Hamburg (dpa) - Die Umweltorganisation Greenpeace hat gefordert, die Rohstoffe in der Arktis vorläufig nicht auszubeuten. Es sei wissenschaftlich unerforscht, was sich unter der bisherigen arktischen Eisdecke verberge, sagte Greenpeace-Expertin Iris Menn am Dienstag in Hamburg. Von daher sei es nicht zu verantworten, dort Gas, Öl oder Mineralien zu gewinnen. „Nicht zuletzt durch die Katastrophe im Golf von Mexiko wissen wir, was Ölförderung anrichten kann“, sagte Menn der Nachrichtenagentur dpa. Nach Russland und Dänemark haben auch die USA ein Forschungsschiff in Richtung Nordpol entsandt, um ihre Ansprüche auf die dort vermuteten Rohstoffe zu untermauern.
Die Kanadier bereiten ihren Aufbruch in die Arktis für Mittwoch vor. Das Forschungsschiff «Louis S. St-Laurent» werde von Nunavut, dem riesigen Territorium im kanadischen Norden, aus starten und je nach Wetter- und Eislage im Kanada Becken (Canada Basin) auf ihre amerikanischen Kollegen stoßen.
Beide Teams wollen über Echoschall und seismische Reflektionen Daten sammeln, um die Grenzen des nordamerikanischen Kontinents festzulegen. Das Ergebnis soll ihnen helfen, ihre Rechte auf den Abbau wertvoller Mineralien und Rohöl zu untermauern. Nach der internationalen Seerechtskonvention der Vereinten Nationen hat jedes Küstenland Anspruch auf das Gebiet, das sich bis zu 200 Seemeilen (370 Kilometer) vor seiner Kontinentalplatte ausdehnt.
Derweil bekräftigte Russland seinen Anspruch auf Teile der Arktis- Ressourcen. Der Kreml werde voraussichtlich 2014 einen Antrag bei den Vereinten Nationen einreichen, dass der Meeresboden eine natürliche Verlängerung des russischen Festlandes sei und Moskau dort Rohstoffe abbauen dürfe. Das sagte der Kreml-Beauftragte für die Arktis, Artur Tschilingarow, am Montag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau.
«Um die wirtschaftliche Sicherheit Russlands auch in Zukunft zu gewährleisten, müssen wir klarstellen, dass der Festlandsockel uns gehört», sagte Tschilingarow. Russland wolle dazu mit allen Arktis- Anrainerstaaten «konfliktfrei» zusammenarbeiten. «Aber wir haben unsere festen Vorstellungen.»
Erst vor kurzem waren ein russischer Atomeisbrecher sowie ein Forschungsschiff in die Arktis ausgelaufen. Bei der größten Expedition dieser Art seit zehn Jahren will Russland Daten für seinen UN-Antrag sammeln. Moskau beansprucht einen 1,2 Millionen Quadratkilometer großen Teil der Arktis einschließlich des Nordpols. Dies wird damit begründet, dass der Festlandsockel die Fortsetzung der eurasischen Landmasse sei. (dpa)
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