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22. August 2010

Wetter: La Niña und der Super-Monsun

 Von Joachim Wille
Pakistan leidet unter dem Monsun. Foto: dpa

Wetterextreme bringen Regen in sonst trockene Regionen Asiens. Hochwasser könnte ein Vorgeschmack auf künftige Katastrophen sein.

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Bündnis Entwicklung Hilft
Oxfam
MSF
Kindernothilfe

Dazu zählen die fünf Hilfsorganisationen Brot für die Welt, Medico International, Misereor, Terre des Hommes und die Welthungerhilfe. Das Bündnis hat bereits erste Nothelfer nach Pakistan geschickt. Die Welthungerhilfe kauft mit den Spendengeldern etwa vor Ort Lebensmittel ein und verteilt sie an Bedürftige. Misereor versorgt zahlreiche Flüchtlinge. Medico International unterstützt die pakistanische Organisation Health and Nutrition Development Society (Hands), eine der größten zivilgesellschaftlichen Organisationen in Pakistan mit mehr als 1000 Mitarbeitern und etwa 100000 freiwillige Helfer. www.entwicklung-hilft.de Konto: 5151; Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl: 37020500; Stichwort: Pakistan

Die Hilfsorganisation versorgt die Flutopfer mit sauberem Trinkwasser und hilft mit Booten bei der Rettung der Menschen. In den kommenden Wochen will Oxfam zudem Latrinen errichten, Hygiene-Pakete verteilen und erste Projekte starten, bei denen Helfer mit Geld bezahlt werden. Zurzeit sind etwa 100 Oxfam-Mitarbeiter vor Ort.
Konto: 131313; Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl: 37020500; Stichwort: Fluthilfe Pakistan

Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières Deutschland) hat sich unter anderem auf den Weg nach Khabula gemacht. In der Nähe der Stadt waren mehr als tausend Menschen auf einem schmalen Streifen Land von den Wassermassen eingeschlossen. Die Helfer schütteten Sand auf. Jetzt verteilen sie Hygieneartikel und verarzten die Opfer in einer mobilen Klinik. Neben der
medizinischen Hilfe versorgt die Organisation auch Familien mit Trinkwasser und Lebensmitteln.
Konto: 97097; Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl: 37020500; Stichwort: Pakistan und andere

Die Kindernothilfe versorgt derzeit etwa 20000 Flutopfer mit Trinkwasser, Zelten, Lebensmitteln und Hygieneartikeln. In den kommenden Tagen soll etwa 70000 Menschen geholfen werden. Besonders Kinder seien nach der Flut gefährdet, wenn sie in verseuchtem Wasser spielen oder es gar trinken. Das christliche Kinderhilfswerk arbeitet meist mit Partnern vor Ort.
Konto: 454540; KD Bank, Bankleitzahl: 35060190; Stichwort: Pakistan

Leichter Regen ist für den Norden Pakistans vorausgesagt, ab Mitte oder spätestens Ende der Woche nur noch leichte Bewölkung oder Sonne. Keine Sturzbäche vom Himmel mehr, aber auch so bleibt die Lage dramatisch. Denn die Hochwasserlage entspannt sich nicht sofort, wenn weniger Nachschub von oben kommt. „Es dauert eben, bis das Wasser abgeflossen ist“, erläutern Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der Indus, der die Wassermassen letzten Endes ins Arabische Meer abtransportieren muss, ist mehr als 3000 Kilometer lang.

Die Wetterlage ändert sich mit dem Ende der Monsunzeit, allerdings für viele Opfer der Katastrophe zu spät. Und: Zwar sinkt das akute Überflutungsrisiko, doch steigt nun die Seuchengefahr, besonders, da die Temperaturen mit bis zu 40 Grad sehr hoch sind. Ideale Bedingungen für die Vermehrung von Krankheitserregern.

Ursache: „La Niña“

Der jährliche Sommer-Monsun, der die Flutkatastrophe in Pakistan und auch die jüngsten verheerenden Überschwemmungen in Westchina ausgelöst hat, beherrscht das Klima auf dem indischen Subkontinent von Mai bis August; Ende des Monats bricht die Strömung allmählich zusammen. Seine Zugbahn verläuft vom Indischen Ozean Richtung Himalaya. In diesem Jahr war der Monsun, der immer gewaltige Regenmengen mit sich bringt, aber besonders stark ausgeprägt. Folge: Die Niederschläge fielen noch heftiger aus als sonst, und die Strömung dehnte sich auch ungewöhnlich weit in den Norden aus − bis nach Pakistan. Üblicherweise ist das Land eher trocken, kaum vom Monsun betroffen. Die Wolken regnen sich sonst über Indien komplett ab.

Ursache für den Super-Monsun ist ein Klimaphänomen, das „La Niña“ (spanisch: das Mädchen) genannt wird. La Niña ist das „kühle“ Pendant zum bekannten Wetterereignis „El Niño“ (Christkind, Junge). Beide zusammen stellen die stärkste natürliche Klimaschwankung auf dem Planeten dar, die das Wetter in den Tropen rund um den Globus beeinflusst. Allerdings sind die Wechsel zwischen diesen beiden Extremen in den vergangenen Jahrzehnten sprunghafter geworden.

El Niño, der alle drei bis acht Jahre auftritt, startet meist um Weihnachten vor der Küste Perus mit einer sehr warmen pazifischen Meeresströmung, die unter anderem an den Westküsten Amerikas heftige Regenfälle und in Südostasien Dürren auslöst. La Niña wiederum verstärkt die Muster der globalen Wetterzirkulation. Feuchte Pazifikluft wird so per Monsun weiter nach Norden Richtung Himalaya geweht. An vielen Wetterstationen in Pakistan wurden im Juli und August Tages-Niederschläge von bis zu 280 Litern pro Quadratmeter gemessen – das entspricht der Regenmenge, die in Deutschland normalerweise im ganzen Sommer fällt.

„In der natürlichen Schwankungsbreite“

Ob der Klimawandel den Super-Monsun mit verursacht hat, ist umstritten. Experten wie der DWD-Klimatologe Gerhard Müller-Westermeier verweisen darauf, dass in einer wärmeren Atmosphäre der „globale Wasserzyklus“ verstärkt abläuft. Das heißt: Es verdunstet mehr Wasser, und die Niederschläge nehmen zu. Insofern passt die Pakistan-Flut in das Muster.

Der Meteorologe warnt aber davor, von einzelnen Extremereignissen immer gleich auf die „große Klimakatastrophe“ zu schließen. Das gelte auch für die Mega-Überschwemmung, die Nordostchina und Nordkorea aktuell heimsucht. Dort mussten in der Millionenstadt Dandong mehr als 120000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. „Dazu braucht es kein verändertes Weltklima, solche Ereignisse liegen noch in der natürlichen Schwankungsbreite.“

Auch der Kieler Klima-Professor Mojib Latif, sonst einer lautesten Mahner vor dem Klimawandel, nimmt die Flutkatastrophen in Asien und die anderen jüngsten Extremereignisse wie die Trockenheit in Russland nicht als Beleg für das veränderte Klima-Regime. „Das kann durchaus Zufall sein“, sagt er. Hinzu komme: Die Folgen seien durch Bevölkerungszunahme und falsche Siedlungspolitik oft zusätzlich verstärkt. Aber die Klimaforscher erwarteten in Zukunft durchaus eine Häufung der Extreme. „Das, was wir jetzt erleben, ist nur ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet“, sagt Latif.

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