Istanbul. Experten haben vor dem an diesem Montag beginnenden 5. Weltwasserforum in Istanbul mehr Einsatz gegen Verschwendung und Missmanagement gefordert. "Wir steuern direkt auf eine globale Wasserkrise zu", warnte Martin Geiger von der Umweltstiftung WWF Deutschland.
Die Folgen würden nach WWF-Einschätzung auch Deutsche treffen: Es drohen Landflucht, Kollaps der Landwirtschaft am Mittelmeer und ein Ende des Tourismus in beliebten Urlaubsregionen.
Interaktive Grafik: Die Wasserreserven der Welt
Das Weltwasserforum in Istanbul ist das bislang größte Treffen von Wissenschaftlern, Politikern und Wasser-Experten aus aller Welt. Vom 16. bis zum 22. März werden mehr als 20 000 Teilnehmer erwartet, darunter die Vorsitzenden internationaler Organisationen, Minister aus mehr als 100 Staaten und 25 Staats- oder Regierungschef.
Auch Wirtschaftsvertreter warnten vor dem Treffen, eine Vernachlässigung des Problems der Wasserknappheit könne katastrophale Folgen haben. "Arbeitsplätze gehen verloren, wenn in der Industrie und der Landwirtschaft, bei ihren Kunden und Lieferanten Wasser knapp wird", erklärte die Industrievereinigung BAW in einer Mitteilung. "Zusätzlich werden Gesundheitskosten und Rohstoffpreise steigen, die Produktivität wird jedoch sinken, wenn Abwässer nicht gereinigt werden", hieß es.
Allerdings gibt es einen Richtungsstreit und Lösungsansätze. In einigen Ländern wie in der Türkei setzen Regierung und Wirtschaft auf den Bau neuer Staudämme, um zusätzliches Land zu bewässern und Energie zu erzeugen. Umweltgruppen warnen vor den Folgen solcher Großprojekte, die für Menschen und Natur neue Probleme schafften. Nichtregierungsorganisationen werden in Istanbul in der kommenden Woche ein Alternativforum abhalten.
"Die Bezeichnung Weltwasserforum ist irreführend. Richtiger wäre Wasserausbeutungsforum, denn es geht hier fast ausschließlich um die Frage, wie man Wasser zu Geld machen kann. Auf die Menschen, Natur und Kulturgüter wird da kaum Rücksicht genommen", sagte dazu Ulrich Eichelmann, ein Sprecher der internationalen Kampagne gegen den Bau des im Südosten der Türkei geplanten Ilisu-Staudamms.
Das zurückliegende Weltwasserforum war 2006 in Mexiko-Stadt organisiert worden. Es wurde vor allem von der Frage bestimmt, ob es sich bei Wasser um ein Wirtschaftsgut handelt, oder ob der Zugang zu der Ressource ein Grundrecht sei. Die Teilnehmer hatten sich bis zum Schluss nicht darauf einigen können, den freien Zugang zum Wasser als ein Grundrecht aller Menschen zu bezeichnen. Minister aus 120 Staaten appellierten in einer Abschlusserklärung lediglich dafür, die Bedeutung des Wassers für eine umweltfreundliche Entwicklung der Welt anzuerkennen. (dpa)
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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