Wikileaks-Sprecher Julian Assange versteht es geradezu meisterhaft, auf der Linie zwischen Geheimniskrämerei und Paranoia zu wandeln und damit die Neugier auf die Aktivitäten seiner Organisation zu schüren. Jetzt zum Beispiel schickte Assange per E-Mail einen Hilferuf an Menschen in aller Welt.
Darin heißt es verschwörerisch: "Wikileaks ist eine kleine Organisation, die enorm wächst und unter Hochsicherheitsbedingungen arbeitet. Das macht Kommunikation zeitaufwändig und das Anwerben neuer Mitarbeiter und freiwilliger Helfer schwierig, weil beides ein hohes Maß an Vertrauen braucht." Es folgt ein Appell, den Wikileaks auch über Twitter verbreitete: "Wir wollen, dass ihr zusammen mit anderen Unterstützern lokale ,Freunde von Wikileaks'-Gruppen bildet." Dann kommen eine E-Mail-Adresse - und ein Satz wie aus einem Film: "Weitere Instruktionen werdet ihr dann erhalten."
Tatsächlich steht die Whistleblower-Plattform derzeit unter Druck: Das Magazin Wired hatte in der vergangenen Woche den US-Soldaten Bradley Manning als den Informanten präsentiert, der das "Collateral-Damage"-Video aus dem Irak an Wikileaks geleitet haben soll, das der Plattform große Aufmerksamkeit bescherte.
Manning hatte sich dem Bericht zufolge einem Ex-Hacker anvertraut, der ihn an das FBI und das Militär verriet. Wikileaks besteht weiterhin darauf, die Identität seiner Informanten nicht zu kennen und schon gar nicht zu verraten, will dem in Kuwait inhaftierten Manning aber juristisch zur Seite stehen. Sollte sich herausstellen, dass er das Video wirklich an Wikileaks weitergeleitet hat, wäre er der erste enttarnte Informant der Plattform.
Manning soll Wikileaks laut Wired außerdem ein weiteres, noch brisanteres Video aus Afghanistan sowie 260000 geheime Telegramme über fragwürdige Aktivitäten von US-Botschaften geliefert haben. Deshalb gibt es nun Gerüchte, dass die Behörden Assange vernehmen und die Veröffentlichung verhindern wollen.
Sprecher Assange versteckt sich
Die einzige halboffizielle Quelle dafür ist die Aussage eines ungenannten Offiziers, der von der Online-Zeitung The Daily Beast mit den Worten zitiert wird: "Wir wüssten gerne, wo er ist. Wir hätten in diesem Fall gerne seine Kooperation." Der gebürtige Australier Assange jedenfalls hält seinen derzeitigen Aufenthaltsort vorsichtshalber geheim.
Wie genau die "Freundeskreise" der Organisation helfen können, ist unklar. Bisher hatte Wikileaks vor allem um Spenden gebeten, aber auch um juristische Unterstützung und Serverkapazität. Vorstellbar sind nun auch andere Hilfestellungen. Assange etwa hat keinen festen Wohnsitz und quartiert sich ausschließlich bei Sympathisanten ein.
Wikileaks bekommt zudem mittlerweile derart viele Dokumente zugespielt, dass die Experten nicht mehr mit dem Sichten und Überprüfen hinterherkommen. Der deutsche Sprecher von Wikileaks, Daniel Schmitt, war am Dienstag nicht für eine Erklärung zu erreichen. Wer helfen will, muss also eine E-Mail schreiben. Und dann auf die weiteren Instruktionen warten.
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