Obskure Fluggesellschaften, die Waffen schmuggeln, Rauschgift transportieren und illegal mit Embargogütern wie Mineralien und Edelsteinen handeln, machen gleichzeitig gute Geschäfte mit der Fracht von Hilfsgütern für humanitäre Programme und Ausrüstung für reguläre Truppen. Diesem zynischen Verkehr soll nun ein neues Info-Portal Einhalt gebieten, das das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am heutigen Dienstag vorstellt. Dort sollen die Airline-Kunden rasch Auskunft erhalten können, ob es gegen die Transporteure Bedenken gibt.
Aerocom hieß eine in Moldawien registrierte Flugfrachtgesellschaft, der das Sanktionskomitee des UN-Sicherheitsrats wiederholte Verletzungen der Waffenembargoregeln vorwirft. Sie versorgte Liberias als Kriegsverbrecher angeklagten Ex-Präsidenten Charles Taylor mit Kriegsgütern aus Serbien. Dies hinderte Lieferanten des Pentagons nicht, Aerocom für den Transport von Waffen für die US-Truppen im Irak anzuheuern. Als die Airline wegen Sicherheitsmängeln ihre Lizenz verlor, wurden dieselben Maschinen unter Register aus Kasachstan und Georgien umgeflaggt und erhielten neue Transportaufträge für humanitäre und friedensbewahrende Missionen in Haiti und Afghanistan.
Die Fluggesellschaft GST Aero/East Wing schmuggelte Waffen und Munition in ein Gebiet im Tschad, das als Aufmarschrampe für die Rebellen im Sudan galt. Und sie flog für die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen Hilfsgüter in diverse Krisenregionen. Bluebird Aviation zählt zu den Hauptakteuren für den Schmuggel mit der Droge Khat in Somalia, mit dem die dortigen Kriegsherren ihre Truppen finanzieren. Unter den übrigen Bluebird-Kunden sind große UN-Organisationen und Hilfsagenturen aus Ländern wie den USA, China, Großbritannien und Deutschland. Dieselben Fluggesellschaften, die für die USA und andere Nato-Staaten Kriegsmaterial in und nach Afghanistan transportieren, schmuggeln auch Opium. Mehr als 90 Prozent aller Firmen, die in den Rapporten über Waffenschmuggel aufgelistet sind, transportieren laut Sipri auch Güter für Hilfsorganisationen und Friedensoperationen. Manchmal liefern sie Hilfe wie Waffen in dieselbe Konfliktzone.
Um diesen Missbrauch zu stoppen, hat Sipri mit Unterstützung der schwedischen Regierung nun das Webportal EthicalCargo.org eingerichtet, wo Organisationen wie das Rote Kreuz, das Welternährungsprogramm oder UN-Agenturen alle Informationen über die Reputation der von ihnen gewählten Fluggesellschaften finden können. Neben der ethischen Komponente spielt auch Sicherheit eine Rolle: Viele der zwielichtigen Firmen missachten Ruhe- und Wartungsregeln und sind häufig in Unfälle verwickelt.
"Die Lieferung von Hilfsgütern in Konfliktzonen ist eine schwierige Angelegenheit", räumt Sipri-Forscher Hugh Griffith ein, weshalb es problematisch sein kann, geeignete Transporteure zu finden. "Es geht uns nicht darum, Firmen zu bannen. Wir wollen Aufmerksamkeit auf die Zusammenhänge richten." Die Aufträge von Regierungen und Hilfsorganisationen seien so lukrativ, dass sie ihnen eine Handhabe gäben, höhere Standards für Ethik und Sicherheit zu verlangen.
Auf der EthicalCode-Website sollen die Nutzer neben einer Datenbank mit allen Informationen über die Fluggesellschaften auch eine 24 Stunden geöffnete Hotline und Anweisungen dafür finden, worauf man bei den Vertragsverhandlungen mit den Transportfirmen achten sollte.
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