São Paulo/Belém. Einen Tag vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos ist in der brasilianischen Amazonas-Stadt Belém das als Gegenveranstaltung angelegte Weltsozialforum eröffnet worden. Zum Auftakt des sechstägigen Treffens setzte sich am Nachmittag ein Protestmarsch in Bewegung. Die Zahl der Teilnehmer war zunächst noch unklar, die Organisatoren rechneten aber insgesamt mit bis zu 100.000 Menschen auf der rund vier Kilometer langen Strecke durch die Millionen-Metropole Belém.
Wie in Davos ist auch in Belém im Norden Brasiliens die internationale Finanzkrise ein Hauptthema. Ein Schwerpunkt ist zudem die fortschreitende Zerstörung des Regenwaldes und das damit verbundene Schicksal der indigenen Bevölkerung.
Einer der Hauptbegründer des Weltsozialforums, der Brasilianer Oded Grajew, kritisierte die im Zuge der Finanzkrise gewährten Milliarden-Hilfen für Banken, Unternehmen und Institutionen. "Es wurde uns immer gesagt, die Mittel seien begrenzt. Jetzt plötzlich in der Krise tauchen Billionen von Dollar auf, um Autobauern, Banken und bankrotten Firmen zu helfen, und die genutzt werden könnten, um Armut zu bekämpfen und das Gesundheits- und Bildungswesen zu verbessern."
Vor dem von heftigen Regen begleiteten Eröffnungsmarsch hatten rund 1200 Ureinwohner aus Brasilien, Peru, Bolivien, Kolumbien und Venezuela mit einer Menschenkette die Worte "Salve a Amazônia" (Rettet den Amazonas) nachgebildet. Trotz ehrgeiziger Pläne Brasílias geht die Zerstörung des einzigartigen Biotops weiter.
Allein zwischen August 2007 und Juli 2008 wurden etwa 12.000 Quadratkilometer Regenwald vernichtet. Das entspricht einer Fläche, die 13-mal so groß ist wie die Berlins. Die brasilianische Regierung hat eine drastische Reduzierung der Regenwaldzerstörung in den nächsten Jahren versprochen.
Als eine Art symbolische Staffelübergabe vom Weltsozialforum 2007 in Nairobi (Kenia) zum jetzigen Treffen im Amazonas erklangen zu Beginn des Marsches afrikanische Trommeln und Lieder der indigenen Amazonas-Bevölkerung.
Das bis Sonntag dauernde Forum umfasst fast 2600 Veranstaltungen. Mitte der Woche werden unter anderen Brasiliens Staatschef Luiz Inácio da Silva und Venezuelas Präsident Hugo Chávez in Belém erwartet. (dpa)
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