Mit dem Mars haben die Russen kein Glück. Das war schon zu Sowjetzeiten so, obwohl ihr Staat damals den Roten Stern ja gewissermaßen im Wappen trug. Die Ambition, Richtung Mars zu fliegen, war größer als der Erfolg der vielen Missionen im Weltall. Nun ist auch der neueste Versuch gescheitert. Die Sonde Fobos-Grunt, die in der Nacht zu Mittwoch vom kasachischen Baikonur aus startete, kreist in einer niedrigen Erdumlaufbahn, anstatt Richtung Mars abzubiegen. Der Antrieb hat versagt. Nun hofft die russische Raumfahrtagentur Roskosmos, dass es sich bloß um einen Programmierungsfehler handelte; der ließe sich allenfalls vom Boden aus beheben.
Für die russische Raumfahrt ist es ein empfindlicher Schaden. Schließlich ist dies ihre erste interplanetare Mission seit 15 Jahren, und eine besonders ehrgeizige dazu: Fobos-Grunt sollte nicht nur die elf Monate lange Reise zum Marsmond Phobos antreten, sondern auch Gesteinsproben von dort entnehmen und zurück auf die Erde schicken. Eine Kapsel mit 200 Gramm Phobos-Gestein, so war geplant, sollte im August 2014 in die kasachische Steppe plumpsen.
Solche Gesteinsproben wurden bisher nur vom Erdmond zurückgebracht. Phobos ist interessanter. Der kleinere der beiden Marsmonde sieht aus wie eine Kartoffel, und wie diese seltsame Knolle entstanden ist, aus abgesprengtem Marsgestein oder einem Asteroiden, hätten die Proben zeigen können.
Kein Glück auf dem Weg zum Mars
Schon 1988 hatte die Sowjetunion zwei Fobos-Sonden zum Marsmond geschickt. Nur eine erreichte überhaupt die Mars-Umlaufbahn, nicht aber Phobos selbst. 1996 ging eine verbesserte Version an den Start: Mars 96 sollte die Oberfläche des Planeten untersuchen, gelangte aber nicht einmal in eine Erdumlaufbahn. Bis dahin immerhin ist Fobos-Grunt gekommen. Ob die Sonde (und mit ihr der chinesische Mars-Satellit „Leuchtkäfer 1“) noch zu retten ist, ist höchst ungewiss. Roskosmos verkündete, es blieben zwei Wochen Zeit für eine Neuprogrammierung.
Auch weniger ehrgeizige Missionen ins Weltall sind der Raumfahrt-Agentur zuletzt misslungen. Seit Dezember gingen ihr unter anderem drei Satelliten des russischen GPS-Konkurrenten Glonass verloren sowie ein Frachter für die internationale Raumstation.
Erfolgreich wurde dagegen in Moskau soeben das internationale Projekt Mars 500 beendet. Sechs Männer hatten dort 520 Tage in einem Container verbracht, um die Isolation eines Marsfluges zu simulieren. Das klappte. Bemannte Flüge zum Mars wird es so bald aber nicht geben.
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