kalaydo.de Anzeigen

Wettbewerb: Bundesumweltamt drängt auf Flugabgabe

11,5 Milliarden Euro spare die Flugbranche jährlich, weil sie keine Kerosin- und keine Mehrwertsteuer bei Flügen ins Ausland zahlt - der Präsident des Umweltbundesamtes will das ändern.

Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, hält eine Flugverkehrsabgabe für dringend nötig, um Klimaschäden zu verringern und die Wettbewerbsverzerrung etwa gegenüber der Bahn zu verringern. Bislang profitiere der Flugverkehr jährlich mit 11,5 Milliarden Euro davon, dass er keine Kerosinsteuer und keine Mehrwertsteuer bei Flügen ins Ausland zahlt, sagte Flasbarth der FR. „Die Ticketabgabe, die rund eine Milliarde Euro pro Jahr einbringen soll, wäre also nur ein kleiner Beitrag zum Abbau dieser gravierenden Wettbewerbsverzerrung.“

Der Bund will im Rahmen des Sparpakets eine Flugticket-Abgabe einführen, die nach den Plänen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) 13 Euro pro Inlandsflug und 26 Euro pro Auslandsflug betragen soll. Der Plan war nicht nur von den Airlines heftig attackiert worden. Widerstand kam auch aus der Koalition, den schwarz-gelb regierten Ländern Hessen und Bayern sowie dem SPD-Land Rheinland-Pfalz. Die Luftlobbyisten warnten vor sinkenden Passagierzahlen. Allerdings hieß es am Freitag seitens des Frankfurter Flughafens, es würden letztlich nur wenige Passagiere ins Ausland ausweichen.

Der UBA-Chef sprach sich dafür aus, die Ticket-Abgabe auch nach 2012 voll beizubehalten. Dann soll der Flugverkehr in den EU-Emissionshandel aufgenommen werden; die Airlines müssen einen Teil der CO2-Lizenzen bezahlen, die sie brauchen. Flasbarth argumentierte, der Emissionshandel decke die Umweltwirkungen des Luftverkehrs nur teilweise ab: „Er berücksichtigt zum Beispiel die Klimagas-Emissionen der Flugzeuge in großer Höhe nicht; diese wirken aber wesentlich klimaschädlicher als die gleiche Menge am Boden.“

Nach UBA-Berechnungen wird die geplante Teil-Auktionierung der CO2-Zertifikate im Luftverkehr für Deutschland unter 100 Millionen Euro pro Jahr bringen – deutlich weniger als die Ticketabgabe. Emissionshandel und Abgabe müssen daher „nebeneinander wirken, um die Umweltschäden einzudämmen“, sagte Flasbarth.

Flasbarth rechnet damit, dass die Abgabe zumindest zum Teil an die Verbraucher weitergegeben wird. Aus Umweltsicht sei es richtig, die Flugpreise zu erhöhen, um sie der „ökologischen Wahrheit“ anzunähern. „Belastet das Flugzeug die Umwelt stärker, muss es mehr kosten als ein umweltverträglicheres Verkehrsmittel wie der Fernbus oder die Bahn. Insofern sind höhere Ticketpreise sinnvoll.“ Der Flugverkehr ist laut Flasbarth „die umweltschädlichste Form der Fortbewegung“. Sein weltweiter CO2-Ausstoß entspreche schon heute dem eines Industriestaates wie etwa Polen, bei stark steigender Tendenz. Zudem sei die Gesamt-Klimawirkung des Luftverkehrs mindestens doppelt so groß wie die des CO2-Ausstoßes allein − etwa durch die verstärkte Bildung von Kondensstreifen und Schleierwolken sowie den Aufbau des Treibhausgases Ozon in einem sensiblen Bereich der Atmosphäre.

Neben der Umwelt leide aber auch der Mensch, warnte der UBA-Chef. „Vor allem nachts kann Fluglärm zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.“ Auch das müsse bei der Ticketabgabe bedacht werden.

Debatte über Fiskusprivileg

Der Koalitionsstreit über das Sparpaket erreichte die Länder. Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) wies die Kritik seines Wirtschaftskollegen Martin Zeil (FDP) an Schäubles Plan zur Korrektur des Insolvenzrechts zugunsten der Finanzämter zurück. Er sei „grundsätzlich zu begrüßen“, so Fahrenschon zur FR. Derzeit sei der Fiskus gegenüber anderen Gläubigern im Nachteil: „Steuerausfälle sind vorprogrammiert.“ Das müsse anders werden. Mehrere FDP-Länderminister hatten gegen eine Reform plädiert.

Autor:  Joachim Wille und Markus Sievers
Datum:  23 | 7 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Zeitgeschichte

Deutschland 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: Die FR beschreibt das Land anhand der Lebensgeschichten ihrer Einwohner.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!