Mit einem Protestmarsch durch Kabul haben Hunderte Afghanen kurz vor dem zehnten Jahrestag des Kriegsbeginns gegen die USA demonstriert. Etwa 300 Männer und Frauen versammelten sich am Donnerstag mit Plakaten im Stadtzentrum und forderten den sofortigen Abzug der US-Truppen, die sie als Besatzungsmacht bezeichneten.
Die Demonstranten warfen den USA vor, Zivilisten zu töten, und beschimpften den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai als Marionette der Regierung in Washington. Eine US-Flagge wurde verbrannt. Zwei verschleierte Frauen trugen ein Banner mit der Aufschrift „Besatzung - Grausamkeiten - Brutalität“. Auf einem anderen Plakat war eine Karikatur Karsais als Handpuppe zu sehen, die ein Dokument mit der Überschrift „Versprechungen an die USA“ unterzeichnet. Die dreistündige Demonstration blieb friedlich.
„Die Invasion ist jetzt zehn Jahre her, aber seither haben wir nur Leiden, Instabilität und Armut in unserem Land gesehen“, kritisierte Hafizullah Rasikh, der die Proteste organisiert hatte. Karsai war im Juni 2002 zum afghanischen Präsidenten ernannt worden.
Sieben Monate zuvor hatten die Truppen der Nordallianz unterstützt von den USA das Taliban-Regime aus Kabul vertrieben. Die Zahl der getöteten Zivilisten in dem Krieg stieg 2011 auf einen neuen Höchststand. Etwa 80 Prozent der Toten gehen auf das Konto der Aufständischen, doch von den ausländischen Truppen verschuldete Vorfälle lösen meist deutlich mehr öffentlichen Aufruhr aus.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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