Ein bislang geheim gehaltener Bericht aus dem US-Justizministerium enthüllt, wie die amerikanischen Geheimdienste nach dem Zweiten Weltkrieg in großem Stil NS-Verbrechern eine sichere Zuflucht boten. Die New York Times (NYT) zitierte am Wochenende ausführlich aus dem Bericht, den das Ministerium seit vier Jahren unter Verschluss halte. Das Dokument stammt aus dem Office of Special Investigations (OSI), 1979 gegründet, um in die USA eingewanderte Altnazis aufzuspüren. Das Amt wurde in diesem Jahr mit einer anderen Abteilung des Ministeriums fusioniert – was erklären könnte, wie der Bericht zur NYT gelangte.
Dass die CIA zahlreiche Ex-NS-Schergen beschäftigte, war bekannt. Unter anderem arbeiteten im Atombomben- und Raketenprogramm belastete Wissenschaftler. Der Report beschreibt das Ausmaß der Verstrickung als „Kollaboration der Regierung“ mit den NS-Verbrechern. Die USA, die sich als „sicherer Hafen für die Verfolgten“ verstünden, hätten wissentlich die Verfolger ins Land geholt.
Der Report nennt etliche Beispiele. Etwa Otto von Bolschwing, Mitarbeiter von Adolf Eichmann, dem Hauptorganisator des Massenmordes an Europas Juden. Von Bolschwing arbeitete seit 1949 für die CIA. In einer Reihe von Memos diskutierten seine Vorgesetzten beim Geheimdienst, wie sie reagieren würden, sollte jemand nach seiner Vergangenheit fragen. „Einfach alles abstreiten“ scheint sich durchgesetzt zu haben. Von Bolschwing reiste in die USA und wurde US-Bürger. Erst 1981 sollte er auf Druck des OSI ausgewiesen werden, starb aber, bevor es dazu kam.
Das Justizministerium gibt laut NYT an, der Bericht sei formal nie fertiggestellt worden. Er enthalte zahlreiche Fehler – welche, sagt das Ministerium nicht.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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