Seit fast drei Jahren wird der Gesundheitszustand von Fidel Castro auf Kuba als Staatsgeheimnis behandelt. Umso mehr ließ jetzt ein Bericht in der argentinischen Tageszeitung Clarín aufhorchen, in dem der Politologe und Soziologe Altilio Boron von seinem Besuch kürzlich beim Revolutionsführer berichtet und dabei einige Details ausplaudert, die von der kubanischen Führung bisher streng gehütet wurden. Die wichtigste Nachricht vorweg: dem seit Juli 2006 schon mehrmals totgesagten 82-Jährigen geht es zumindest im Moment gut. Fidels Kontakte mit der Regierungsführung beschränkten sich auf "einige wenige Gespräche" mit seinem Bruder und aktuellen Staatschef Raúl. Überhaupt bekomme er nicht viel Besuch, sagte Castro.
Boron befriedigt in seinem Bericht auch die Neugierde vieler, die wissen wollten, wie der Mann lebt, der fast ein halbes Jahrhundert die Geschicke auf Kuba bestimmte. Demnach ist Castro nicht in einer Klinik untergebracht, sondern lebt in einem geräumigen Haus mit Swimmingpool und kleinem Fitnessstudio. Allerdings stehen Tag und Nacht ein Ärzteteam und eine Ambulanz für den Revolutionsführer bereit.
"Ich traf einen vitalen Mann mit gesunder Gesichtsfarbe, der sich ohne Hilfe bewegt und mir zum Abschied kräftig die Hand geschüttelt und mich umarmt hat", sagte Boron. Fidel habe ihn in seiner inzwischen bekannten blau-weiß-roten Trainingsjacke empfangen, aber in kurzen Hosen.
Eine Stunde und vierzig Minuten hätten der Argentinier und der Kubaner über die Weltpolitik gesprochen - in einem spartanisch eingerichteten Wohnzimmer mit Schreibtisch, einem alten Computer, aber sichtbar ohne Mobiltelefon. Die meiste Zeit verbringe der Staatschef im Ruhestand mit Lesen. Derzeit studiere er den "Ursprung der Arten" von Charles Darwin, berichtete der Besucher. Zudem verschlinge Castro alles, was er über Nano-Technologie in die Hände bekomme.
Kürzlich habe Fidel sogar einmal sein Haus verlassen und sei allein und ohne Leibwächter zu einem Kiosk in der Nähe gegangen, um eine Zeitung zu kaufen. Wie jeder Kubaner habe er sich in die Schlange gestellt und gewartet, bis er an der Reihe sei.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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