Der Frankfurter Goldhändler Pavel Jurecko hat ein aufregendes Jahr hinter sich, konnte die Nachfrage nach Goldbarren oder Münzen zeitweise kaum bewältigen. Vor allem im Februar und März war der Ansturm riesig: "Alle wollten Gold, es waren breite Schichten, die Gold kauften, vom Arbeiter über den Professor bis zum Banker."
Das war der Höhepunkt der Krise, man wollte sich mit Gold absichern, traute dem Geld nicht mehr. Einer der größten Goldfonds weltweit, der SPDR Gold-Trust, kaufte im Februar innerhalb weniger Tage 50 Tonnen Gold zusammen, was der Wochenproduktion aller Goldminen weltweit entspricht. Der Preis schoss zum ersten Mal wieder über die 1000-Dollar-Marke.
Notenbanken stocken Reserven auf: China schützt sich vor dem Wertverfall des Dollar mit Goldreserven, die seit Jahren ansteigen.
Gegen Überschuldung hilft Inflation: US-Wissenschaftler sehen in den USA die Versuchung, durch Inflation von den Schulden runterzukommen derzeit als besonders groß an, weisen aber gleichzeitig auf die massiven Gefahren hin.
Angst vor einer Währungsreform: Angesichts der gigantischen Schuldenberge wächst auch die Angst vor einer Währungsreform, die nach Ansicht vieler Experten aber unbegründet ist, auch wenn in der Krise viel Vertrauen verloren gegangen ist.
Gold bringt keine Zinsen: Eine Anlage in Gold ist ausschließlich eine Wette auf steigende Preise, das heißt bereits ein stagnierender Goldpreis bringt bei steigender Inflation reale Verluste.
Große Kursdifferenz: Die Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreis sind bei Gold sehr hoch, Anleger müssen je nach Stückelung mit Aufschlägen von bis zu fünf Prozent rechnen.
Umständlich zu lagern: Die meisten Experten raten zum Besitz von physischem Gold, das man entweder im eigenen Tresor lagern muss oder im Bankschließfach. Das eine ist mit hohen Risiken verbunden, das andere mit Kosten. (dhz)
Das sollte nicht das Ende sein, Gold glänzte Anfang Dezember so stark wie noch nie, erreichte einen Rekordpreis von 1226 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch in Euro umgerechnet war Gold auf ein neues Allzeithoch gestiegen, für eine Feinunze musste man mehr als 800 Euro bezahlen.
Entsprechend gut sah die Bilanz aus: Wer Anfang des Jahres eingestiegen ist, ist genauso gut gefahren, wie am Aktienmarkt, hat einen satten Gewinn von mehr als zwanzig Prozent gemacht.
Allerdings ging es am Aktienmarkt seit dem Tiefpunkt im März stetig nach oben, Gold hat dagegen ein echtes Wechselbad erlebt, der Preis schwankte heftig. Eugen Weinberg, Goldspezialist der Commerzbank, sieht darin ganz klar ein Zeichen für eine riskante Anlage: "Sicher ist nur etwas, was weniger volatil ist."
Auch in diesem Jahr dürfte sich der Goldpreis nicht auf einer Einbahnstraße nach oben bewegen, das deutet sich schon an, denn Gold hat seit dem Rekordhoch einiges an Glanz verloren. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, spricht im Zusammenhang mit Gold denn auch von einer Blase: "Wichtigster Punkt ist das Anlageinteresse, das den Goldpreis so stark getrieben hat. Es ist eine Blase, die sich hier aufbaut, allerdings kann die Preisbewegung beim Gold noch einige Zeit nach oben laufen." Also noch ist nicht klar, wann die Blase platzt, denn auch das neue Jahr steckt voller Unsicherheiten.
Vor allem die Angst vor einer Inflation ist groß - die Angst davor, dass die Notenbanken das viele Geld, das sie in Umlauf gebracht haben, nicht mehr rechtzeitig einsammeln können. Nach Ansicht von Nouriel Roubini, Professor an der New Yorker Stern School of Business, der wegen seiner häufig korrekten Prognosen auch als Krisenorakel bekannt ist, muss man sich derzeit aber eher Sorgen vor einer Deflation, also einer Preisspirale nach unten, machen als vor einer Inflation. Roubini sieht die jüngste Rallye beim Gold skeptisch, glaubt, dass der Goldpreis nur dann zulegt, wenn Papierwährungen aufgrund von Inflation an Wert verlieren.
Da sich auch der Dollar erholt hat, ist in der nächsten Zeit wohl kaum mit einem Preisanstieg zu rechnen. Eher das Gegenteil könnte eintreten. "Kurzfristig dürfte der Preis nach unten gehen, könnte bei 1000 Dollar oder darunter liegen", meint Commerzbank-Experte Weinberg. Er rechnet aber damit, dass der Preis bis Ende 2010 wieder auf 1200 Dollar steigen wird. Dann würden die Märkte wieder mehr die Inflationsgefahren in den Vordergrund stellen.
Die Rohstoffexperten von Barclays Capital sind pessimistischer, sehen den Goldpreis zum Jahresende bei 1040 Dollar. Ihre Kollegen von der Credit Suisse kalkulieren für 2010 mit einem steigenden Dollarkurs, was sich negativ auf den Gold- und den Silberpreis auswirken würde. Nur die französische Bank Société Générale ist optimistisch: Sie rechnet mit einer Fortsetzung der Rallye, sieht Gold Mitte 2010 bei 1500 Dollar.
Die Société Générale betont vor allem die geänderte Haltung der Notenbanken zum Gold, weil sie zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht als Verkäufer, sondern als Nettokäufer auftreten. So hat sich die indische Notenbank aus dem Goldschatz des Internationalen Währungsfonds (IWF) bedient, hat sich mit 200 Tonnen Gold eingedeckt. Das war für Großinvestoren ein eindeutiges Signal, ebenfalls in Gold einzusteigen. Es wird auch weiter darauf spekuliert, dass andere Notenbanken folgen, dass sich die russische und die chinesische Zentralbank ebenfalls mit Gold eindecken, allerdings haben sie es nicht eilig.
Gold bleibt also ein Spekulationsobjekt, getrieben von vielen Faktoren, auch von Wirtschaftsdaten. Anleger, die glauben, mit Gold eine sichere Anlage im Vergleich zu Aktien in Händen zu halten, sind deshalb schlecht beraten. "Gold ist eine Versicherung, aber keine sichere Anlage", bringt es Weinberg auf den Punkt. Denn Gold dient zwar als Inflationsschutz und als Schutz des Kapitals, da sein Wert nicht auf Null sinken kann. Aber wenn die Risiken steigen, dann steigen auch die Kosten für diese Versicherung, auf Gold bezogen steigt dann auch der Preis.
Als langfristiges Investment hat sich Gold nicht bewährt. Wer 1981 zu einem Preis von damals 800 Dollar eingestiegen ist, hat, wenn man die Inflation berücksichtigt, nichts verdient. Über einen noch längeren Zeitraum gerechnet - seit Anfang der 70er Jahre - sprang noch weniger raus, da ist man mit Aktien und sogar mit Bundesanleihen besser gefahren.
Aber das vergangene Jahrzehnt ist unbestreitbar das Jahrzehnt des Goldes: Seit 2000 ist der Preis für die Feinunze auf Dollarbasis um 281 Prozent gestiegen, während man mit Aktien im gleichen Zeitraum auf Verlusten von 14 Prozent sitzen blieb.