Verbraucher in Deutschland erleiden jährlich einen Schaden von mehr als 700 Millionen Euro, weil Riester-Verträge zu teuer, Dispokredite und Geldautomaten-Gebühren zu hoch sind. Das sagen Stiftung Warentest und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Sie fordern schärfere Kontrollen.
Die Verbraucherschützer haben an drei Beispielen durchzurechnen versucht, welche Schäden für Bürger durch zu hohe Kosten entstehen. "Die Beispiele zeigen systematisches Marktversagen zulasten der Verbraucher", erklärt vzbv-Vorstand Gerd Billen. Deshalb müsse die Bundesregierung den Verbraucherschutz effektiver machen und in der Finanzaufsicht verankern. Möglich sei etwa, ein eigenes Referat in der Bafin einzurichten, sagt Stephan Kühnlenz, Abteilungsleiter Finanzdienstleistungen bei der Stiftung Warentest.
Bei der privaten Altersvorsorge seien die Schäden für Bürger besonders dramatisch, weil die Kosten vieler Riester-Produkte zu hoch seien, betonen die Organisationen. Sie machen folgende Rechnung auf: Der Staat hat Riester-Produkte bis Ende 2009 mit gut sechs Milliarden Euro bezuschusst. Wenn die Rendite für die Anlagen wegen zu hoher Kosten um einen Prozentpunkt niedriger ausfiel, sind aus den sechs Milliarden bis heute nur 6,4 Milliarden geworden - 115 Millionen Euro weniger als bei geringeren Kosten. Bis 2020 summierten sich die Verluste auf über drei Milliarden.
Auch Dispozinsen seien nicht in dem Maße gesunken wie die EZB-Leitzinsen. Und: Die Gebühren für eine "Fremdabhebung" am Geldautomat einer anderen Bank würden im Schnitt sieben Euro betragen, obwohl zwei Euro ausreichten. Eine Sprecherin des Bankenverbands betonte, dass die Kreditwirtschaft zurzeit versuche, sich auf "kundenfreundliche Gebühren" zu verständigen. Die privaten Banken hätten um die zwei Euro im Blick. Bei einem Dispo-Kredit seien die EZB-Zinsen nur ein relevanter Faktor.
Der Ökonom Bert Rürup warnt derweil, die Griechenland-Krise könnte negative Auswirkungen auf die private Altersvorsorge haben. Schon die Finanzmarktkrise habe Sparer verunsichert. "Wenn jetzt sogar Staatsanleihen von Euro-Ländern nicht mehr als sicher angesehen werden, wird es noch schwieriger, die Menschen zu einer kapitalgedeckten privaten oder betrieblichen Altersvorsorge zu motivieren", sagt der Ex-Chef der Wirtschaftsweisen der FR. Denn Staatsanleihen gelten eigentlich als sehr sichere Anlage.