In der Pflege sind Fachkräfte seit Jahren knapp. Bereits 2005 fehlten rund 40.000 ausgebildete Vollzeit-Beschäftigte, berichtet das Bundesinstitut für Berufsbildung. Um den Mangel abzumildern, hätten Einrichtungen mehr An- und Ungelernte engagiert. Um den steigenden Bedarf zu decken, werde diese Strategie aber künftig nicht ausreichen.
Politik und Betriebe müssen mehr in die Ausbildung von Pflegekräften investieren, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Hier sei viel zu wenig passiert. Die Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege sei sogar gesunken: von 45.600 im Jahr 2004 auf knapp 43.000 im vorigen Jahr, kritisiert DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Zudem sei die Finanzierung unzureichend und zu kompliziert. Die Kosten für Altenpflegeschulen würden meist von den Bundesländern getragen, die unterschiedliche Regelungen hätten. Oft sei das Geld zu knapp bemessen. Deshalb verlangten etwa in Hamburg freie Schulträger von den Azubis Schulgeld. Die bayerische Landesregierung habe angekündigt, freiwillige Leistungen zu kürzen. Deswegen sei auch dort zu befürchten, dass Altenpflegeschüler künftig zahlen müssen.
Ausbildungsumlage gefordert
Betriebe, die Fachkräfte ausbilden, hätten oft einen Wettbewerbsnachteil, weil die Kosten nicht ausreichend bei den Pflegesätzen berücksichtigt würden. Um für faire Bedingungen zu sorgen, könnten die Bundesländer laut Altenpflegegesetz eine Ausbildungsumlage einführen, die alle Einrichtungen zahlen müssen. Das Geld kommt dann den ausbildenden Betrieben zugute. Derzeit gebe es die Umlage nur in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Um die Ausbildung zu verbessern, müssten die Länder mehr Geld für die Schulen bereitstellen, fordert Adamy. Schulgeld müsse tabu sein. Zudem sollten mehr Länder eine Umlage einführen.
Für den Personalmangel seien auch die Arbeitsbedingungen verantwortlich. Laut Adamy scheidet fast jede dritte Pflegekraft aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben aus. Denn Pflege sei anstrengend und anspruchsvoll, viele Beschäftigte hätten Schichtdienste – doch die Bezahlung sei oft gering. Das muss sich ändern, meint auch das Bundesfamilienministerium. Nötig seien attraktive Arbeitsbedingungen, die einen „ausdauernden Verbleib“ im Pflegeberuf möglich machten, heißt es in einer Erklärung des Ministeriums und des Pflegerats, in dem Pflegeorganisationen vertreten sind.
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