Astronomie und Raumfahrt

05. November 2013

Raumfahrt Marsmission Indien: Indien schickt Sonde zum Mars

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Liftoff! Die indische Rakete startet und bringt den Mars-Orbiter auf den Weg in Richtung des Roten Planeten. Foto: AFP/NDTV/Doordarshan

Indien schickt eine unbemannte Sonde zum Mars und will damit in den elitären Club der Länder mit Marsmissionen aufsteigen. Das komplette Projekt kostet nur 73 Millionen US-Dollar - ein Bruchteil des Geldes, das die USA, Russland und Europa für ihre Mars-Missionen ausgeben.

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Bangkok –  

Indien versuchte am Dienstag der Welt einmal mehr zu zeigen, dass die Nation zu den gleichen technologischen Leistungen in der Lage ist wie der Rest der Welt – nur billiger. Pünktlich startete am Dienstag Mangalyaan (Hindi für Mars-Vehikel) von der Insel Shriharikota im Golf von Bengalen zur ersten Mission des Landes. Der Preis des Unternehmens, das einen 1350 Kilogramm schweren Robotersatelliten in eine Umlaufbahn um den „Roten Planeten“ bringen soll: ganze 73 Millionen US-Dollar, ein Bruchteil des Geldes, das die USA, Russland und Europa für ihre erfolgreichen interplanetarischen Missionen zum Mars ausgaben.

Doch bevor die geplante 300-tägige Reise zu dem 780 Millionen Kilometer entfernten Planeten zum Erfolg wird, muss noch ein Hindernis überwunden werden, bei dem die Hälfte aller anderen Missionen scheiterte. Mangalyaan braucht einen zusätzlichen Raketenschub, um die Erdumlaufbahn zu verlassen. Das ist bislang nur Europa beim ersten Versuch gelungen.

Doch das störte Indiens Medien am Dienstag nicht. Das Land, das gegenwärtig meist über die rasant steigenden Kosten für Zwiebeln debattiert und die lahmende Wirtschaft klagt, benötigte dringend einen Schuss Selbstbewusstsein für den daniederliegenden Nationalstolz. Da fügte sich bestens, dass Indiens großer Nachbar China, der mittlerweile die ersten eigenen Raumfahrer ins Weltall schoss, bislang mit seinen Mars-Missionen scheiterte. Andere asiatische Staaten wie Japan und Südkorea schafften es ebenfalls noch nicht zum roten Planeten. Seit 1960 gab es etwa 45 Missionen zum Mars, aber nur die Hälfte war erfolgreich.

"Wettlauf gegen uns selbst"

K. Radhakrishnan, der Chef der indischen Raumfahrtbehörde ISRO, dementiert energisch jede Vermutung, Indiens ehrgeiziges Marsunternehmen zum Billigtarif sei Teil eines asiatischen Wettrennens im Universum. „Es ist mehr ein Wettlauf gegen uns selbst“, sagt der Wissenschaftler, der am Montag wie vor jedem anderen indischen Ausflug ins Weltall mit einer Attrappe des Mars-Roboters zu einem 2000 Jahre alten Tempel des Hindu-Gottes Venkateswara gepilgert war.

Der Verdacht ist dennoch nicht völlig entkräftet. Schließlich kündigte Indiens Premierminister Manmohan Singh die Mars-Mission erst vor 15 Monaten an. Kurz zuvor war China mit seiner letzen Mission gescheitert. Das eine Milliarde US-Dollar teure indische Raumfahrtprogramm ist zudem angesichts der extremen Armut, die am Ganges immer noch weit verbreitet ist, sehr umstritten. Zwei Drittel der Bevölkerung müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen und rund die gleiche Menge der 1,2 Milliarden Bewohner des Subkontinents besitzt nicht einmal fließendes Wasser oder eine regelmäßige Stromversorgung.

Die Befürworter des Raumfahrtprogramms geben zu, dass Indien oftmals zwei Ländern gleicht – einer im Elend erstarrten Nation und einer ambitiösen, der kein Ziel zu hoch gesteckt scheint. Der Sozialwissenschaftler Jean Dreze reagiert voller Verachtung: „Das Raumfahrtprogramm ist Teil des wahnhaften Strebens der indischen Elite nach Supermacht-Status.“

Befürworter argumentieren, das Land komme dank der Raumfahrt in den Genuss ökonomischer Vorteile. Aber sowohl die Regierung wie auch ISRO schwiegen am liebsten über einen zentralen Aspekt von Indiens Ambitionen im Weltall. Sie sind eng mit den staatlichen Rüstungsanstrengungen verwoben. Insbesondere die Raketentechnik, die nun für die Mars-Mission eingesetzt wird, besitzt eine zentrale Bedeutung für Indiens Versuche, ballistische Raketen mit Atomsprengköpfen zu bauen.

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