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01. Februar 2012

Zwickauer Terrorzelle: Wie hat die NSU ihre Taten finanziert?

 Von Andreas Förster
Waffen, Sprengstoff, Mietwagen - noch immer ist ungeklärt wie die drei arbeitslosen Rechtsterroristen Zschäpe, Mundlos und Bönhardt ihre Taten finanzierten.  Foto: dpa

Die Ermittler legen der Zwickauer Terrorzelle nur noch drei Banküberfälle zur Last. Es bleibt die bedrückende Frage, wie sich das Trio finanziert hat. War die rechtsterroristische Organisation doch größer als angenommen - oder führte sie Auftragsmorde aus?

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Berlin –  

Die drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben ihr fast 14 Jahre dauerndes Leben im Untergrund offenbar zum geringsten Teil durch Banküberfälle finanziert. Die Ermittler ordnen bislang nur drei Bankraube der mutmaßlichen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu. Bislang hieß es immer, das Trio habe seit 1999 insgesamt 14 Geldinstitute überfallen und umgerechnet rund 600.000 Euro erbeutet.

Tatsächlich sind aber nur drei Banküberfälle Gegenstand des Ermittlungsverfahrens gegen die mutmaßlichen NSU-Aktivisten, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf Anfrage bestätigte. Da ist zum einen der fehlgeschlagene Überfall einer Einzelperson auf eine Sparkasse in Zwickau am 5. Oktober 2006, bei der ein Auszubildender durch einen Bauchschuss verletzt wurde. Zudem rechnen die Ermittler noch die Überfälle am 7. September 2011 in Arnstadt und am 4. November in Eisenach dazu, bei denen 90.000 Euro erbeutet wurden.

Im ausgebrannten Wohnmobil in Stregda hatte die Polizei neben den Leichen von Mundlos und Böhnhardt auch 11.000 Euro gefunden. Die Geldbündel trugen zum Teil noch die Banderolen der ausgeraubten Banken, so die Ermittler. Das Geld kann nur aus den Überfällen 2011 stammen. 2006 war der Einzeltäter leer ausgegangen. Damit ist offen, woher der Rest des Geldes kommt.

Rechte Szene hat Geld gesammelt

Die Finanzierung der drei Neonazis, die Ende Januar 1998 in den Untergrund gegangen waren, ist eines der ungelösten Rätsel. Bis Ende 2000, das ist aus Verfassungsschutzberichten bekannt, hatte die rechte Szene für die Illegalen gesammelt.

Erst im April 2001 lehnte der inzwischen als mutmaßlicher NSU-Unterstützer inhaftierte Ralf Wohlleben eine weitere Spende ab. Diese benötigten „nach seinen Informationen“ kein Geld mehr, weil sie in der Zwischenzeit „schon so viele Sachen/Aktionen gemacht hätten“. Doch welche?

Vor dem April 2001 sollen Mundlos und Böhnhardt bereits einen Mord begangen haben – an dem türkischen Blumenhändler Enver S. in Nürnberg. Auch ereigneten sich bis dahin drei nach wie vor ungeklärte Banküberfälle in Chemnitz, bei denen mehrere zehntausend Euro erbeutet wurden. Mit ihnen werden die beiden Neonazis bislang nicht in Verbindung gebracht. Klare Indizien für eine Tatbeteiligung von Mundlos und Böhnhardt an acht Banküberfällen in Zwickau, Chemnitz und Stralsund bis 2007 haben die Ermittler aber auch nicht gefunden.

Aus der traditionell klammen rechten Szene dürfte das Geld kaum stammen. Eher denkbar wären Zuwendungen aus dem kriminellen Milieu, mit dem vielleicht Auftragstaten bezahlt wurden. Aber auch die Version einer größeren rechtsterroristischen Organisation, die das Trio finanzierte, ist noch nicht vom Tisch.

In Zwickau pflegten die drei jedenfalls einen mehr als durchschnittlichen Lebensstil, obwohl sie keiner Arbeit nachgingen. Die Wohnungen kosteten jeweils gut 800 Euro Miete monatlich. Mehr als 50 Fahrzeuganmietungen der drei sind bislang festgestellt worden, meist waren es teure Wohnwagen. Jedes Jahr verbrachte das Trio mehrere Wochen Urlaub mit Wohnmobil an der Ostsee.

In der Wohnung fanden die Ermittler zwei Mitgliedskarten für Tennisclubs in Bayern, ausgestellt auf Aliasnamen von Zschäpe. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich die drei häufiger dort aufgehalten haben.

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