Ein Mann, der behauptet, aus Malaysia zu stammen, soll den neuen Wettskandal im deutschen Fußball ausgelöst haben. Unabhängig von der Frage, ob die betreffenden Spiele tatsächlich manipuliert worden sind, ist das Herkunftsland, das der angebliche Drahtzieher angibt, keine Überraschung. Südost-Asien gilt als Drehscheibe der Wettmanipulation, Malaysia neben Singapur und Bangkok als Hauptstandort. Einst das goldene Dreieck des Drogenhandels wird dort längst mehr Geld auf dem Wettmarkt verdient, vor allem mit Manipulationen. So sollen Fußballspieler in dieser Region mehr Geld durch Bestechung verdienen, als durch ihr reguläres Einkommen. Doch die Strippenzieher stoßen dort an ihre Grenzen: Weil sich die Kartelle gegenseitig überbieten, sind die Wetten dort mittlerweile witzlos.
Also suchen sich die Kartelle neue Märkte. Denn das Wachstum im Bereich der Sportwetten ist gigantisch. Noch 1995 wurden in Deutschland lediglich 100 Millionen Euro bei Sportwetten umgesetzt, 2003 waren es schon eine Milliarde Euro, im WM-Jahr 2006 zwei Milliarden. Der Schlüssel dafür ist das Internet, das eine bequeme Abwicklung ermöglicht und private Anbieter den Markt erobern ließ. Zwar versucht der Staat verzweifelt, sein Lotto-Monopol mit seinem Oddset-Angebot aufrecht zu erhalten. Aber selbst die (juristisch höchst zweifelhafte) Schließung von stationären Wett-Büros - erlaubt sind per Gesetz bloß Pferdewetten - hat das Marktvolumen der Privaten wie Bwin nicht dauerhaft eingedämmt. Dazu steckt zu viel Potenzial im Markt: vier Milliarden allein in Deutschland, schätzen Experten. In China sollen angeblich 50 Milliarden Euro bei illegalen Wetten umgesetzt werden.
Wobei illegal nicht gleich manipulativ ist. Illegal heißt nur, dass es offiziell nicht erlaubt ist. Um Manipulationen wie im Fall Hoyzer und Café King auszuschließen, haben vor allem die privaten europäischen Wettanbieter ein ausgeklügeltes Kontrollsystem entwickelt. Zum einen darf nur bis zu einem bestimmten Limit gewettet werden, zum anderen werden auffällig hohe Einsätze schnell registriert und die Wetten gegebenenfalls ausgesetzt. Doch die WM und die Bundesliga fand auch Eingang in andere, weniger kontrollierte Wettmärkte. Dort ist das Volumen so groß, dass sich selbst die Investition in die nicht so einfache Manipulation eines WM-Spiels lohnt. Und nicht zuletzt dient in Asien der Wettmarkt auch als Geldwäsche-Modell.
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