Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, tritt nicht mehr zu einer zweiten Amtszeit an. Das berichtet die Wochenzeitung Die Zeit. Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats, wollte der FR nichts zu den Spekulationen sagen. Es werde am Sonntag eine Direktoriumssitzung geben, in der auch über die Situation des Zentralrats gesprochen werden soll. "Ich werde mich an den derzeitigen Spekulationen nicht beteiligen. Meine Amtszeit läuft bis November. Ich werde in Kürze mit den zuständigen Gremien Gespräche führen", ließ Knobloch in München erklären.
Die Amtsführung der 77-jährigen Vorsitzenden war zuletzt heftig kritisiert worden. Der Publizist Henryk M. Broder hatte ihr vorgeworfen, überfordert zu sein. Eine demonstrative Kandidatur für den Vorsitz im Zentralrat hatte Broder wenig später aber wieder zurückgezogen.
Die Vertretung der Juden in Deutschland, deren Neuwahl in diesem Herbst ansteht, steht inhaltlich und personell vor einem Umbruch. In Interviews hatte Knobloch zuletzt mit einer Kandidatur geliebäugelt, falls es ihre Gesundheit zulasse. Sie ist die letzte Holocaust-Überlebende im Präsidium des Zentralrats. Als Kind war sie nur knapp der Ermordung durch die Nazis entgangen. Nach der Scheidung ihrer Eltern wurde sie von ihrer Großmutter erzogen, die 1944 im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Knobloch überlebte versteckt auf einem fränkischen Bauernhof.
2006 wurde sie als Nachfolgerin des verstorbenen Paul Spiegel zur Zentralratsvorsitzenden gewählt. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört die Integration zahlreicher Juden aus der ehemaligen UdSSR, die in vielen jüdischen Gemeinden die Mehrheit bilden. Knoblochs Vizepräsidenten sind Salomon Korn und Dieter Graumann. Der dritte starke Mann in der Vertretung der Juden ist Generalsekretär Stephan Kramer. Zwischen ihnen war es wiederholt zu Unstimmigkeiten gekommen.
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