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Wulff-Nachfolge: Provinz statt große weite Welt

"Party und Politik" war einst sein Motto. Wenn der lebensfrohe Deutsch-Schotte David McAllister als nun Christian Wulff beerben will, wird er sich umstellen müssen. Von Peter Mlodoch

Der Deutsch-Schotte David McAllister wird voraussichtlich Christian Wulff beerben.
Der Deutsch-Schotte David McAllister wird voraussichtlich Christian Wulff beerben.
Foto: ddp

Hannover. Mit zwei alten Schulkumpels über Nacht nach London jetten und sich dort ein Konzert der Ska-Combo Madness reinziehen? Vor einigen Monaten noch konnte sich David McAllister dieses Vergnügen ohne Probleme gönnen. Künftig wird der 39-Jährige in solchen Dingen wohl zurückstecken müssen. Der niedersächsische CDU-Partei- und Fraktionschef soll am Donnerstag zum neuen Ministerpräsidenten seines Bundeslandes gewählt werden.

"Party und Politik" hatte der lebensfrohe Deutsch-Schotte einst als sein Motto ausgegeben; bei ihm verschmolzen die beiden Begriffe. Party, das war seine steile Karriere in der CDU, der er als 17-Jähriger beitrat: Ratsherr, Ortsbürgermeister, Landtagsabgeordneter, Generalsekretär, Fraktionsvorsitzender, Landesparteichef.

Party, damit beschrieb McAllister seine Lust an zugespitzen Auseinandersetzungen mit politischen Widersachern. Party, das waren auch seine umjubelten Auftritte in Festzelten. Hier war er in seinem Element, hier durfte der begnadete Redner die Konkurrenz verbal verprügeln. Vor allem die "Kommunisten", wie McAllister die Linken zu nennen pflegt, hatte er im Visier. "Die sollen sich vom Acker machen, die haben in unserem schönen Niedersachsen nichts zu suchen", pöbelte der gelernte Rechtsanwalt gern.

Jetzt sind für den künftigen Landesvater mildere Töne angesagt. Natürlich werde seine Rolle etwas staatstragender sein, kündigt McAllister an. "Ich bin dann ja für alle Niedersachsen da." Im Landtag ließ er die neue Zurückhaltung bereits spüren; aus den Krawall-Debatten zum bevorstehenden Wechsel des bisherigen Ministerpräsidenten Christian Wulff in das Bundespräsidentenamt hielt sich "Mac", wie ihn Freunde und Gegner respektvoll nennen, komplett raus.

Den präsidialen Stil seines Vorgängers und Förderers kann und will McAllister aber nicht kopieren. Wulffs Vorliebe für glamouröse Events teilt der heimatverbundene Kommunalpolitiker aus Bad Bederkesa nicht. "Alles eine Nummer kleiner", gibt sein Umfeld als Devise aus. Lächel-Fotos mit Stars und Sternchen sind McAllister im Gegensatz zu Wulff zuwider. "Wenn er die Wahl hat zwischen den Filmfestspielen in Cannes oder der Eröffnung eines Gemüsemarktes in Ostfriesland, ist doch klar, wofür er sich entscheidet", beschreibt ein Vertrauter die Vorlieben des Vaters von zwei kleinen Töchtern. Bodenständigkeit statt große weite Welt, solide Provinzpolitik statt Berliner Polit-Zirkus.

Als er nach der Bundestagswahl als potenzieller CDU-Generalsekretär gehandelt wurde, winkte der gebürtige Berliner und Sohn eines britischen Offiziers genervt ab. Inzwischen ist McAllister in den Personalspekulationen die Karriereleiter noch höher gerutscht; in einigen Zirkeln gilt er als Kronprinz von Kanzlerin Angela Merkel.

Der berüchtigte Andenpakt, das Bündnis der ehemals jungen Wilden in der Union, ist mit den Weggängen Wulffs und seiner Kollegen Günther Öttinger und Roland Koch zerbröselt. Die Vertreter der nächsten Generation, wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus oder Bundesumweltminister Norbert Röttgen, gelten in der Gesamtpartei als wenig vermittelbar. "Mappus zu rechts, Röttgen zu unbedarft, aber Mac kann es machen", heißt es in Kreisen der Bundestagsfraktion.

Dabei können selbst enge Weggefährten McAllister nicht richtig politisch verorten. Bisher habe er eigentlich nur die Linie Wulffs vertreten, heißt es in Hannover beim Bündnispartner FDP. "Wir wissen nicht genau, wofür er steht." Ein modern geprägter Konservativer, so lautet die Standardbeschreibung. Vorsichtige Kurswechsel etwa in der starren Bildungspolitik oder auch in der atomindustrie-freundlichen Energiepolitik mögen aber weder die Liberalen noch die eigenen Parteifreunde ausschließen. "Der wird vieles anders machen."

Die Bürde ist groß, schließlich gilt es, 2013 die Regierungsmacht im Land zu verteidigen. Derzeit steht McAllister zum Koalitionspartner FDP, dessen Führungspersonal er freundschaftlich verbunden ist. Doch er gilt durchaus als offen für ein Bündnis mit den Grünen. Und zumindest beim Thema Integration liegt "Mac", der nicht nur gerne mit seinem eigenen Migrationshintergrund kokettiert, sondern auch seine Partei weit für Menschen mit ausländischen Wurzeln geöffnet hat, schon mal auf einer ähnlichen Wellenlänge.

Autor:  Peter Mlodoch
Datum:  30 | 6 | 2010
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