Almaty/Moskau. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Regierungen angesichts der weltweiten Finanzkrise zu Reformen ihrer maroden Gesundheitssysteme aufgefordert. Viele dieser Systeme seien ungerecht, unkoordiniert und nicht so effektiv, wie sie sein könnten, kritisierte die Organisation in ihrem am Dienstag in der früheren kasachischen Hauptstadt Almaty veröffentlichten Bericht. Ohne politische Anstöße könnten die Gesundheitssysteme künftig nicht mehr etwa mit der Zunahme chronischer Krankheiten wie Herzbeschwerden, Krebs, Diabetes und Asthma fertig werden.
"Eine Welt, die in Sachen Gesundheit aus dem Gleichgewicht gerät, ist weder stabil noch sicher", warnte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan laut einer Mitteilung. Aus der weltweiten Finanzkrise müssten die entsprechenden Lehren gezogen werden. Nähere Angaben machte Chan dazu nicht.
Das schwindende Vertrauen der Menschen in das Gesundheitswesen sei eine Bedrohung für die soziale Stabilität der Länder. Nötig seien daher politische Reformen, um mit den Grundproblemen des 21. Jahrhunderts fertig zu werden: der weltweiten Zunahme ungesunder Lebensweisen, dem rasanten Wachstum der Städte und der Überalterung der Bevölkerung.
Die WHO kritisierte die Organisation und Finanzierung der so bezeichneten primären Gesundheitspflege (Grundversorgung) in reichen und armen Ländern gleichermaßen. So nähmen etwa die Unterschiede bei der Lebenserwartung weiter zu: Im Schnitt würden Menschen in entwickelten Ländern heute 40 Jahre älter als in armen Staaten. Von geschätzten 136 Millionen Schwangeren in diesem Jahr erhalte weniger als die Hälfte medizinische Hilfe.
Etwa 100 Millionen Menschen würden durch die Ausgaben für medizinische Behandlungen jährlich in Armut gestürzt, heißt es in dem Bericht weiter. Die Regierungen gäben zwischen 20 Dollar (etwa 15 Euro) und 6000 Dollar pro Jahr und Kopf für die Gesundheit ihrer Bürger aus. Dabei könne eine effektivere Vorsorge die Entstehung von Krankheiten um etwa 70 Prozent senken, stellte die WHO fest. In vielen Ländern fehle es aber bisher an den Voraussetzungen wie an sauberem Wasser, sanitären Anlagen, Impfungen und gesunder Ernährung.
Als Beispiel für eine positive Entwicklung nannte die WHO das System der Polikliniken auf Kuba. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Kubaner von 78 Jahren sei heute die höchste unter den Entwicklungsländern.
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