kalaydo.de Anzeigen

Software X-Pire: "Für 99 Prozent der Bevölkerung sinnvoll"

Das "digitale Radiergummi" wurde immer wieder von Verbraucherschutzministerin Aigner und Innenminister de Maizière gefordert - nun gibt es eine erste Version. Die funktioniert zwar im Prinzip, hat allerdings einige Mängel.

X-pire
X-pire macht Bilder nach einer vorher festgelegten Zeit unsichtbar.
Foto: dpa

Bilder vom Skiurlaub über Weihnachten, der feucht-fröhlichen Silvesterparty oder dem ständig wachsenden Bauch während einer Schwangerschaft – wer sich in sozialen Netzwerken wie Facebook durch die Fotoalben der User klickt, bekommt oft auch peinlich private Bilder zu sehen, die wahrscheinlich für immer online bleiben. Mit 16 Jahren mag man es noch lustig finden, im knappen Bikini an der Strandbar stehend oder völlig betrunken auf einer Party fotografiert zu werden. Aber irgendwann könnten diese im Internet verbreiteten Dateien, etwa bei Bewerbungen, zum Problem werden.

Deshalb hat das Verbraucherschutzministerium eine Software entwickeln lassen, die Fotos mit einem Verfallsdatum versehen kann. X-pire heißt das Programm, das der Saarbrücker Informatiker Michael Backes in der kommenden Woche fertigstellen will. Es handelt sich um eine Art „digitalen Radiergummi“, der die Bilder nach einer Zeit unsichtbar machen soll. Der Preis für das Zusatzprogramm für den Internet-Browser Firefox: 6,99 Euro für beliebig viele Bilder innerhalb von drei Monaten, 6,99 Euro für sechs Monate, 23,99 Euro für ein Jahr.

Einen ultimativen Schutz bietet es jedoch nicht. Denn werden die Bilder während der Dauer der Sichtbarkeit zum Beispiel durch einen Screenshot kopiert und anschließend im Internet vervielfältigt, nützt auch X-pire nichts.

Ist X-pire dann überhaupt sinnvoll?

Ja und nein. „Es ist gut, dass etwas entwickelt wurde. So kann man wenigstens Erfahrungswerte sammeln. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn nichts gemacht wird“, sagt Kei Ishii, Projektleiter bei „Verbraucher sicher online“. Allerdings müsse sich zeigen, ob X-pire die nötige Akzeptanz finden wird.

Was bringt X-pire, und wie funktioniert es genau?

X-pire verschlüsselt die Bilder und versieht sie mit einem Ablaufdatum, das man individuell einstellen kann. Bei Abruf der Fotos durch den Web-Browser fragt die Software auf einem Schlüsselserver nach, ob das Datum schon abgelaufen ist. Davon abhängig, werden die Aufnahmen angezeigt oder nicht.

„Es kann keine perfekte Lösung geben, das ist technisch nicht möglich“, sagt Entwickler Backes. „Aber wir sind davon überzeugt, dass das System für 99 Prozent der Bevölkerung sinnvoll ist. Denn wer kopiert und verbreitet schon Bilder im Internet von einer Person, die nicht prominent ist und daher für die Öffentlichkeit kaum interessant?“

Software lässt peinliche Bilder verschwinden

Bildergalerie ( 9 Bilder )

Was kann man präventiv machen, damit X-pire gar nicht erst nötig ist?

„Das wichtigste Motto ist: Überlege dir ganz genau, welche Bilder du online stellst. Denn das Internet vergisst nichts“, warnt Stephan Stengel, Experte von klicksafe.de. Fotos können einfach kopiert, vervielfältigt, verfremdet und in einem kritischen Umfeld präsentiert werden. „Und plötzlich haben Leute Zugriff auf die Dateien, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat“, so Stengel.

Nach einer aktuellen Untersuchung informiert sich zum Beispiel jeder vierte Arbeitgeber vor einem Vorstellungsgespräch auf sozialen Netzwerken über den Kandidaten. Da können peinliche Partybilder zu Problemen führen.

Was sollte man beachten, wenn man trotz aller Warnungen private Bilder online stellen will?

Man sollte dringend die Sicherheitseinstellung bei Facebook und ähnlichen Seiten beachten und so einstellen, dass nicht alle die Bilder sehen können, sondern nur der Freundeskreis. Außerdem sei es wichtig, Bilder und Videos nur in einer geringen Auflösung zu veröffentlichen“, sagt Stephan Stengel: „Aber man muss auch ganz deutlich sagen, dass einige Bilder einfach nicht ins Netz gehören.“ Wenn man irgendwann ein soziales Netzwerk verlässt, sollte man dringend hinter sich aufräumen und alle Dateien entfernen. „Aber bei einigen Anbietern ist es unklar, ob gelöschte Bilder auch tatsächlich gelöscht sind oder ob sie danach weiter auf irgendwelchen Servern existieren“, betont der Klicksafe-Experte.

Hilfe im Netz

Im Internet gibt es viele Seiten, die Ratschläge für den sicheren Gebrauch von Fotos und anderen Dateien geben. Zu empfehlen sind:

www.klicksafe.de
Diese Homepage basiert auf einer EU-Iniative für mehr Sicherheit im Internet. Hier findet man Ratschläge, wie und wo Kinder sicher im Netz surfen können.

www.verbraucher-sicher-online.de
Auch auf dieser Seite der Technischen Universität Berlin gibt es zahlreiche Tipps rund um das sichere Surfen im Internet.

www.x-pire.net
Hier gibt es Informationen über die neue Software, die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner in dieser Woche vorgestellt hat.

www.bsi-fuer-buerger.de
Herausgegeben wird diese informative Webseite vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik .

Wie sollten sich Eltern verhalten?

Im optimalen Fall sollten Eltern zunächst zusammen mit dem Kind ein soziales Netzwerk erkunden und auf die Gefahren hinweisen. „Grundsätzlich rate ich dazu, eher deutsche Internetplattformen wie schülerVZ zu nutzen. Da hat man wenigstens bessere gesetzliche Zugriffsmöglichkeiten“, sagt Stengel. Facebook hingegen werde wegen seiner Sicherheitsrichtlinien im Moment eher kritisch gesehen.

Was kann man machen, wenn ein Bild schon im Internet verbreitet wurde?

„Das ist das größte Problem. Denn es ist kaum möglich, die Bilder wieder aus dem Netz zu bekommen“, sagt Kei Ishii von „Verbraucher sicher online“. Er rät, zunächst den Seitenbetreiber zu kontaktieren und darum zu bitten, die Bilder zu entfernen. Wenn das keinen Erfolg habe, bliebe nur noch der Gang zum Rechtsanwalt: „Dann wird es zu einer aufwendigen und kostenspieligen Angelegenheit.“

Ein gutes Programm im Internet, das die Bilder löscht, gebe es nicht. „Man kommt an die Server nicht heran“, so Ishii. Und selbst wenn eine Datei dort entfernt worden sei, gebe es in den meisten Fällen noch einige Sicherheitskopien. Deshalb auch sein Tipp: „Nur wirklich das einstellen, was man einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will.“

Autor:  Sven Winterschladen
Datum:  14 | 1 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Anzeige

 

Anzeige

Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.

Anzeige

Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige
iPad-Apps: Laufend aktuell
Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Die Skyline von Baku.
Leitartikel zum ESC 2012 
Loreen triumphiert für Schweden beim ESC 2012 in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Spezial

Manchmal muss es schnell gehen und dann kommt auch noch die Aufregung dazu. Hier erfahren Sie, wie die Selbstpräsentation bei einem potenziellen Arbeitsgeber reibungslos läuft.

Mietrecht

Hier finden Sie aktuelle Urteile der Amts- und Landgerichte, Oberlandesgerichte und des Bundesgerichtshof zu Mietangelegenheiten.

Spezial

Die Lern- und Lebenswelt von Schülern und Studenten hat ihre Spezifika. Hier gibt es Informationen zu Studiengängen, Doktorarbeiten oder Auslandsaufenthalten.

Spezial

Umgangsformen sind ein gesellschaftlicher Prozess. Hier erfahren Sie, wie Sie mit Stil auftreten, ohne dem Formalismus zu verfallen.