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17. Februar 2016

Yongxing: Peking verlagert Raketen auf umstrittene Insel

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Auf der Insel Yongxing sollen die Chinesen Boden-Luft-Raketen stationiert haben.  Foto: imago/Xinhua

China dehnt mit neuem Kriegsgerät auf der Insel Yongxing seinen Einfluss im südchinesischen Meer aus. Für die Nachbarstaaten ist das eine deutliche Provokation.

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Das chinesische Militär stationiert Boden-Luft-Raketen in einem umstrittenen Seegebiet. „Auf der Insel Yongxing wurden Raketenbatterien installiert“, teilte das taiwanische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Taiwan gehört zusammen mit Vietnam zu den Ländern, die die betreffende Inselgruppe für sich beanspruchen. „Angesicht der Ausdehnung chinesischer Militärpräsenz in der Region fordern wir alle Seiten auf, Frieden und Stabilität zu wahren“, so die Regierung in Taipeh.

Mit der Verlegung der Raketeneinheit erhöht sich die Temperatur in einem schwelenden Konflikt: Die aufstrebende Großmacht China beansprucht das ganze Südchinesische Meer bis an den Strand der anderen Anrainer für sich. Peking verleiht nun seinen Forderungen mit der Verlegung von mehr und mehr Kriegsgerät Nachdruck – was bei den Nachbarn entsprechende Nervosität auslöst. Die Yongxing-Insel gehört zur Gruppe der Xisha-Insel, die auch als Paracel-Inseln bezeichnet werden und befindet sich bereits seit Jahrzehnten unter chinesischer Kontrolle.

Die Installation der Raketen irritiert die Nachbarländer daher vor allem im Zusammenhang mit anderen Aktivitäten der chinesischen Marine. Sie hat eine Reihe von Riffen mit Tausenden von Kubikmetern Steinen, Sand und Beton zu Stützpunkten ausgebaut und an solchen Orten unter anderem einen Hafen und eine Landebahn für die Luftwaffe gebaut. Die Raketen vom Typ HQ-9, die die amerikanische und taiwanische Satellitenaufklärung auf Yongxing erspäht haben wollen, können rund 200 Kilometer weit fliegen. Sie richten sich vor allem gegen Flugzeuge und könnten den Versuch eines Luftangriffs durch eines der Nachbarländer vereiteln.

Nach chinesischer Interpretation handelt es sich bei der Stationierung um eine völlig legale Nutzung von Seeraum, der zu China gehören. „Gewisse westliche Medien wollen da wieder etwas zu Nachrichten aufblasen“, sagte Außenminister Wang Yi. „Die Xisha-Inseln sind urchinesisches Gebiet. Die Entsendung von Verteidigungseinrichtungen hat mit einer sogenannten Militarisierung nicht zu tun“, teilte sein Ministerium später mit. Auffällig ist jedoch, dass die Nachricht gerade dann durchgesickert ist, als US-Präsident Barack Obama in Kalifornien ein Gipfeltreffen mit Führern südostasiatischer Staaten beendet hat, bei dem es unter anderem um den Vormarsch Chinas ging. Das Südchinesische Meer wird mehr und mehr zum einem Nebenschauplatz der Rivalität zwischen der alten Supermacht USA und dem Neuankömmling China.

Trotz der langjährigen Präsenz der Chinesen auf den betreffenden Inseln gilt die Stationierung von schwerem Gerät als deutliche Provokation, die Anwesenheit einer kleinen Basis war bislang stillschweigend akzeptiert. Der Konflikt im Südchinesischen Meer verläuft auch wegen der hohen Zahl der Teilnehmer unübersichtlich. Neben China, Taiwan und Vietnam haben auch Malaysia und die Philippinen hier Interessen. Berüchtigt ist die „Neun-Punkte-Linie“, mit der China seit 1947 sein Territorium markiert – sie verläuft in einer tausend Kilometer langen Ausbuchtung an den Küsten der Nachbarn entlang. Das von China beanspruchte Gebiet überlappt so mit dem von Vietnam, den Philippinen, Indonesien und Malaysia. Die Grenze der Nutzungszone verläuft in so einem Fall üblicherweise in der Mitte – von Chinas großer Ausbuchtung bliebe dann nur wenig übrig

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