Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

22. Dezember 2011

Wulffs Kreditaffäre: "Das ist das System Maschmeyer"

TV-Journalist Christoph Lütgert.  Foto: privat

Der TV-Journalist Christoph Lütgert hat gemeinsam Kollegen des NDR-Magazins Panorama den Film "Der Drückerkönig und die Politik" produziert. Er schildert die Geschäftspraktiken von Carsten Maschmeyer und dessen Finanzdienstleister AWD.

Drucken per Mail

Herr Lütgert, im Fall Wulff ist Maschmeyer nicht nur als Urlaubsgastgeber im Spiel, er soll 2007 auch Anzeigen für das biografische Wulff-Buch „Besser die Wahrheit“ finanziert haben. Hat Sie das überrascht?

Nicht wirklich. Das ist das System Maschmeyer. Er sucht die Nähe zu maßgeblichen Politikern, insbesondere denen, die aus Hannover kommen. Er hatte ja schon einmal eine Anzeigenkampagne finanziert, die für großes Aufsehen sorgte: „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“. 1998 machte sich Maschmeyer damit – ebenfalls zunächst anonym – für den SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder stark. Später hat er offen zugegeben, dass er damit den Kandidaten Oskar Lafontaine verhindern wollte. Und man kann schon mal die Frage stellen, ob es diesen enormen Privatisierungsschub bei der Altersversorgung auch unter Lafontaine gegeben hätte.

SPD, CDU – das Parteibuch scheint für Maschmeyer nicht so wichtig zu sein, oder?

Ich glaube, Maschmeyer kommt es darauf an, dicht an Entscheidungsträgern dran zu sein und dass er es genießt, der generöse Gönner zu sein. Bei dem unendlich vielen Geld, das er hat, muss sich nicht jedes Investment sofort auszahlen. Wulff war und ist eine ganz, ganz wichtige Figur in der Union.

Was haben Sie bei dem Dreh Ihres Films von diesem Hannoveraner Beziehungsgeflecht mitbekommen?

Darum ging es in dem Film nur am Rande, denn im Zentrum stand ja Maschmeyers Geschäftsmodell. Was ich aber mitbekommen habe, ist Folgendes: Viele Journalisten und Redaktionen versuchen da tiefer einzudringen, da hat sich bisher jeder die Zähne dran ausgebissen. Manchem Kollegen, der da tiefer eingestiegen ist, ist das beruflich nicht so gut bekommen. Es geht da um ein faszinierendes Biotop, das von Anwaltskanzleien über Unternehmen und Sportvereine bis hinein ins Rotlichtmilieu reichen soll. Das ist das, was man von dieser bunten Mischung auf der Oberfläche sieht – über das, was noch da drunter ist, gibt es irre Spekulationen.

Was Ihren Film angeht: Ist das Thema Maschmeyer für Sie abgeschlossen?

Journalistisch vorerst ja, denn es ist uns gelungen, zu zeigen, wie dieser Mann an seinen Reichtum gekommen ist und den Opfern eine Stimme zu geben, die ihre Ersparnisse verloren haben. Ich glaube, dass die Reputation von Herrn Maschmeyer nach dem Film eine andere ist, als davor. Was mich aber nach wie vor umtreibt, ist die Tatsache, dass sich Leute aus Politik und Kultur weiterhin mit Maschmeyer zeigen und sagen, der Mann ist mein Freund. Dass die Leute seine Nähe suchen, statt ihn zu ächten, ist kein gutes Zeichen.

Das Gespräch führte Hans-H. Kotte.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Parteitag

Darum bleibt „Die Linke“ saft-und kraftlos

Von  |
Der Tortenwerfer ersparte Linke-Politikerin Wagenknecht eine heikle Debatte.

Linker Populismus ist rechtem Populismus zuweilen gefährlich nahe - darüber beim Linke-Parteitag offen zu reden, hätte sich gelohnt. Doch dazu kam es nicht. Der Leitartikel. Mehr...

Atomwaffen

Worte der Hoffnung

Obama: „Aber wir müssen auch den Mut haben, der Logik der Angst zu entkommen und eine Welt anstreben ohne Atomwaffen.“

Barack Obama spricht erneut von einer Welt ohne Atomwaffen. Er weckt damit Erwartungen, die er selbst nicht erfüllen kann. Doch sein Traum könnte ein Ziel für die Menschheit sein. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung