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Astronomie und Raumfahrt

02. März 2016

ISS: Raumfahrer kehren nach 340 Tagen zurück

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Nach 340 Tagen ist er zurück auf der Erde: Der Nasa-Astronaut Scott Kelly. Doch die Mission ist damit noch nicht beendet - die Untersuchungen gehen weiter.  Foto: dpa

Die Astronauten Scott Kelly und Mikhail Kornienko kehren nach 340 Tagen in der Schwerelosigkeit auf die Erde zurück. Doch ihre Mission ist noch nicht beendet: Nun werden sie untersucht, um herauszufinden, wie sich der lange Aufenthalt im All auf die Gesundheit auswirkt.

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Als die Astronauten Scott Kelly und Mikhail Kornienko im März 2015 zur Internationalen Raumstation ISS aufbrachen, wussten sie, dass sie so bald keinen festen Boden mehr unter den Füßen haben würden. Nasa-Astronaut Kelly und sein russischer Kollege Kornienko sollten für ein Jahr an Bord der ISS bleiben - quasi als menschliche Versuchskaninchen. Die beiden sollten testen, wie sich der lange Aufenthalt in der Schwerelosigkeit auf den Menschen auswirkt. Bereits ein Jahr vor ihrer Reise ins All begannen die Untersuchungen: Unter anderem wurden Blut-, Urin- und Speichelproben entnommen.

Im Laufe ihres Aufenthalts im All wurden die Astronauten genau beobachtet. Die Forscher auf der Erde interessierten sich unter anderem für ihre Schlafmuster, das Sehvermögen und das Immunsystem. Auch das physische Leistungsvermögen und die Zusammenarbeit im Team nahmen die Forscher genau unter die Lupe.

Nun ist die Mission an Bord der ISS zu Ende, in den frühen Stunden des 2. März sind Kelly, Kornienko und ihr russischer Kollege Sergej Wolkow zur Erde zurückgekehrt. 340 Tage waren Kelly und Kornienko ununterbrochen im Weltall, sie haben nach Angaben der US-Raumfahrtorganisation Nasa in dieser Zeit gut 400 Experimente durchgeführt. 340 Tage an Bord der ISS - das bedeutet auch, dass Kelly und Kornienko die Erde 5440 Mal umkreist und insgesamt eine Strecke von 231,5 Millionen Kilometern zurückgelegt haben. Eine Entfernung, in der man von der Erde aus den Planeten Mars erreichen kann; er ist je nach Position etwa 56 bis 402 Millionen Kilometer entfernt.

Die lange Reise zum Mars ist auch einer der Hintergründe der "one year mission", wie die Nasa sie nennt. Wenn Astronauten in Zukunft zum Mars reisen sollen, müssten sie eine lange Zeit - Hinflug, Rückflug und ausreichend Zeit zum Forschen - in der Schwerelosigkeit verbringen. Daher ist es wichtig, zu testen, wie der menschliche Körper auf die lange Zeit in der ungewohnten Umgebung reagiert. Aber auch andere Aspekte spielen eine Rolle: Wie verhalten sich Menschen, wenn sie länger auf sehr engem Raum zusammenleben und -arbeiten? Und wie geht es den Astronauten, wenn sie wieder auf die Erde zurückkehren?

Um diese Fragen zu beantworten, wurden nicht nur die beiden Astronauten auf der ISS genau beobachtet. Gleichzeitig fand eine Vergleichsstudie auf der Erde statt, an der Scott Kellys eineiiger Zwillingsbruder Mark Kelly teilnahm. Bei einigen der Zwillings-Experimente sollte unter anderem herausgefunden werden, wie sich der Aufenthalt im All auf das Genom, auf das Verhalten oder auf Organismen im Darm des Astronauten auswirkt (Details der Studie).

Und mit der Rückkehr von Kelly und Kornienko zur Erde ist die Mission noch lange nicht beendet: Mindestens ein Jahr lang werden die beiden Astronauten noch Blut-, Urin- und Speichelproben abgeben und so die Forscher unterstützen. Bis die ersten Forschungsergebnisse der Jahresmission veröffentlicht werden, kann es sechs Monate bis sechs Jahre dauern, heißt es bei der Nasa. Die Zeitverzögerung liegt unter anderem daran, dass die meisten Proben, die die Astronauten in der Schwerelosigkeit genommen haben, noch an Bord der ISS gelagert sind und noch auf einen Rücktransport warten müssen.

Der Astronaut Scott Kelly konnte 340 Tage lang den atemberaubenden Ausblick von der ISS auf die Erde genießen. Nun kehrt er per Sojus zurück auf den blauen Planeten.  Foto: NASA

Bei aller wissenschaftlichen Arbeit im All kommt bei den Astronauten jedoch auch die Öffentlichkeitsarbeit nicht zu kurz. Nasa-Astronaut Kelly fotografiert wie viele andere Astronauten gerne die Erde von oben und veröffentlicht die Fotos auf Twitter und Facebook, wo sie begeistert angenommen werden. Außerdem beantwortet Kelly Fragen auf Reddit und in seinem eigenen Tumblr-Blog und wirbt so nicht nur für die Raumfahrt an sich, sondern macht mit seinen Bildern auch deutlich, wie fragil und schützenswert die Erde ist.

Während seines Aufenthalts auf der ISS hat Scott Kelly gleich mehrere Rekorde gebrochen: Er ist der Amerikaner, der die meisten Tage und die längste Zeit am Stück im Weltall verbracht hat. Der erste Astronaut, der ein Jahr im All verbracht hat, ist er allerdings nicht: Der Russe Valery Polyakov war von Januar 1994 bis März 1995 insgesamt 438 Tage auf der russischen Raumstation Mir. Drei weitere Kosmonauten haben ebenfalls mehr ununterbrochene Zeit im All verbracht: Sergei Avdeyev (380 Tage), Vladimir Titov (366 Tage) und Musa Manarov (366 Tage).

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