Sogar Elefanten kennen Julia Roberts. Bei einem Trip nach Indien vor knapp zwei Jahren hatte sie einen der Dickhäuter geritten und sich „per Handschlag“ verabschiedet. Sechs Monate später bei den Dreharbeiten zu ihrer Selbstfindungs-Romanze „Eat, Pray, Love“ kam exakt dieses Tier zum Einsatz und soll die 42-Jährige als vertraute Person identifiziert haben. So zumindest das PR-Gerücht, das zum Start dieses Films verbreitet wird. Bezeichnend ist aber nicht diese Anekdote, sondern Roberts’ Erklärung, warum dieser Elefant sich an sie erinnerte: „Ich bin berühmt.“ Das ist natürlich humorvoll gemeint, aber die Tatsache, dass die Schauspielerin solche Scherze von sich gibt, ist bezeichnend. So spricht jemand, der sich seines eigenen Status’ nur zu bewusst ist und damit öffentlich kokettiert.
Ambitionierte Filme floppten
Aber ist Julia Roberts tatsächlich noch der Ausnahmestar, der eine von Menschen und Tieren eine Sonderbehandlung verdient? Die Umstände des Interviews legen das nahe. Der Genehmigungsprozess ist aufwändig, die Verspätung standesgemäß. Die glänzende Balenciaga-Bluse lässt eine Lichtgestalt vermuten, und die Haltung ist freundlich-reserviert – mit einer unterschwelligen Anspannung, die sich jederzeit in kleinen Sticheleien äußern kann.
Eine Journalistin wurde von ihr mit der Bemerkung begrüßt „Sie sehen ja aus wie ein Kind“, einem anderen Interviewer riet sie, er solle besser netter zu seiner Frau sein. Ist diese Attitüde gerechtfertigt? „Duplicity“, der letzte Film mit einer Roberts-Hauptrolle, floppte letztes Jahr. Streng genommen konnte Roberts seit ihrem Oscar für „Erin Brockovich“ vor zehn Jahren keinen durchschlagenden Erfolg mehr verbuchen.
Allerdings muss man der dreifachen Mutter zugestehen, dass sie nicht auf Gedeih und Verderb um die Kassendollars buhlt. Vielleicht blätterte der Lack der „Pretty Woman“ ein wenig, weil sie sich in den letzten Jahren zunehmend ins Hausfrauendasein zurückzog. Mit großer Befriedigung spricht sie heute über Kochen und Kinder oder preist ihren Gatten, Kameramann Danny Moder („Mein bester Freund und moralischer Kompass“).
Zwischen 2004 und 2007 übernahm sie lediglich zwei Sprechrollen. So gesehen schien es ein Wagnis, auf Roberts als Zugpferd für die Verfilmung von Elizabeth Gilberts Bestseller-Memoiren, „Eat, Pray, Love“ zu setzen. Die Geschichte einer New Yorkerin, die bei einem Trip um die halbe Welt ihr Leben neu definiert, ist eine One-Woman-Show vor wechselnden Kulissen. Das Paramount-Studio fürchtete wohl, sich zu überheben, und stieß das Projekt wieder ab. Konkurrent Sony schnappte zu und investierte 60 Millionen US-Dollar – Schätzungen zufolge muss der Film weltweit 150 Millionen Dollar einspielen, damit die Geldgeber schwarze Zahlen sehen. Roberts Filme seit 2001, abgesehen von den beiden „Oceans’“-Komödien, lagen weit unter dieser Marge. Das Studio warf also seine Werbemaschinerie an: Um die Massen in die Kinos zu ziehen, musste sich Roberts bei zahllosen Terminen auf der ganzen Welt ins Zeug legen. Passend zum Ashram-Kapitel des Films outete sie sich auch noch als Hinduismus-Bewunderin.
Julia Fiona Roberts, 42, ist eine der erfolgreichsten US-amerikanischen Schauspielerinnen. Durch die Romanze „Pretty Woman“ wurde sie 1990 weltberühmt, das Gerichtsdrama Erin Brockovich brachte ihr im Jahr 2000 die bis dato höchste Schauspielerinnengage von 20 Millionen US-Dollar und einen Oscar ein.
„Eat, Pray, Love“ heißt Roberts aktueller Film. Die Selbstfindungs-Romanze läuft am Donnerstag in den deutschen Kinos an. fen
Renaissance für Roberts?
Die ebenso einflussreiche wie bissige Hollywood-Bloggerin Nikki Finke konstatierte: „Der einzige Grund, weshalb dieser Film einen erfolgreichen Start hatte, war die Glanzleistung des Sony-Marketingteams.“ So kamen denn in den USA schon knapp 80 Millionen Dollar zusammen. Steht jetzt die Roberts-Renaissance an? Sicherheitshalber schloss sie mit ihrem „Eat, Pray, Love“-Filmemacher Ryan Murphy gleich einen Vertrag für das nächste Projekt. Und der alte Kumpel Tom Hanks beschert ihr mit einer kleinen Rolle in seiner nächsten Regiearbeit einen Beitrag zur Haushaltskasse.
Doch bei alledem tut Julia Roberts so, als hätte sie das nicht nötig. „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“, sagt sie auf die Frage nach dem Schönheitsdiktat im Showbusiness. Überhaupt findet sie, „dass nicht besonders viele gute Filme“ gemacht werden – ein weiterer Grund für ihre Distanziertheit.
Schon vor 25 Jahren hatte sie eine einjährige Auszeit genommen, weil sie mit den Angeboten nicht zufrieden war. Freilich nur um dann mit dem Durchschnittsthriller „Die Akte“ zurückzukehren. Und darin liegt vielleicht das entscheidende Dilemma der Julia Roberts: Kreative Ambitionen kann sie nur noch in Nebenrollen befriedigen, ob in „Hautnah“ oder „Der Krieg des Charlie Wilson“.
Am liebsten will das Publikum sie in gewöhnlichen Starspektakeln sehen – fast alle Ausflüge in anspruchsvolle Projekte scheiterten kommerziell. Egal in welchem Film, Julia Roberts steckt in der Schablone der „Pretty Woman“ fest.
Vielleicht erklärt sich daraus ihre Haltung im Gespräch – diese Mischung aus Eitelkeit und schnippischer Ironie. Sie passt zu einem Menschen, der seine Zwangsjacke abstreifen möchte. Traut man ihr damit zu viel zu? Sie selbst spricht sich tiefere Einsichtsfähigkeit ab: „Ich bin eigentlich nicht besonders klug.“
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