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Wirtschaftsgipfel: G8 war gestern - G20 soll 21. Jahrhundert bestimmen

Im kanadischen Muskoka treffen sich die mächtigsten Wirtschaftsnationen - aber spannend wird es erst mit den Neulingen Brasilien, Indien und China. Auf dem Höhepunkt der Finanzturbulenzen bewies die G20 ihre Handlungsfähigkeit und führt seither das Kommando. Von Markus Sievers

Berlin. Wenn die Staats- und Regierungschefs der acht führenden Industrienationen (G8) am Freitag und Samstag im kanadischen Feriengebiet Muskoka gemeinsam in die Kameras lächeln, wird das Gipfelbild wie ein Erinnerungsfoto an vergangene Zeiten, an die Weltordnung des ausgehenden 20. Jahrhunderts wirken.

Wirklich ernst wird es erst, wenn am Samstag ebenfalls in Kanada, aber in Toronto, die neuen Mächte dazustoßen, vor allem Brasilien, Indien und China. Dann verhandelt zwei Tage lang die G20, die im 21. Jahrhundert die Regeln setzt.

Diese Entwicklung sei durchaus im deutschen Interesse, heißt es in Berliner Regierungskreisen. Die Bundesregierung habe diesen Prozess sogar mit angestoßen. Das Tempo der Veränderungen aber hat alle überrascht. Auf dem Höhepunkt der globalen Finanzturbulenzen im Herbst 2008 bewies die Gruppe der 20 in höchster Not ihre Handlungsfähigkeit und führt seither das Kommando.

Die eigentliche Bewährungsprobe aber komme jetzt, meint ein hoher deutscher Regierungsvertreter. Nun müsse die neue, erweiterte Führung der globalen Politik zeigen, dass sie auch in "normalen Zeiten" gestalten könne. Der ganz große Druck ist weg, wenn Deutschland und China, die USA und Indonesien, Großbritannien und Brasilien um die Regulierung der Finanzmärkte ringen. Auch deswegen sind die Hoffnungen gering, dass der G20 in Toronto der Durchbruch gelingt.

Einschränkung mit Vorteilen

Die G8 wird sich erst gar nicht mit den Finanzmärkten befassen. Sie schränkt ihre Zuständigkeit ein auf die Sicherheits- und Entwicklungspolitik. Der Iran, der Nahe Osten, Afghanistan und Nordkorea stehen auf der Tagesordnung. Auch über Hilfen für Afrika und Abrüstung wollen sich die westlichen Staaten plus Japan sowie Russland austauschen. Das sind alles wichtige Anliegen.

Ihr traditionelles Kernthema, die Weltwirtschaft, streifen die G8 nur am Rande. Es käme in Peking und Neu-Delhi nicht gut an, wenn der Achterclub mit einer abgestimmten Position zu den G-20-Treffen anreiste, so deutsche Regierungskreise. Die Selbstbeschränkung sei aber auch eine Chance. Denn damit hätten die acht Spitzenpolitiker wie zu Beginn der großen Gipfeltreffen mehr Zeit, um sich ohne Termindruck austauschen.

Aufgeben will dieses Format derzeit niemand. Denn diese Runde habe den Vorteil, dass die Interessen "homogen" seien, heißt es im Kanzleramt. Das stimmt freilich nur bedingt, spätestens seit 1998 Russland dazustieß. Auch die westlichen Industrieländer können streiten, wie der Konflikt zwischen Washington und Berlin über das deutsche Sparpaket beweist. Selbst über das Telefonat, das US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel am Montag führten, verbreiteten beide Seiten unterschiedliche Versionen. Obama habe Merkel erklärt, wie wichtig "robuste Schritte" zur Konjunkturstabilisierung seien, teilte sein Sprecher mit. Laut der Version, die Merkels Leute verbreiteten, hat Obama das Thema Konjunkturimpulse in über 15 Minuten mit keiner Silbe erwähnt.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  22 | 6 | 2010
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