Frankfurt a.M. Schwere Vorwürfe erhebt die Zeitschrift Finanztest in ihrer März-Ausgabe gegen die Postbank: Kunden sollen zwecks Gewinnoptimierung systematisch falsch beraten und abgezockt worden sein. Bei den Quellen beruft sich das Magazin auch auf Postbank-Beschäftigte.
Hunderte Zuschriften erhielt Finanztest auf einen Leseraufruf hin, der im November 2009 einen Finanztest-Bericht mit dem Titel "Vorsicht Postbank" flankierte. "Zu unserer Überraschung schrieben uns nicht nur Kunden, sondern auch zahlreiche Mitarbeiter der Postbank über die Mängel in der Finanzberatung der großen Bank", so Finanztest.
"Bei uns musste alles verkloppt werden, was möglichst viel Provision einbringt", schreibt ein Ex-Berater des Postbankvertriebs. Dazu passen die Fälle der Finanztest-Leser. So soll einem 80-Jährigen eine über 17 Jahre laufende, riskante Schiffbeteiligung angedreht worden sein. "Bis heute weiß der Kunde nicht, was ich ihm da verkauft habe", gesteht ein Postbank-Finanzberater.
Sein Vertriebsdirektor habe ihm zu dem Verkauf an den Mann geraten, da dieser das Ende der Beteiligung ohnehin nicht erleben werde. "Das gibt eine Superprovision", habe sich der Vorgesetzte gefreut.
Nach Angaben mehrerer Postbank-Berater liegt der Fehler im Vertriebssystem: Weil die etwa 4000 Vermittler der Postbank Finanzberatung als selbstständige Handelsvertreter beschäftigt seien und kein festes Gehalt bekämen, müssten sie ausschließlich von Provisionen und Prämien für Vertragsabschlüsse leben. Und das funktioniere nur, wenn man sehr viel verkaufe.
Zudem ist es gängige Praxis, dass Berater der Postbank Finanzberatung Einsicht in alle Bausparkonten der 100-prozentigen Postbank-Tochter BHW haben. "Wir halten Finanzmanager dazu an, gut verzinste Altverträge zugunsten von niedrig verzinsten Neuverträgen zu kündigen. Nur so können wir die Planzahlen erreichen, die Zusatzprämien auslösen", sagte ein Vertriebsdirektor.
Postbank-Sprecher Joachim Strunk bezeichnete den Bericht gegenüber der FR als "zu pauschal". Der mobile Vertrieb sei "ein gutes System", von dem auch die Kunden profitierten. Wenn es vereinzelt schwarze Schafe gebe, werde die Postbank gegen diese vorgehen. In einigen beschriebenen Fällen sei es schon zu Regulierungen zugunsten der Kunden gekommen.
Finanztest rät Kunden, die nicht wollen, dass freie Postbank-Finanzberater ihre BHW-Kontodaten einsehen, die Bank schriftlich aufzufordern, die Weitergabe ihrer Daten zu stoppen. Bereits erteilte Einwilligungserklärungen könnten jederzeit widerrufen werden. Wer falsch beraten wurde, könne sich mit Hilfe eines Experten der Verbraucherzentrale oder eines Anwalts wehren.
Kostenlose Schlichtungen übernehmen zudem die Ombudsleute der privaten Banken und Bausparkassen.