16 Minuten sind eine lange Zeit, wenn man misshandelt wird. Dann sind 16 Minuten eine Ewigkeit. So lange prügelten sechs chinesische Polizisten auf Chen Yulian vor der Provinzzentrale der Kommunistischen Partei im zentralchinesischen Wuhan ein, bis die 58-Jährige ohnmächtig wurde. Erst später erfuhren die Schläger, wen sie da angegriffen hatten – die Ehefrau eines hohen Vorgesetzten.
Der Fall hatte sich am 23. Juni abgespielt, wurde aber erst jetzt öffentlich bekannt und löste in der Volksrepublik eine Diskussion über Polizeigewalt aus. Jährlich werden Millionen Chinesen Opfer willkürlicher Polizeigewalt. Auch Chen wurde von den Beamten für eine Beschwerdestellerin gehalten und damit selbst Opfer von Anweisungen, die in der direkten Verantwortung ihres Mannes liegen. Denn Huang Shiming ist Direktor von Wuhans „Büro zur Aufrechterhaltung der sozialen Stabilität und Sicherheit “ und somit dafür zuständig, Proteste zu verhindern. Bisher waren seine Vorgesetzten mit Huang so zufrieden, dass er 2009 sogar von Staats- und Parteichef Hu Jintao geehrt wurde. Seine Frau liegt bis heute im Krankenhaus.
Dass Chens Fall überhaupt bekannt wurde, ist ein erneuter Beweis für die Macht des Internets in China, aber auch das Verdienst mutiger Journalisten. Aus Wut über den Vorfall berichtete Chens Schwester Chen Cuilian in einem Blogforum darüber. Dort wurde ein Redakteur der berühmten Südlichen Metropolenzeitung darauf aufmerksam. Nach seinen Recherchen soll Chens Martyrium auf Überwachungskameras festgehalten worden sein. Zu sehen sei, dass sechs Zivilpolizisten aus dem Wärterhäuschen auf sie zustürmen und sofort losschlagen.
Als Chen nach den ersten Hieben erklärte, sie sei Angehörige eines hohen Parteidirektors, soll einer der Polizisten erwidert haben: „Ich würde dich auch verprügeln, wenn du die Frau des Gouverneurs wärst.“ Im Krankenhaus wurden Gehirnerschütterung und Nervenverletzungen festgestellt. Zwar versuchte sich ein Vorgesetzter der Übeltäter bei Chen zu entschuldigen – doch damit machte er alles noch schlimmer. „Unsere Polizisten wussten ja nicht, dass sie die Ehefrau eines hochrangigen Beamten schlugen“, erklärte er. Seitdem fragen Internet-User: „Ihr habt also die falsche Person zusammengeschlagen – wer wäre denn die richtige gewesen?“
Der Aufruhr ist so groß, dass selbst offizielle Medien berichten, dass die Gewalt gegen Beschwerdesteller ein großes Problem sei. Im Internet sind die Kommentare deutlicher und geben der Parteispitze in Peking Mitschuld an der Anarchie im Staatsapparat: „Der Fall zeigt, dass die Polizisten ihre Sache verstehen und gut ausgebildet sind. Starke Generäle dulden eben keine schwachen Soldaten.“
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