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18. Januar 2016

Westjordanland: Zwei Messerangriffe in israelischen Siedlungen

 Von 
Trauerfeier für Dafna Meir in Jerusalem.  Foto: dpa

Innerhalb weniger Stunden stechen palästinensische Attentäter zwei Frauen in jüdischen Siedlungen nieder. Mehr und mehr zeigt sich Israels Hilfslosigkeit gegen den Terror. In den wenigsten Fällen gibt es vorher Anzeichen für Anschlagspläne.

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Dafna Meir wollte gerade ihre Haustür streichen, als ein Mann mit einem Messer vor ihr auftauchte – und mehrmals auf sie einstach. Die sechsfache Mutter wehrte sich nach Leibeskräften. Ihre älteste Tochter, die 17-jährige Rinana, eilte hinzu. Einen Moment lang schien es, der Angreifer wolle sich nun auf sie stürzen. „Unsere Blicke trafen sich“, erinnert sich Rinana. Aber er konnte sein Messer aus Dafna nicht herausziehen, und so rannte er weg. Das Mädchen schrie um Hilfe. Rettungshelfer waren nur Minuten später da. Aber all ihr Tun war vergebens. Dafna Meir starb am frühen Sonntagabend auf der Schwelle ihres Hauses in Otniel, einer Siedlung im Süden der Westbank.

Die 38-Jährige, die als Krankenschwester in Beer Scheva gearbeitet hat, ist das 30. israelische Todesopfer, seitdem die jüngste palästinensische Terrorwelle im Oktober begann. Über 160 erfolgte oder versuchte Attacken mit Messern, bisweilen auch mit Autos oder Schusswaffen hat es gegeben, meist auf offener Straße, an Haltestellen, vor Einkaufszentren. Jetzt fühlen sich viele Israelis, vor allem in den Westbank-Siedlungen, sogar daheim nicht mehr sicher. Auf polizeiliche Anweisung schlossen sich die Siedler von Otniel auch am Montag in ihren vier Wänden ein, dem zweiten Tag der Großfahndung nach Dafna Meirs Mörder. Israelische Militäreinheiten unternahmen unterdessen Razzien in den umliegenden palästinensischen Dörfern.

Unauffällige Einzeltäter

Doch Montagvormittag geschah dann gleich die nächste Attacke: In der Siedlung Tekoa nahe Bethlehem stach ein 15-jähriger Palästinenser eine Schwangere nieder und verletzte sie schwer. Der Jugendliche wurde angeschossen und verhaftet. Die Armee schickte daraufhin palästinensische Arbeiter, die in den Siedlungen beschäftigt sind, nach Hause, um sie vor etwaiger Selbstjustiz zu schützen. Palästinenser mit einer israelischen Arbeitserlaubnis sollen nun intensiver kontrolliert werden.

Allerdings gab es bei der akuten Gewaltwelle in den wenigsten Fällen Anzeichen für Anschlagspläne. In aller Regel handelte es sich um zuvor gänzlich unauffällige Einzeltäter. „Die Streitkräfte finden die überwiegende Mehrheit der Terroristen erst, wenn sie zuschlagen“, meint der „Haaretz“-Journalist Amos Harel. Bei Interviews im Gefängnis im Auftrag des Militärs gaben viele an, sie hätten den Tod von Freunden oder Verwandten rächen wollen. Dieses Motiv hat offenbar den Konflikt um Jerusalems Tempelberg als Auslöser der Gewalt längst abgelöst. Die „Messer-Intifada“ scheint ein Selbstläufer geworden zu sein.

Dafna Meir, die laut ihrer Kollegen Juden wie Araber gleichermaßen pflegte, wurde derweil in Jerusalem unter großer Anteilnahme und im Beisein mehrerer Minister bestattet. Der Attentäter werde den „vollen Preis“ noch zahlen müssen, versprach Premier Benjamin Netanjahu.

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