Bei Ihnen kommen nur Bio-Eier oder zumindest welche aus Freilandhaltung auf den Tisch? Denken Sie! Käfig-Eier schaffen es über Umwege auch in Ihren Einkaufswagen, ohne dass Sie es merken. Sie sind zum Beispiel in Nudeln, Eis, Kuchen und Keksen verarbeitet. Einen Hinweis auf der Verpackung sucht man vergebens. In verarbeiteten Produkten muss nämlich nicht gekennzeichnet werden, woher die benutzten Eier stammen. Auch gekochte und gefärbte Eier benötigen keine Kennzeichnung, da sie als verarbeitet gelten.
Eine neue Regelung soll nun für mehr Vertrauen auf dem Eiermarkt sorgen. Zum Jahreswechsel wird die konventionelle Käfighaltung von Legehennen in allen EU-Ländern verboten. In Deutschland ist diese Art der Tierhaltung bereits seit einem Jahr nicht mehr erlaubt, in vielen anderen Ländern sind Legebatterien aber bislang ganz normal. Jeweils fünf Hennen teilen sich bei dieser Form einen Metallkäfig, jedem Huhn steht eine Fläche von 550 Quadratzentimetern (weniger als ein Blatt Papier DIN A 4) zur Verfügung. Fütterung und Abtransport der Eier erfolgen automatisch. Die neue Regelung soll den Hennen europaweit etwas mehr Platz verschaffen – mindestens 200, höchstens 400 Quadratzentimeter plus. Außerdem legen sie künftig ihre Eier statt auf ein Fließband in ein Nest, bekommen eine Sitzstange und etwas Platz zum Scharren. Im Käfig müssen sie trotzdem bleiben.
Ökologische Haltung (0) Die Tiere haben sechs Quadratmeter Auslauffläche je Huhn zur Verfügung. In Bioställen dürfen maximal 3000 Hühner gehalten werden. Gentechnik im Futter ist streng verboten.
Freilandhaltung (1) Die Hennen erhalten für mindestens sechs Stunden am Tag einen Freilandauslauf von vier Quadratmetern zum Laufen, Scharren und Picken. Das Problem: Manche Freilandbetriebe ähneln dennoch den Bodenhaltungsbetrieben, da sich die Hühner oft gar nicht aus dem Stall nach draußen trauen.
Bodenhaltung (2) Die Hennen haben innerhalb der Stallanlage Zugang zu einem Scharrraum mit Einstreu aus Sand, Stroh oder anderen natürlichen Materialien. Der gesetzliche Minimalplatz ist etwa doppelt so groß wie bei der Käfighaltung. Bei Ställen mit mehreren Ebenen ist er jedoch kaum größer als bei den Käfigen. Manchmal gibt es Außenkäfige.
Käfighaltung (3) In Käfiganlagen können mehr als 100 000 Tiere an einem Standort gehalten werden. Der Käfig der Hennen ist in etwa so groß wie ein DIN-A4-Blatt Papier.
Seit 2004 müssen Eier EU-weit einen Code tragen, an dem Verbraucher erkennen können, wie das Ei entstanden ist. Doch was bedeuten die aufgedruckten Zahlen und Buchstaben?
Die Zahlen am Anfang:
0 = ökologische, hühnerfreundliche Haltung
1 = Freilandhaltung
2 = Bodenhaltung
3 = Käfige. Achtung: Hier werden unterschiedliche Käfigarten zusammengefasst. So kann das Ei von einem Huhn aus einem Kleingruppenkäfig kommen, wie sie auch in Deutschland erlaubt sind. Es kann aber auch aus einer Legebatterie stammen, wie es sie zum Beispiel noch in Spanien, Portugal und vielen osteuropäischen Ländern gibt.
Die Buchstaben nach dem Bindestrich geben Auskunft über das Herkunftsland, etwa DE für Deutschland und NL für die Niederlande. Zuletzt folgt die Kennung des Herstellerbetriebs.
Im Internet können Sie den Nummerncode eingeben und erhalten die Adresse des Betriebs, von dem das Ei stammt: www.was-steht-auf-dem-ei.de
Einige Länder weigern sich
Diese sogenannten ausgestalteten Käfige sollen künftig Minimalstandard in der EU sein. Jedem Huhn wird darin eine 750 Quadratzentimeter große Fläche zugestanden. In Deutschland ist auch diese Haltungsform verboten. Hier hat man auf die sogenannte Kleingruppenhaltung umgestellt. Etwa 50 bis 60 Tiere leben dabei gemeinsam in einem Käfig, jede Henne bekommt 800 bis 950 Quadratzentimeter für sich. Sitzstangen, Nester und eine Scharrfläche gibt es ebenfalls. Tierschützer kritisieren die Kleingruppenhaltung als beschönigend: Den Hühnern werde dabei nur minimal mehr Platz als zuvor zugestanden.
Auch für Caspar von der Crone, Geschäftsführer des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. (Kat) geht die neue Regelung nicht weit genug. Er befürchtet, dass mindestens 15 EU-Länder den Forderungen nicht nachkommen wollen, deren Hühner weiter konventionell gehalten werden. Die EU-Kommission geht von 13 Staaten aus. Von der Crone schätzt, dass somit mehr als 100 Millionen Hühner in zu engen Käfigen sitzen bleiben werden. Vor allem Spanien, Portugal, Polen, Ungarn, Tschechien, Frankreich und Belgien stünden unter Verdacht. Ihre Produktion ganz sicher umgestellt hätten nur Deutschland, Schweden, die Niederlande, England und Österreich. „Die Frage ist, was mit den Eiern geschieht, die nach wie vor aus konventioneller Käfighaltung stammen.
Es gibt halbherzige Abmachungen, sie nur im jeweiligen Herkunftsland anzubieten. Ob sie wirklich nicht mehr exportiert werden, ist unklar“, sagt von der Crone. Länder, die ihre Produktion nicht fristgerecht umstellen, müssen mit Vertragsverletzungsverfahren seitens der EU-Kommission rechnen. Sorge müssen sie aber keine haben, meint von der Crone: „Klagen würden vier bis fünf Jahre dauern.“
Unter welchen Umständen und wo die Eier gelegt wurden, können Verbraucher nur bei frischer Ware erkennen. Seit 2004 muss auf der Verpackung EU-weit ein Zahlencode stehen, an dem Haltungsart der Hühner und Herkunft der Eier ablesbar sind (siehe Kasten). Seit der Kennzeichnung sei der Anteil an verkauften Käfig-Eiern spürbar zurückgegangen. „Die Leute sind offenbar bereit, etwas mehr zu bezahlen, wenn das Huhn dafür unter besseren Bedingungen gehalten wird“, sagt Andreas Winkler von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch.
Ware ohne Kennzeichnung
Mit ihrem Kaufverhalten Einfluss auf die Hühnerhaltung nehmen können Verbraucher allerdings nur bei frischen Eiern. Bei verarbeiteten Produkten ist es auch in Deutschland kaum möglich, zu erkennen, woher das Ei stammt – es sei denn, die Hersteller geben es freiwillig an. „Wenn nicht, haben Verbraucher kaum eine Chance. Sie können ja nicht vor dem Kauf einen Brief an den Hersteller schreiben“, sagt Andreas Winkler. Caspar von der Crone ist sogar davon überzeugt, dass der Großteil illegal produzierter Käfig-Eier in Fertigprodukten landet: „Solche Eier sind einfach viel billiger.“
Noch schwieriger wird die Zuordnung in der Gastronomie. Nur wenige Restaurants geben freiwillig an, ob sie für ihre Gerichte Eier aus artgerechter Haltung verwenden. Manche Bestandteile wie Eiklar oder Volleipulver kommen für die Weiterverarbeitung sogar aus Brasilien, Argentinien, den USA oder Indien. Beim Import aus Nicht-EU-Ländern genügt es, die Herkunft mit „unbekannt“ zu kennzeichnen.
Weitere Angaben sind nicht nötig. Auch Hühnerfutter kann gentechnisch verändert sein, ohne dass Hersteller das auf Verpackungen oder Eiern angeben müssen. Nur die europäischen und deutschen Bio-Siegel sowie der Aufdruck „ohne Gentechnik“ garantieren, dass die Hennen nicht mit Gensoja versorgt worden sind. Diese Regeln gelten auch bei verarbeiteten Eiprodukten.