Astronomie und Raumfahrt

02. Januar 2013

Raumfahrt: Astronauten droht Alzheimer im All

 Von Anne Brüning
Ob sich die Astronauten Thomas Marshburn, Roman Romanenko und Chris Hadfield der Gefahren im All bewusst sind?  Foto: REUTERS

Auf Astronauten lauern im All etliche Gefahren. Nun kommt noch eine hinzu: Die kosmische Strahlung im All erhöht das Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

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Keine Frage, eine Reise ins Weltall birgt etliche Gefahren. Neben technischen Schwierigkeiten können auf Astronauten auch gesundheitliche Probleme zukommen. Die kosmische Strahlung erhöht zum Beispiel das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Eine Studie der US-Weltraumbehörde Nasa hat nun ein weiteres medizinisches Problem ausgemacht: Das Alzheimer-Risiko erhöht sich im All, denn auch das Gehirn wird durch die kosmische Strahlung in Mitleidenschaft gezogen.

Das schließen Forscher um Kerry O’Banion vom University of Rochester Medical Center zumindest aus ihren Experimenten mit Nagern. Das Team hatte im Auftrag der Nasa Mäuse unterschiedlichen Strahlungsdosen ausgesetzt – unter anderem solche Mengen, denen ein Astronaut auf einer Reise zum Mars ausgesetzt wäre.

Eindeutige Hinweise

Wie die Forscher im Fachmagazin Plos One berichten, beeinträchtigte die Strahlung die kognitive Leistung der Tiere stark. In Tests zur Merkfähigkeit von Objekten und Orten versagten „bestrahlte“ Nager viele häufiger als andere.

In den Gehirnen der Astronauten-Simulanten entdeckten O’Banion und seine Kollegen darüber hinaus krankhafte Veränderungen der Blutgefäße sowie vermehrte Ablagerungen des Eiweißes Beta-Amyloid, die typisch für Alzheimer sind.

„Diese Befunde sind eindeutige Hinweise darauf, dass die Strahlung im All die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit beschleunigen kann“, resümiert O’Banion. Die Nasa müsse dieses Gesundheitsrisiko bei ihren künftigen Missionen im Blick behalten.

Vor allem bei langen Reisen durchs Weltall würden Astronauten vermutlich ihr Gedächtnis aufs Spiel setzen. Denn je länger sich ein Mensch im Weltall aufhält, desto größer ist die Strahlungsmenge, der er ausgesetzt ist. Bedenklich sind zum Beispiel die von der Nasa geplanten Missionen zu einem fernen Asteroiden im Jahr 2021 und zum Mars 2035. Die Reise zum Mars und zurück könnte immerhin gut drei Jahre dauern.

Die Liste wird länger

Kosmische Strahlung besteht aus energiereichen Teilchen, die von der Sonne, von Sternenexplosionen in der Milchstraße oder von fernen Galaxien stammen. Die Strahlung besteht vornehmlich aus Protonen, Heliumkernen und Elektronen, aber auch aus Eisenkernen. Auf der Erde sind wir durch das Magnetfeld vor dieser Strahlung weitgehend geschützt.

Schaden kann sie anrichten, indem sie Atome und Moleküle im Körper ionisiert. So werden chemische oder biochemische Reaktionen in den betroffenen Zellen ausgelöst, was – insbesondere im Erbgut – zu Schäden führen kann.

Bekannt war bisher, dass insbesondere bei Langzeitraumflügen die Wahrscheinlichkeit steigt, an Krebs zu erkranken. Vermutet wurden darüber hinaus eine erhöhte Wahrscheinlichkeit am grauen Star, einer Trübung der Augenlinse, zu erkranken und ein erhöhtes Arteriosklerose-Risiko. Mit der Alzheimer-Krankheit verlängert sich nun die Liste. Noch nehmen es die Forscher mit Humor: „Houston, we have another problem“, lautet die Überschrift der Forschungsmeldung.

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