Vielleicht hat die TSG dem Kandidaten Mut gemacht. Die TSG Leihgestern, ein Fußballverein aus dem Raum Gießen, hat am Wochenende einen Rückstand wettgemacht und ihr Spiel 4:1 gewonnen. Auch der andere TSG will seinen Rückstand aufholen, Thorsten Schäfer-Gümbel, der Überraschungs-Spitzenkandidat der hessischen SPD, der von seinen Genossen gern abgekürzt wird. Er liegt weit zurück. Damit das anders wird, war Schäfer-Gümbel in Leihgestern und warf die Münze für die Seitenwahl der Fußballer.
Roland Koch hat die Nase vorne, der CDU-Amtsinhaber, der jedoch Respekt vor seinem unbekannten Herausforderer zeigt. Opel, die Förderung der heimischen Wirtschaft, Arbeitsplatz-Sicherheit, das sollten Themen werden für den Technologie-Politiker Schäfer-Gümbel. Doch bevor er zu Wort kam, war Koch schon da. Der Ministerpräsident ging als Erster mit der Botschaft von der Landes-Bürgschaft an die Presse. Schäfer-Gümbel blieb ein Termin unter ferner liefen. "Wer sich als Opel-Retter aufspielt, wird die Krise erst produzieren", warnte er am Dienstag in Rüsselsheim.
Die Profilierung gegen Koch wird für Schäfer-Gümbel deutlich schwieriger, als sie für Ypsilanti war. Beim Megathema Wirtschaft liegen die großen Parteien nahe beieinander. Beide wollen die heimischen Unternehmen mit staatlicher Hilfe schützen. Da hilft es nicht viel, wenn Schäfer-Gümbel Kochs aktuelle Rolle als "Treppenwitz der Geschichte" bezeichnet, weil der Ministerpräsident sich stets als "Jünger des Neoliberalismus" hervorgetan habe.
Die Abgrenzung zu Koch ist auch deshalb nicht einfach, weil die SPD nach dem Debakel des vergangen Jahres keine Koalitionen mehr ausschließt. Auch nicht die mit Kochs Union. So lautete die Kernbotschaft eines Interviews im Hessischen Rundfunk: "SPD-Spitzenkandidat greift den CDU-Vorsitzenden scharf an, schließt aber Koalition mit ihm nach der Hessen-Wahl nicht aus". Das hat mehr von unfreiwilliger Komik, als dem durchaus selbstironischen Schäfer-Gümbel lieb sein kann.
Der 39-jährige Politologe mit der schmalen Brille sitzt zwischen den Stühlen. Er muss Kontinuität und Neuanfang zugleich verkörpern. So hält Schäfer-Gümbel an den ehrgeizigen Energiewende-Plänen von Ypsilantis Schattenminister Hermann Scheer fest - doch Scheer soll nur noch "Berater" sein und nicht mehr Minister werden. Vorsichtig emanzipiert er sich von der Vorgängerin, die er gleichzeitig dringend braucht. Nicht nur, weil Ypsilanti noch SPD- und Fraktionschefin ist, sondern auch, weil er ihre Wählerschaft nicht vergrätzen darf.
Wirklich beruhigend war für TSG übrigens auch das 4:1 von Leihgestern nicht. Gegner war nur die zweite Mannschaft des FSV Fernwald. Die erste wäre nur an einem außergewöhnlich guten Tag zu bezwingen. So wie Kochs CDU.
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