Das vergangene Börsenjahr steckt nicht nur Anlegern in den Knochen, sondern auch der Fondsbranche. Denn nach den massiven Kursabstürzen trat eine Massenflucht aus aktiv gemanagten Fonds ein. Die Branche klagte über dramatische Mittelabflüsse.
So zogen Anleger in Europa zwischen Januar und November 2008 fast 400 Milliarden Euro ab. Aber nicht alle Anleger haben ihr Geld auf dem Sparbuch geparkt, viele versuchen ihr Glück stattdessen mit börsengehandelten Indexfonds.
Nach Berechnungen des Datendienstleisters Lipper Feri konnten sich die Anbieter von Indexfonds im gleichen Zeitraum über Zuflüsse von 53 Milliarden Euro freuen. Das Volumen an der Deutschen Börse gehandelter Indexfonds stieg im ersten Quartal 2009 auf insgesamt 75 Milliarden Euro.
Der Börsenplatz in Frankfurt ist der umsatzstärkste Handelsplatz für Exchange Traded Funds (ETF) in Europa. Aber auch Regionalbörsen wie Stuttgart bekommen ein Stück vom Kuchen ab.
Eindeutig kostengünstiger
Anleger scheinen also das Vertrauen in die Fonds-Manager verloren zu haben, sie sind nicht mehr bereit, die hohen Kosten, die mit einem aktiv gemanagten Fonds verbunden sind, zu tragen. Das ist eine Botschaft, die man daraus ablesen kann.
Wirtschaftsprofessor Martin Weber von der Universität Mannheim bringt es auf eine griffige Formel: "Wenn die Märkte schon runtergehen und man Verluste macht, dann sollte man wenigstens nicht soviel dafür zahlen." Denn die börsengehandelten Indexfonds sind eindeutig kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds.
Nach einer Studie vom Datendienstleister Lipper liegt die Gesamtkostenquote herkömmlicher Fonds bei 1,95 Prozent. Die jährlichen Gebühren europäischer Aktien-ETFs liegen dagegen im Schnitt bei 0,47 Prozent.
Der Preis sinkt deutlich, je höher das Volumen ist. Die Indexfonds bilden einen Index wie den Dax oder den Euro-Stoxx-50 nach. Es gibt aber auch Renten-ETFs sowie Indexfonds auf Rohstoffe oder auf komplexe Investmentstile, wie den "Short-Dax", wo man an fallenden Kursen verdient.
Die Anbieter von Indexfonds können sich in diesen Krisenzeiten also das Prädikat "Krisengewinner" anheften. In den USA fließen laut Hochschullehrer Weber inzwischen 50 Prozent des neu angelegten Geldes in passiv gemanagte Fonds.
In Europa ist iShares, die ehemalige Tochter der britischen Großbank Barclays, unangefochtener Branchenprimus, gefolgt von Lyxor, einer Tochter der französischen Bank Société Générale. Auf dem dritten Platz steht x-trackers, damit ging die Deutsche Bank Ende 2007 ins Rennen.
Wettbewerb in vollem Gange
Jetzt drängen immer mehr Wettbewerber auf diesen heiß umkämpften Markt, der ordentliche Wachstumschancen hat. Raimar Dieckmann, der den Markt für Deutsche Bank Research untersucht hat, rechnet in Europa bis Ende 2010 mit einem Anlagevolumen von 150 Milliarden Euro.
Von diesem Kuchen wollen jetzt auch amerikanische Banken ein Stück abhaben: Goldman Sachs, Merrill Lynch und Morgan Stanley wollen den europäischen ETF-Markt gemeinsam unter dem Namen Source aufrollen und bis zum Jahresende 100 Produkte anbieten.
Genau das ist aber auch eine Gefahr für den Markt mit börsengehandelten Indexfonds. Je mehr Anbieter auf den Markt drängen, desto unübersichtlicher werden die Produkte. Die vielgerühmte Einfachheit und Transparenz von Indexfonds könnte auf der Strecke bleiben. Darauf hat das Berliner Fondsanalysehaus Scope aufmerksam gemacht.
Scope nennt exemplarisch den neuen Hedgefonds-ETF von x-trackers. Diesem Indexfonds liegt der eigens von der Deutschen Bank aufgelegte Hedge-Fund-Index zugrunde, der wiederum 37 Einzelwerte beinhaltet und aus fünf Strategieindizes besteht. Der Anbieter will die Anteile vierteljährlich neu gewichten, greift damit also aktiv ein und holt sich das über höhere Gebühren wieder zurück.
Für Scope ist ein solcher Fonds nur was für Experten, Kleinanleger würden solche Konstruktionen überfordern, heißt es. Der Mannheimer Professor Weber rät ebenfalls zu einfachen, überschaubaren Konstruktionen, sonst drohe eine ähnliche Unübersichtlichkeit wie auf dem Zertifikatemarkt.
Webers Vorschlag
Trotz des Erfolges der Indexfonds und eines größeren Angebots werden private Anleger beim Erwerb weiterhin auf Schwierigkeiten stoßen. Denn der normale Bankberater hat die Indexfonds nicht auf seiner Empfehlungsliste, schließlich entgehen ihm damit Provisionen. Nach Webers Ansicht sollte das Gebührenmodell mit Hilfe der Politik geändert werden.
"Lieber für die Beratung bezahlen und dafür alle verfügbaren Produkte zur Auswahl haben, anstatt für die Produkte selbst zahlen. Das muss eine Lehre aus der Finanzkrise sein." Bisher haben normale Anleger nur eine Chance, wenn sie sich aktiv nach passiv gemanagten Fonds erkundigen.