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Wie es den Kliniken geht

Von Stellenabbau bis Überversorgung: Fakten-Check von Michael Bergius

Glaubt man den Protestierenden, dann geht des deutschen Hospitälern schlecht: Die Branche befinde sich im "ökonomischen Würgegriff", klagt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). Die Frankfurter Rundschau prüft einige der Aussagen.

Die große Koalition treibt die Kliniken in die roten Zahlen.

Diesen Vorwurf erhebt die DKG und hat ihre Demo daher nach Berlin verlegt. Doch die Adressaten sitzen keineswegs nur in der Hauptstadt. Seit den 70er Jahren teilen sich die Krankenkassen und die Bundesländer die Finanzierung des Klinikwesens; die einen kommen durch Beitragsmittel der Versicherten für die Behandlungskosten auf, die anderen sind für Investitionen in medizinisches Gerät und Bauten zuständig. Soviel zur Theorie. In der Praxis haben die Länder sich immer weiter aus ihrer Verantwortung zurückgezogen. Während die Kassen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro an die Krankenhäuser überweisen, gingen die Zahlungen der Länder zurück: zwischen 1993 und 2006 von 3,9 auf 2,7 Milliarden Euro.

Es gibt eine Finanzierungslücke von rund 6,7 Milliarden Euro für 2008/09.

Auf dieses Ergebnis kommt man, wenn man rechnet wie die DKG, die in die Summe vor allem höhere Kosten für Personal sowie Energie addiert. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) dagegen argumentiert, das von der Bundesregierung geschnürte Hilfspaket von 3,2 Milliarden Euro reiche, um die Nöte der Kliniken zu lindern und die Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Notwendig ist ein Investitionsprogramm.

Wenn damit die langjährigen Versäumnisse der Länder gemeint sind, trifft die Klage zweifellos ins Schwarze. Anders sähe es aus, wenn damit die Forderung nach einem Ausbau bestehender Kapazitäten verbunden wäre.

Allein für 2009 sind mehr als 20 000 Arbeitsplätze gefährdet.

Rationalisierung treibe viele Kliniken dazu, Personal zu entlassen, erklärt die DKG. In Deutschland müsse bereits heute eine Pflegekraft 20 Patienten betreuen. In den USA liege der Vergleichswert bei nur eins zu acht, im Schnitt anderer Industriestaaten bei maximal eins zu 13. Der Spitzenverband der Krankenkassen macht eine andere Rechnung auf: Er bezweifelt sogar den Bedarf an zusätzlichem Personal und verweist darauf, dass die Anzahl von Pflegekräften pro belegtem Krankenhausbett seit 1999 spürbar gestiegen sei. Überdies stelle sich die Frage, ob es in Sachen Honorierung zwischen ärztlichem und Pflegepersonal gerecht zugehe.

Ein Drittel der Krankenhäuser steht vor dem Aus.

Diese alarmierende Meldung geht seit geraumer Zeit um, und sie ist sicherlich nicht aus der Luft gegriffen. In Deutschland gibt es derzeit rund 2100 Krankenhäuser. Sie versorgen mit mehr als 1,1 Millionen Mitarbeitern jährlich knapp 17 Millionen Patienten. Nicht nur die Krankenkassen sprechen von Überversorgung. Deutschland liegt nach verschiedenen Statistiken im europäischen Vergleich an der Spitze, was das Verhältnis von Krankenhausbetten zu Einwohnern angeht. Die durchschnittliche "Verweildauer" von Patienten in deutschen Kliniken ist von 14,7 Tagen im Jahr 1990 auf zuletzt nur noch gut acht Tage zurückgegangen. Auch die DKG veröffentlicht Zahlen, wonach die Bettenauslastung im selben Zeitraum von 85,5 auf 76,3 Prozent gesunken ist.

Die Konsequenz

Wenn immer weniger Betten gebraucht würden, komme man auch mit weniger Kliniken aus, folgert der Kassen-Spitzenverband.

Datum:  26 | 9 | 2008
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