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04. Dezember 2012

Presseschau EU-Jugendarbeitslosigkeit: Jobgarantie für junge Europäer

In Spanien ist jeder zweite junge Mensch arbeitslos (55,9 Prozent im Oktober). Foto: dapd

Die EU will von ihren Mitgliedstaaten eine Beschäftigungsgarantie für Jugendliche: Sozialkommissar László Andor fordert, dass die Mitgliedstaaten allen EU-Bürgern unter 25 Jahren künftig innerhalb von vier Monaten irgendeine Form von Beschäftigung garantieren.

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Die EU will der hohen Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen den Kampf ansagen. Sozialkommissar László Andor fordert, dass die Mitgliedstaaten allen EU-Bürgern unter 25 Jahren künftig innerhalb von vier Monaten irgendeine Form von Beschäftigung garantieren, wie aus einem Papier hervorgeht, das am Montag in Brüssel der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Die Bundesregierung begrüßte den Vorstoß aus Brüssel.

Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen ist ein ernstes Problem in der EU, von dem besonders die Krisenländer in Südeuropa betroffen sind. Sozialkommissar Andor will, dass die EU-Länder eine sogenannte Jugendgarantie abgeben. Demnach sollen Jugendliche spätestens vier Monate nach Ende ihrer Ausbildung oder nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes ein Angebot für eine neue Stelle, einen neuen Ausbildungsplatz oder aber zumindest einen Praktikumsplatz erhalten. Der Sozialkommissar will das Vorhaben am Mittwoch offiziell in Brüssel vorstellen.

Rechtlich nicht bindend

Wie und ob die Mitgliedstaaten allerdings eine solche Garantie umsetzen, wird sich dem Einfluss der EU-Kommission wohl weitgehend entziehen, da Andor seine Pläne lediglich in Form einer Empfehlung umsetzen will. Das Vorhaben sei rechtlich nicht bindend, räumte Andors Sprecher am Montag ein. Es werde jedoch auf den „Gruppendruck“ unter den Mitgliedstaaten gesetzt.

Die nationalen Regierungen sollen enge Partnerschaften mit den Sozialpartnern eingehen und ein frühes Eingreifen der Arbeitsämter sicherstellen, heißt es in den Kommissionsunterlagen. Dafür könnten auch EU-Hilfsfonds genutzt werden. Der EU-Kommission zufolge suchen in der EU insgesamt 5,5 Millionen junge Menschen einen Arbeitsplatz - mehr als ein Fünftel der Altersgruppe.

7,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren haben demnach weder eine Stelle noch einen Ausbildungsplatz. Dadurch entstehen der Kommission zufolge Kosten in Höhe von jährlich mehr als 150 Milliarden Euro oder rund 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU. „Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist in einer Reihe von Ländern ein großes Problem“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor EU-Abgeordneten in Brüssel.

Gerade für südeuropäische Krisenländer dürften die Pläne nur schwer zu erfüllen sein. In Griechenland und Spanien liegt die Jugendarbeitslosenquote über 55 Prozent. In Italien, Portugal, Irland, Bulgarien, Zypern, Lettland, Ungarn und der Slowakei sind jeweils rund ein Drittel der jungen Menschen ohne Job.

Die Bundesregierung reagierte positiv auf das Bekanntwerden der Pläne. Es sei nur zu begrüßen, wenn eine solche Initiative aus Brüssel komme, sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums in Berlin. Deutschland hat der EU-Statistikbehörde Eurostat zufolge eine Jugendarbeitslosigkeit von 8,1 Prozent - die geringste aller 27 EU-Länder.

Rekordzahlen in Südeuropa

In den krisengeschüttelten Ländern Südeuropas hat die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen Rekordausmaße erreicht. So ist nach Zahlen der Europäischen Statistikbehörde Eurostat mehr als jeder Zweite unter 25 Jahren in Griechenland ohne Job (57 Prozent im August), ebenso in Spanien (55,9 Prozent im Oktober). In Portugal (39,1 Prozent) und Italien (36,5 Prozent) hatte im Oktober jeder Dritte in dieser Altersgruppe keine Arbeit.

Seit Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich die Situation erheblich verschlechtert. Während die Quote im Herbst 2008 bei 15 Prozent lag, ist derzeit in ganz Europa mehr als ein Fünftel (23,4 Prozent) der Jungen arbeitslos.

Am besten ist die Lage in Deutschland mit einer Jugend-Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent, in Österreich mit 8,5 Prozent und in den Niederlanden mit 9,8 Prozent. Diese Länder kommen bisher ohne gravierende Jobverluste durch die Krise.

Arbeitslose Jugendliche machen sich übrigens in der Statistik stärker bemerkbar als Erwachsene, weil die Erwerbsbevölkerung dieser Gruppe kleiner ist - ein Teil der jungen Erwachsenen studiert und bleibt bei der Rechnung außen vor. Das sorgt für eine höhere Quote. Zum Vergleich: Bei den Erwachsenen ist in den 27 EU-Ländern etwas mehr als jeder Zehnte arbeitslos (10,7 Prozent). (afp/dpa)

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