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Weltgesundheitsbericht: Wenn Krankheit in den Ruin führt

100 Millionen Menschen rutschen jedes Jahr in die Armut ab, weil sie nicht krankenversichert sind - nicht nur in Entwicklungsländern. Kritik übt die WHO auch an der Politik der schwarz-gelben Koalition in Berlin.

Demonstration in den USA für eine Gesundheitsreform.
Demonstration in den USA für eine Gesundheitsreform.
Foto: epd
Berlin –  

Die von der schwarz-gelben Koalition forcierten Vorkasse-Tarife in der gesetzlichen Krankenversicherung stoßen bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Kritik. Im Weltgesundheitsbericht, der heute veröffentlicht wurde, heißt es, derartige Zahlungssystem führten in der Regel zur Verschwendung und zur Überversorgung.

Als Grund nennt die WHO die bei diesen Modellen fehlende Kostensteuerung durch die Krankenkassen. Die Organisation plädiert stattdessen für Systeme, bei denen es möglichst keine direkten Finanzbeziehungen zwischen Ärzten und Patienten gibt.

Aus dem Bericht, der sich mit der Finanzierung der Gesundheitssysteme weltweit beschäftigt, geht hervor, dass jährlich 100 Millionen Menschen in Armut abrutschen, weil sie nicht krankenversichert sind. Die unzureichende Finanzierung der Gesundheitsversorgung sei nicht nur ein Problem von Entwicklungsländern.

Die WHO beklagt, dass auch in Industriestaaten viele Menschen mit den Behandlungskosten überfordert seien. In den USA seien Privatleute meistens deshalb überschuldet, weil sie Behandlungen nicht hätten selbst zahlen können. Auch in Griechenland, Polen und Ungarn müssten viele Menschen finanzielle Härten erleiden, weil sie direkt für ihre medizinische Versorgung zu zahlen hätten. „Niemand sollte finanziellen Ruin befürchten müssen, weil er medizinische Behandlungen benötigt“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

Weniger als 35 Dollar pro Kopf und Jahr

Die WHO fordert die internationale Gemeinschaft auf, deutlich mehr Geld in den Gesundheitssektor zu investieren. Derzeit geben 31 Länder weniger als 35 US-Dollar pro Kopf und Jahr für den Gesundheitsbereich aus. Wenn mehr Länder ihre Zusagen einhielten, bis 2015 wenigstens 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe bereitzustellen, könnten bis 2015 drei Millionen Menschenleben zusätzlich gerettet werden, heißt es in dem Bericht. Doch auch die armen Länder sieht die WHO in der Pflicht. Sie rät, durch effizientere Steuererhebung und Steuern auf Tabak, Alkohol oder Währungstransaktionen neue Finanzierungsquellen zu erschließen.

Reicheren Ländern empfiehlt die WHO vor allem mehr Anstrengungen, um die Effizienz der Gesundheitssysteme zu erhöhen. Bis zu 40 Prozent der Ausgaben würden vergeudet, schätzt die Organisation. Besonders in den Kliniken und bei Medikamenten werde Geld verschwendet. So zahlten einige Länder für Arzneimittel das bis zu 67fache des internationalen Durchschnittspreises. Mehr als die Hälfte aller Medikamente werde zudem unsachgemäß verordnet, kritisierte die WHO.

Autor:  Timot Szent-Ivanyi
Datum:  22 | 11 | 2010
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