Entwaffnet die Märkte!", schreibt Ignacio Ramonet. Es sei Zeit, dem zerstörerischen Finanzsystem "Sand ins Getriebe zu streuen", findet der Chefredakteur von Le Monde Diplomatique. Nicht etwa mitten in der Finanzkrise, sondern im Dezember 1997.
Sein Plädoyer wider das wirtschaftsliberale Dogma wird zum Gründungsmanifest von Attac. Das erinnert an Attacke und klingt knackiger als "association pour une taxation des transactions financières pour l´aide aux citoyens" (Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohl der Bürger).
Diese Gruppe, die zunächst vor allem eine sogenannte Tobin-Steuer auf Börsendeals verlangt, gründet sich am 3. Juni 1998 in Paris. James Tobin übrigens, der sich die Steuer auf Finanzgeschäfte zuerst ausgedacht hatte, steht als Taufpate nicht zur Verfügung: Der Wirtschaftsnobelpreisträger schimpft über die "Anti-Globalisierungs-Revoluzzer". Am 22. Januar 2000 geht es auch in Deutschland los: im Bürgertreff des Frankfurter Studenten-Stadtteils Bockenheim gründen 140 Aktivisten ein "Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärktke", das sich bald in Attac umbenennt. Seit 2002 sitzt in Frankfurt auch das Attac-Bundesbüro.
Mit bunten Pace-Fahnen
Richtig bekannt wird Attac, als 200.000 Demonstranten gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 in die Knüppel der Berlusconi-Polizei laufen. Staatschefs hinter Stacheldraht hier, weitgehend friedliche Idealisten mit regenbogenbunten Pace-Fahnen da - die Sympathien sind klar. Dann wird auch noch der junge Italiener Carlo Giuliani von einem Polizisten erschossen.
In den Jahren darauf sind die Globalisierungskritiker immer für farbenfrohen Protest und kluge Gedanken am Rande von G8-Gipfeln oder beim Treffen der Mächtigen in Davos gut. Das Weltsozialforum als Gegenveranstaltung lockt zeitweilig mehr als 100.000 Menschen an.
In Deutschland erlebt die Aufmerksamkeit für Attac 2007 einen Höhepunkt, als sich die G8-Regierungschefs im Ostseebad Heiligendamm treffen. Seither hat die Aufmerksamkeit der Medien zwar ein wenig nachgelassen. Doch Attac wächst weiter. Mehr als 22000 Einzelmitglieder hat die Organisation in Deutschland, dazu 160 Mitgliedsorganisationen. Nach Frankreich ist Deutschland das zweitgrößte von 40 Attac-Ländern weltweit.
Und die Kritik am freien Fluss der Geldströme ist in den Parteien angekommen. CDU-Urgestein Heiner Geißler ist Attac beigetreten. Und es ist nicht mehr Ignacio Ramonet, sondern Bundespräsident Horst Köhler, der den Markt ein Monster nennt.
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