arbeitet für eine Londoner Werbeagentur, spezialisiert auf Virales Marketing. Im Auftrag großer Firmen produziert sie kleine Filmchen und verbreitet sie über Internetplattformen wie Youtube. Das Ziel: größtmögliche Aufmerksamkeit. Selbst auf den zweiten Blick haben diese Clips nichts mit herkömmlicher TV-Werbung gemein, sie sehen vielmehr aus wie Amateuraufnahmen, manchmal wie Schnappschüsse.
Im Februar 2009 also wollte Samsung mit Evans´ Hilfe seine neuen LED-Fernseher ein wenig bekannter machen, und der erinnerte sich an ein Sprichwort, das frei übersetzt lautet: "Wenn du etwas verkaufen willst - Schafe helfen." In seinem Büro reifte die Idee vom "Extrem-Schafe-hüten", eine Schnapsidee, wie Schäfer Llewellyn trocken bemerkte, als ihm Evans davon erzählte. "Was du da vorhast, klappt nie."
Das verrückteste Hobby des Jahres
Wenig später tauchte im Internet ein Video mit dem Titel "Extreme shepherding" auf. Es wird millionenfach gesehen, kommentiert, es wird diskutiert und erreicht Kultstatus. Es zeigt in verwackelten Bildern walisische Schäfer, deren Border Collies eine Schafherde wie auf einem überdimensionalen Bildschirm über eine Weide treiben.
Mal formiert sich die Herde so, dass sie vom Hügel aus gesehen wie ein riesiges Schaf aussieht. Bei Nacht veranstalten mit LED-Lampen bestückte Schafe ein regelrechtes Feuerwerk - im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ende steht an Dank an Samsung. Es ist das verrückteste Hobby des Jahres.
Von überall kamen Reporter und wollten mehr über das ungewöhnliche Spektakel wissen. "Wir hatten plötzlich die Zeit und die Mittel", sagte Llewellyn. "Wir haben es probiert und es hat geklappt." Aber das war nur die halbe Wahrheit. Natürlich gab es ein professionelles Kamerateam, einen Ablaufplan.
Natürlich hatte es "eine Weile gedauert", die Szenen einzustudieren, natürlich klappte nicht alles im ersten Versuch und natürlich, gestand der Schäfer, "wurde auch etwas digital nachgeholfen." Von einem einzigen großen Schwindel aber, das schwört Llewellyn, könne deshalb keine Rede sein.
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