Die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland steigt. Sie steigt seit 1996 und damit wachsen die Probleme. Seit 14 Jahren nun beobachtet das Statistische Bundesamt bereits die Entwicklung aller Familienformen im Osten wie im Westen. Am Donnerstag hat die Behörde ihre neusten Daten vorgelegt.
Alleinerziehende, das belegen die Zahlen, beziehen überdurchschnittlich häufig Hartz IV, sie sind deutlich stärker von Armut bedroht als Paar-Familien und sie nehmen häufiger erzieherische Hilfen wie Vollzeitpflege oder sozialpädagogische Familienhilfe in Anspruch. Alleinerziehende sind in den vergangenen Jahren zu eine festen Größe geworden. 19 Prozent betrug ihr Anteil an allen Familienformen in Deutschland 2009. Das heißt, in jedem fünften Familienhaushalt erzieht nur ein Elternteil mindestens ein minderjähriges Kind. 1996 war es noch jede siebte Familie.
Alleinerziehende Mütter arbeiten wesentlich häufiger in Vollzeit als Mütter in Paarfamilien. Während 42 Prozent der alleinerziehenden Frauen einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, sind es in Paarfamilien nur 27 Prozent. Dabei ging 2009 jede fünfte alleinerziehende Mutter einer Teilzeitbeschäftigung nach, weil sie keine Vollzeitstelle finden konnte. 37 Prozent aller nichterwerbstätigen alleinerziehenden Frauen ist zudem auf der Suche nach einer Arbeitsstelle. (tich)
Der Anteil Alleinerziehender in Ostdeutschland ist dabei deutlich höher als im Westen. Im früheren Bundesgebiet liegt er bei 17 Prozent, in den neuen Ländern bei 27 Prozent. Den höchsten Anteil Alleinerziehender weist Berlin mit 32,2 Prozent auf.
Scheidung ist Hauptgrund
72 Prozent der Kinder wachsen dagegen mit Eltern auf, die in einer ehelichen Gemeinschaft leben, neun Prozent der Familien sind Lebensgemeinschaften mit mindestens einem minderjährigen Kind. Die traditionelle Familie ist damit kein Auslaufmodell aber doch auf dem Rückzug.
Zudem ermittelte das Statistische Bundesamt, dass Mütter und Väter am häufigsten durch Ehescheidungen zu Alleinerziehenden werden – Mütter im übrigen deutlich häufiger als Väter. Alleinerziehende sind in der überwiegenden Zahl Frauen. In neun von zehn Fällen ist der alleinerziehende Elternteil die Mutter. Der ohnehin geringe Anteil alleinerziehender Väter ist seit 1996 noch einmal zurückgegangen, von damals 13 auf heute zehn Prozent. Alleinerziehende Väter betreuen zudem häufiger ältere Kinder und sind häufiger berufstätig als alleinerziehende Mütter.
Allerdings bestreiten auch die alleinerziehenden Mütter ihren Lebensunterhalt mehrheitlich durch eigene Arbeit. 60 Prozent sind erwerbstätig, 31 Prozent waren 2009 auf staatliche Transferleistungen angewiesen. Alleinerziehende Frauen in Ostdeutschland leben dabei überdurchschnittlich häufig von Hartz IV oder anderen Leistungen. Ihr Anteil liegt bei 38 Prozent. Prekär ist vor allem die Lage der alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter drei Jahren. Sie sind seltener berufstätig und versorgen ihre Kinder häufig zu Hause. 54 Prozent dieser Mütter müssen mit einem Familiennettoeinkommen von unter 1100 Euro auskommen. Sind dagegen die Kinder bereits schulpflichtig, sind auch die Mütter häufiger berufstätig und ihre Einkommen entsprechend höher.
Die angespannte finanzielle Lage Alleinerziehender führe dazu, dass sie sich viele Dinge nicht leisten könnten, die für andere selbstverständlich seien, erklärte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. So fehlt 19 Prozent der Alleinerziehenden das Geld, ihre Wohnung angemessen zu heizen.
Die familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Caren Marks, forderte die Bundesregierung am Donnerstag dringend auf, für ein verlässliches Angebot an Kinderbetreuungsplätzen zu sorgen. „Die geringe Erwerbsbeteiligung Alleinerziehender mit Kleinkindern ist vor allem auf fehlende Krippenplätze zurückzuführen“, sagte Marks der Frankfurter Rundschau. Der Ausbau der Betreuung sei die wichtigste Voraussetzung für Alleinerziehende, unabhängig von staatlichen Transferleistungen leben zu können, so Marks. Das Familienministerium müsse „endlich den tatsächlichen Bedarf an Krippenplätzen ermitteln“ und dann in einem Kraftakt gemeinsam mit den Kommunen für eine Anpassung des Angebots sorgen.
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