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Pestizide: Blacklist ärgert Bauern

Edeka sortiert Obst und Gemüse mit gefährlichen Pestiziden aus und stößt auf Protest. Von Stephan Börnecke

Inzwischen genusstauglich: Paprika.
Inzwischen genusstauglich: Paprika.
Foto: ddp

Im Kampf gegen Rückstände in Obst und Gemüse hat sich der Lebensmittelhandel von den gesetzlichen Normen verabschiedet und eigene, niedrigere Werte zur Vorgabe an die Bauern gemacht. Edeka geht noch einen Schritt weiter: Das Unternehmen hat die Verwendung eines Bündels von Pestiziden komplett untersagt.

In den Berichten der Lebensmittelkontrolleure spielte Paprika stets eine unrühmliche Rolle: Vor allem südländische Früchte waren fast immer mit einem Cocktail von Pflanzenschutzmitteln belastet, oft weit über den zulässigen Höchstgrenzen. Doch das Blatt hat sich gewendet: Im jüngsten Report der Stiftung Warentest heißt es: "Bei keiner Schote wurden Grenzwerte überschritten."

Illegale Mittel

Ermittlern ist der bislang größte Schlag gegen den Handel mit verbotenen Pflanzenschutzmitteln gelungen: Mehr als 30 Tonnen teils hochgiftiger Substanzen haben Beamte in vier Bundesländern beschlagnahmt.

Ein 65-jähriger Drahtzieher wollte die Nachfrage nach "bewährten", aber verbotenen Mitteln bedienen.

"Das wäre noch vor wenigen Jahren nicht möglich gewesen", kommentiert Greenpeace-Pestizid-Experte Manfred Krautter. Dass die "Ampel von rot auf gelb, aber noch nicht auf grün" gesprungen ist, zeige auch der jüngste Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vom März: Danach waren 2007 nur noch 4,5 Prozent der Obst- und Gemüseproben stärker als erlaubt mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Im Jahr zuvor waren es noch 5,3 Prozent. Ein Teil dieses Rückgangs geht auf das Konto der Harmonisierung der EU-Grenzwerte, wonach die zulässige Belastung für einen Teil der Pestizide angehoben wurde.

Ein anderer Teil aber, so Krautter, sei dem Umdenken der Branche geschuldet. So hatten zunächst Lidl und Aldi, später auch Metro, Rewe, Tengelmann und Edeka die gesetzlichen Höchstmengen durch eigene, niedrigere Werte ersetzt. Meistens gilt eine 70-Prozent-Regel, Lidl ging sogar auf 30 Prozent. Dass diese Vorgabe an die Lieferanten, die bei Verstoß die Auslistung zur Folge haben kann, nicht lückenlos ist, zeigt der Bericht der Stiftung Warentest: Ausgerechnet Lidl-Paprika waren "deutlich belastet", wenn auch im gesetzlichen Rahmen.

Edeka ist inzwischen einer Forderung von Greenpeace gefolgt und hat den Rahmen noch enger gesteckt: Das Unternehmen operiert mit einer Schwarzen Liste und verlangt von den Bauern, auf besonders gefährliche Pestizide zu verzichten. Eine ähnliche Liste hatte Greenpeace vor einem Jahr publiziert und von 1134 Wirkstoffen 327 ausgesondert.

Edeka stieß prompt auf Widerstand: Am Rande der Grünen Woche in Berlin hatte der Bauernverband die leitenden Edeka-Manager ins Präsidium des Verbands gebeten und gegen dieses "Marketing-Instrument" protestiert. Die Lebensmittelqualität sei auch ohne die zusätzlichen Restriktionen "so gut und sicher wie noch nie". Das Verhalten der Lebensmittelhändler unterlaufe das Vertrauen der Verbraucher in die staatlichen Regeln, beschwerte sich Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Auf diese gesetzlichen Gehalte hätten die Landwirte sogar "ein Recht".

Die Kaufleute aber bangen ums Image, streben möglichst unbelastete Ware an und stünden, wie die Lebensmittelzeitung kommentiert, unter "Zugzwang": Denn Greenpeace und andere Organisationen sowie staatliche Stellen "überwachen die Qualität des grünen Sortiments genau".

Eingemischt in den Streit, zu dem sich Edeka am Freitag auf Anfrage nicht äußerte, hat sich der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel. Zur Welt am Sonntag sagte Hensel, der Verbraucher werde mit solchen Kampagnen "in die Irre geführt". Ihm sei kein deutscher Fall bekannt, in dem Verbraucher durch Pestizide erkrankt seien, stellte Hensel damit auch die noch strengeren Vorgaben des Lebensmittelhandels in Frage.

Ein Risiko aber bestehe für Bauern. Die hätten, wenn sie keinen Schutz getragen haben, die "toxischen, bisweilen auch krebserregenden Wirkungen durchleiden" müssen.

Autor:  STEPHAN BÖRNECKE
Datum:  4 | 4 | 2009
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