Die Finanzkrise hat auch ihr Gutes: Die Leitzinsen verharren auf historisch niedrigem Niveau und so langsam kommt das auch beim Verbraucher an. Für Studenten sind Kredite im Vergleich zum Vorjahr deutlich günstiger geworden.
Allerdings sind nicht alle Anbieter mit den Zinsen runtergegangen, dem Trend folgten überwiegend staatliche oder halbstaatliche Anbieter. Rund 100.000 Studenten bekommen derzeit einen Kredit von Banken oder Sparkassen, das sind fünf Prozent der Studierenden. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks nehmen allein drei Prozent das Angebot der staatlichen KfW-Bankengruppe in Anspruch.
Bedarf kalkulieren: Ein Studienkredit sollte nur die Ultima Ratio sein. Da bei einem zu hohen Darlehen schon in jungen Jahren eine Überschuldung droht, sollte der Bedarf genau kalkuliert werden. Zu gering darf der Kredit aber auch nicht bemessen sein.
Angebote vergleichen: Wer sich am Anfang die Arbeit macht und die Offerten von Banken sorgfältig vergleicht, erspart sich später höhere Kosten. Die verschiedenen Anbieter sollten auch kontaktiert werden.
Höhe der Auszahlung: Empfehlenswert ist, darauf zu achten, dass der Anbieter in der Auszahlungsphase die Zinsen nicht einbehält, so dass man mit der Zeit immer weniger Geld herausbekommt. Die Zinsen sollten erst bei der Rückzahlung fällig werden. (dhz)
Dieses schneidet bei unterschiedlichen Tests, zumindest was die Zinsen anbelangt, mit am besten ab. Sowohl im CHE-Studienkredittest, als auch bei Finanztest wird der Kredit der KfW unter den günstigsten Angeboten aufgeführt. Noch besser als die KfW steht laut CHE-Studie nur noch das Bundesverwaltungsamt da, das einen Effektivzins von 1,99 Prozent verlangt, allerdings zahlt die staatliche Stelle maximal nur 7200 Euro aus. Die Unterschiede zwischen den Angeboten sind beträchtlich, sie können mehrere tausend Euro ausmachen.
Laut einer Modell-Rechnung der Zeitschrift Finanztest beträgt der Effektivzinssatz für die Finanzierung eines dreijährigen Bachelor-Studiums mit monatlich 300 Euro bei der KfW 3,72 Prozent. Zurückgezahlt wird hier nach einem Jahr und das über sieben Jahre.
Das lassen sich die Großbanken deutlich teurer bezahlen. Die Deutsche Kreditbank und die Deutsche Bank verlangen gemäß dieser Rechnung Zinsen von 6,49 beziehungsweise 7,73 Prozent. Hohe Sätze fallen aber auch bei der Sparkasse Leipzig an.
Studenten gelten als riskante Kreditnehmer
Das Geschäft mit Studienkrediten scheint für die Großbanken wenig lukrativ zu sein, Studenten gelten als riskante Kreditnehmer. So hat die Deutsche Bank zwischen 2005 und 2008 nur 12.000 Abschlüsse gemacht. Die Dresdner Bank hat ihr Studienkredit-Angebot seit der Verschmelzung mit der Commerzbank gleich ganz aufgegeben. Die KfW spricht im Zusammenhang mit den Studienkrediten von einem öffentlichen Auftrag. „Es liegt durchaus im Interesse der Bundesregierung, dass die Zinsen für Studienkredite niedrig sind“, meint Ulrich Müller, Verfasser der CHE-Studie.
Studienkredite sind erst 2005 in Deutschland zum Thema geworden, seit der Einführung der Studiengebühren. Diese werden derzeit aber nur noch von fünf Bundesländern erhoben, wobei auch Nordrhein-Westfalen davon Abstand nehmen will. Dennoch ist der Bedarf an Studienkrediten gleichgeblieben.
Sie sollte man aber nicht nur unter dem Aspekt der günstigsten Zinsen aussuchen, sondern sollte prüfen, wie flexibel die Angebote sind und ob damit auch bestimmte Ansprüche abgedeckt werden. Wer Auslandssemester plant, bekommt zum Beispiel von der KfW kein Geld dafür. Die Deutsche Kreditbank, die höhere Zinsen verlangt, finanziert dagegen auch ein Auslandsstudium. Bei der Deutschen Bank schaut man trotz hoher Zinssätze hier allerdings auch in die Röhre.
Zu beachten ist auch, ob der Zins fest ist, denn nur so lassen sich die Belastungen planen. Bei variablen Sätzen können während der Rückzahlung dagegen böse Überraschungen drohen. Ulrich Müller von CHE-Consult bezeichnet denn auch keins der Angebote als optimal, weil sie für die verschiedenen Zielgruppen jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile hätten. Das Deutsche Studentenwerk, das sich als unabhängiger Berater bezeichnet, empfiehlt den Kredit der KfW. Die Studentenwerke sind allerdings Vertriebspartner der KfW und bekommen dafür Provisionen.