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Neues Teleskop: Lauschende Meerkatze in der Wüste

Südafrika setzt alles daran, den Zuschlag für den Bau der größten Radioteleskop-Anlage der Welt zu erhalten. Sie soll tiefe Blicke ins Universum ermöglichen.

        

Die ersten Schüsseln mit einem Durchmesser von je 15 Metern stehen schon. Es sollen einmal zweitausend werden.
Die ersten Schüsseln mit einem Durchmesser von je 15 Metern stehen schon. Es sollen einmal zweitausend werden.
Foto: Johannes Dieterich

Die Straße zieht sich schnurgerade durch das endlose, nur von einzelnen Büschen bewachsene Terrain. Selbst die Zeit scheint stillzustehen in der Halbwüste Karoo im Herzen von Südafrika. Plötzlich tauchen am Horizont sieben riesige weiße Satellitenschüsseln auf. Sie haben einen Durchmesser von etwa 15 Metern. Wenn es nach dem Willen der südafrikanischen Regierung geht, werden hier in zwölf Jahren fast zweitausend Schüsseln stehen – die größte Radioteleskop-Anlage der Welt, mit der Wissenschaftler bis zu 13 Milliarden Jahre zurück in die Vergangenheit des Universums lauschen wollen.

Ideale Radiowellenstille

„Das ist der ideale Standort für ein phantastisches Projekt“, sagt der 53-jährige südafrikanische Astronom Justin Jonas begeistert und zeigt auf das öde Umland: Kein anderer Ort der Erde erfülle die Voraussetzungen für die gigantische, von Astronomen aus aller Welt seit mehr als einem Jahrzehnt geplante Anlage besser. Mit eintausend Metern über dem Meeresspiegel liegen die weißen Schirme relativ hoch, die Luft ist trocken, vor allem aber wird die Gegend nicht von der Strahlenkakophonie verseucht, die Mobilfunknetze und Rundfunkstationen anderswo anrichten. In Südafrikas Nordkap-Provinz leben nur zwei Prozent der Bevölkerung, also nicht einmal eine Million Menschen: Im zweihundert Kilometer weiten Umkreis der Anlage sind es höchstens ein paar tausend. Südafrikas Regierung hat die Region zum „astronomischen Schutzgebiet“ erklärt.

Pretoria tut alles dafür, das drei Milliarden Dollar teure Prestigeprojekt ans Kap der Guten Hoffnung zu holen. Konkurrent bei der Ausschreibung des sogenannten Square Kilometre Array (SKA) ist Australien, das im mittleren Westen ebenfalls über ziemliche „Radiowellenstille“ verfügt. Das von Repräsentanten aus sieben Staaten besetzte SKA-Direktorium will im Februar darüber entscheiden, wer den Zuschlag erhält. Der Entscheidung sieht Derek Hanekom, Südafrikas Vizeminister für Wissenschaft und Technologie, mit gedämpfter Zuversicht entgegen. „Unser größtes Problem ist unser Image“, meint der ANC-Politiker. Während Australien als Teil des Westens gelte, habe Südafrika gegen den Vorbehalt der Afropessimisten anzukämpfen, die dem Kontinent generell nichts Gutes – schon gar nicht auf wissenschaftlichem Gebiet – zutrauten.

Unsere Einblicke ins All: Die wichtigsten Teleskope

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Dabei könne Südafrika zumindest in der Astronomie ganz vorne mithalten. Nicht nur, dass das Land bereits über eines der besten optischen Teleskope der Welt verfüge, auch zögen die Universitäten in Kapstadt und Johannesburg Lehrkräfte und Studenten aus aller Welt an. Selbst technologisch hätten die afrikanischen Forscher mit der Entwicklung des superschnellen Computer-Schaltkreises „Roach“ einen durchschlagenden Erfolg erzielt: Der Schnellrechner wird in der Genom-Forschung eingesetzt und soll bei der Auswertung der vom Radioteleskop eingefangenen immensen Datenmengen eine zentrale Rolle spielen. Auch die benötigen Satellitenschüsseln wollen die kapländischen Forscher direkt vor Ort in einer Halle in der Wüste produzieren.

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Autor:  Johannes Dieterich
Datum:  28 | 1 | 2012
Seiten:  1 2
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