Die Bundesregierung hat die Hoffnung auf rasche Beschlüsse zur Rückkehr deutscher Soldaten aus Afghanistan gedämpft. „Von einem Baum herunterzuklettern ist komplizierter als schnell hinaufzugehen“, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) gestern beim Treffens mit seinen Nato-Kollegen in Brüssel. Notwendig sei eine enge Abstimmung mit den Verbündeten. „Dabei brauchen wir aber so etwas wie strategische Geduld.“
Derzeit sind fast 5000 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert. Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker hatte kürzlich gesagt, dass in einem ersten Schritt bis zum Jahresende 500 Männer und Frauen heimkehren könnten. Eine offizielle Einlassung der Bundesregierung dazu steht noch aus. Insgesamt umfasst die internationale Afghanistan-Truppe Isaf, die unter dem Kommando der Nato operiert, rund 130000 Soldaten. Drei Viertel sind US-Amerikaner.
Dem Vernehmen nach hat die US-Regierung die Nato-Partner bereits informiert, wann und wo sie mit dem Abzug ihrer Truppen beginnen will. Bekannt sind diese Überlegungen im Detail aber noch nicht. In Brüssel sickerte lediglich durch, dass das 5 000 Mann umfassende US-Kontingent im Norden Afghanistans bis Weihnachten um 900 Soldaten reduziert werden soll. In der Region hat die deutsche Bundeswehr die militärische Führung inne.
Nato-Diplomaten sagten, Deutschland könne gut mit diesen ersten Schritten der Amerikaner leben. Minister de Maizière betonte, es komme darauf an, dass die USA ihre „Schlüsselfähigkeiten“ wie Spezialkräfte, Hubschrauber oder Roboter zur Entschärfung von Sprengsätzen in der Gegend beließen.
Bis 2014 will die Nato ihre Kampftruppen aus Afghanistan komplett abziehen und die Verantwortung für die Sicherheit schrittweise an einheimische Polizisten und Soldaten übergeben. US-Präsident Barack Obama ist entschlossen, bereits in diesem Jahr 10000 amerikanische Kämpfer nach Hause zu holen. Bis Herbst kommenden Jahres sollen es insgesamt 33000 sein.
Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen versicherte den Afghanen abermals, dass die Allianz dem Land nicht vollends den Rücken kehren werde. „Training und Bildung werden ein zentrales Element unserer Strategie bleiben“, sagte der Däne. Er kündigte an, dass die Hilfe für Afghanistan nach 2014 ein Schwerpunkt der internationalen Konferenz sein soll, die im Dezember auf dem Petersberg bei Bonn geplant ist.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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