Versicherungen ohne Provision - die gibt es. Aber bisher nur selten. Denn der Verkauf von Versicherungsprodukten läuft in Deutschland meist über hauseigene oder unabhängige Vermittler. Wer also eine Versicherungspolice erwirbt, zahlt kräftig Provision. Der Makler erhält von der Versicherungsgesellschaft, deren Police er vermittelt, eine Abschluss- und Vertriebsprovision. Die wird zu Beginn der Laufzeit etwa einer Kapitallebensversicherung direkt von den Beiträgen abgezogen.
Bei anderen erfolgt dies kontinuierlich. Damit zahlt der Kunde für Beratung und Vermittlung der Versicherung. Die Gebühren machen im Schnitt etwa vier Prozent aus, rechnet Eberhard Beer, Sprecher der Firma "Die Alten Hasen", vor, einem Netzwerk von Honorarberatern, die früher als Bankberater gearbeitet haben.
Honorarberater oder unabhängige Versicherungsberater verkaufen Nettotarife. Allerdings fallen dabei Beratungskosten an - etwa 150 Euro pro Stunde.
Direktversicherungen sind eine weitere Alternative. Im Internet werden sie ohne Abschluss- und Vertriebsprovision verkauft, deshalb sind sie günstiger.
Bedingungen sollten genau geprüft werden. Nicht immer finden sich unter Nettopolicen solche, die den individuellen Ansprüchen genügen.
Netto ist nicht ganz netto: Man sollte auf versteckte Kosten und Gebühren achten. Oft gibt es zudem Verhandlungsspielraum - auch bei Bruttotarifen. (olt)
"Wenn man das etwa bei einer privaten Rentenversicherung hochrechnet, deren Laufzeit oft 40 Jahre beträgt, dann kommen da leicht 10.000 Euro zusammen", erläutert Beer. Exakt sei dies nicht zu beziffern, sagen Verbraucherschützer. Denn die Provisionen schwanken je nach Vermittler und Umsatz.
"Nicht unser Geschäftsmodell"
Provisionen kann man einsparen, indem man Nettotarife auswählt. Lars Gatschke, Versicherungsexperte vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), nennt sie lieber "kostenreduzierte Tarife". Denn die Bestandsprovisionen, die über die gesamte Laufzeit an den Vermittler gezahlt werden, seien in diesen Tarifen noch enthalten, nur die Abschluss- und Vertriebskosten seien herausgerechnet.
Das Problem für den Kunden besteht nur darin, solche Policen zu finden. Bisher sind es nur einige kleinere Versicherungsgesellschaften oder Konzerntöchter, die ihren Kunden solche Tarife anbieten. Große Versicherungen wie die Münchner Allianz halten wenig davon: "Das gehört nicht zu unserem Geschäftsmodell", sagt Udo Rössler, Sprecher der Allianz Lebensversicherung. Der Außendienst übernehme die Beratung und Vermittlung der Allianz-Produkte: "Das ist unser wichtigster Vertriebsweg", sagt Rössler.
Kleinere Versicherungsunternehmen sind da offener. "Wir bieten alle Tarife auch als Nettotarife an", sagt Carsten Kretschmar, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Fortis Deutschland Lebensversicherung. Es hänge dabei vom Makler ab, ob er Tarife netto anbiete und für seine Beratung ein Honorar nehme oder doch lieber Bruttotarife verkaufe.
Bei der Tochter der belgisch-niederländischen Fortis-Gruppe seien die Hälfte der verkauften Policen solche mit Nettotarifen. Allerdings liegt der Marktanteil der Assekuranz in Deutschland noch bei unter einem Prozent.
Garantieleistungen beachten
Auch die Bundesregierung will die Honorarberatung fördern, weil sie sich davon eine unabhängige und bessere Beratung erhofft. Denn Honorarvermittler werden für ihre Beratung nach zeitlichem Aufwand entgolten.
Die Kosten kann man bei Lebensversicherungen an den Garantieleistungen ablesen, erläutert Verbraucherschützer Gatschke. Das sei für den Anleger eine gute Richtschnur, weil darin alle Kosten eingerechnet seien. Dennoch sollte man bei Nettotarifen nicht nur auf die Kosten achten, rät er. Die Bedingungen sollten den individuellen Ansprüchen entsprechen.
Wer allein Versicherungspolicen ohne Provision kaufe, etwa im Internet bei einer Direktversicherung, müsse wissen, dass er auf sich allein gestellt sei, sagt Gatschke: "Ich muss mir selbst das Produkt aussuchen und auch unter Umständen in der Abwicklung dann mir selbst helfen und habe niemanden, der an meiner Seite steht. Und wenn ich mir professionelle Hilfe hole, dann muss ich sie separat bezahlen."