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28. Oktober 2013

Halloween Brauchtum: Halloween-Streich kann Nötigung sein

Nicht jeder Streich an Halloween ist auch erlaubt. Wird etwas mutwillig beschädigt, kann es Ärger geben.  Foto: dpa-tmn

Die Kostüme liegen bereit, die Kürbisse sind ausgehöhlt: Halloween steht vor der Tür - ein Fest für Kinder und Erwachsene. Doch die Polizei beklagt einen Trend zu immer übleren Streichen mit Sachbeschädigung und Nötigung. Was ist erlaubt?

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Die Kostüme liegen bereit, die Kürbisse sind ausgehöhlt: Halloween steht vor der Tür - ein Fest für Kinder und Erwachsene. Doch die Polizei beklagt einen Trend zu immer übleren Streichen mit Sachbeschädigung und Nötigung. Was ist erlaubt?

Nicht nur in den USA ist Halloween ein beliebtes Fest: Am Donnerstag (31.10.), dem Abend vor Allerheiligen, ziehen wieder viele Kinder und Jugendliche in der Region gruselig maskiert durch die Straßen und klingeln an Türen. Mit dem Ausspruch „Süßes, sonst gibt's Saures“ stellen sie ihre Nachbarn vor die Wahl einer spendierten Nascherei - oder eines üblen Streiches.

Doch nicht immer geht das glimpflich aus: Regelmäßig werden am Halloween Autos beschmiert, Pflanzen ausgerissen, Gullydeckel herausgehoben und Eier auf Hauswände geworfen. Die Wiesbadener Polizei hat schon jetzt an Kinder und Jugendliche appelliert, es nicht zu weit zu treiben: „Nicht alles, was Spaß macht, ist auch erlaubt!“ Die Polizei forderte Eltern auf, ihren Nachwuchs im Voraus über die Konsequenzen übler Halloween-Scherze aufzuklären. Wie bleiben die Späße für alle Beteiligten ohne rechtliche Folgen?

Süßes oder Saures

Amerikanische Kinder sagen „Trick or treat“, wenn sie mit ihren Kürbissen von Haus zu Haus ziehen. Das heißt, entweder sie bekommen Süßigkeiten oder sie spielen einen Streich. In manchen Gegenden Deutschlands klingeln Kinder mit der Forderung „Süßes oder Saures“ an den Haustüren.

Aus der Androhung eines Streichs kann eine Nötigung werden.
Aus der Androhung eines Streichs kann eine Nötigung werden.
 Foto: dpa-tmn

An Halloween ziehen Kinder und Jugendliche von Tür zu Tür und fordern Naschereien, weil sie den Bewohnern ansonsten Streiche spielen. Das reicht vom rohen Ei, das ans Fenster geworfen wird - bis hin zur Farbbombe an der Hausfassade. „Bei einem Ei ist das Problem hingegen in der Regel mit einmal Fensterputzen behoben“, weiß Jürgen Renz von der Chemnitzer Anwaltskanzlei Leichthammer, Scheckel, Breil & Partner. „Wird das Erscheinungsbild einer Sache dagegen erheblich und nachhaltig beeinträchtigt, handelt es sich bei dem Streich um eine Sachbeschädigung“, sagt Renz, der auch Partneranwalt der Roland-Rechtsschutzversicherung ist.

Das trifft etwa zu, wenn die Farbe von der Fassade nicht mehr ohne größeren Aufwand zu entfernen ist oder eine Scheibe zu Bruch geht. Hier haftet das Kind - allerdings erst ab einem Alter von sieben Jahren. Wenn Jugendliche ab 14 Jahren fremdes Eigentum beschädigen, werden sie in der Regel durch eine erzieherische Maßnahme belangt. Über 21-Jährige gelten strafrechtlich hingegen als Erwachsene und erhalten eine Geldstrafe oder -auflage.

Im Straßenverkehr sollte man trotz Verkleidung gut sehen.
Im Straßenverkehr sollte man trotz Verkleidung gut sehen.
 Foto: dpa

Haftpflicht ersetzt keine Ermahnung der Eltern

Gleichzeitig können aber auch Eltern haftbar gemacht werden, die Kinder unter 16 Jahren ohne Aufsicht durch die Straßen geistern lassen und somit ihre Aufsichtspflicht verletzen. „So gibt es dann womöglich zwei Haftende“, mahnt Rechtsanwältin Eva Becker, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Eltern sollten ihre Sprösslinge daher auf dem Beutezug begleiten.

Ziehen die Kinder alleine los, sollten Mütter oder Väter mit ihnen im Vorfeld darüber sprechen, was erlaubt ist und was nicht. Eine Haftpflichtversicherung, die greift, wenn doch etwas passiert, ersetzt dies allerdings aus Sicht von Becker nicht: „Eine Haftpflicht sollte man für Kinder grundsätzlich haben. Das macht immer Sinn und in diesem Kontext ganz besonders.“

Von Sozialstunden bis hin zur Geldstrafe

Auch womit gedroht wird, will gut überlegt sein. „Denn rechtlich betrachtet kann daraus schnell eine Nötigung werden“, weiß Renz. „Die Ankündigung, Zahnpasta unter die Türklinke zu schmieren, hat zum Beispiel eine andere Qualität als die Drohung, die Autoreifen aufzuschlitzen.“

Die Strafen für Nötigung richten sich nach dem Alter des Täters. Bei unter 14-Jährigen bleibt es bei einer Ansprache durch die Polizei. Wer zwischen 14 und 21 Jahre alt ist, muss mit erzieherischen Maßnahmen wie beispielsweise Sozialstunden rechnen. Erwachsene erhalten eine Geldstrafe oder Geldauflage, die sich nach ihrer wirtschaftlichen Situation richtet. (gs, mit Material von dpa)

Zahlt die Haftpflichtversicherung bei üblen Streichen? Darf man an Allerheiligen tanzen? Fragen rund um Halloween beantwortet unsere Bildergalerie:

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