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01. September 2013

Erbschaftsstreit: Schnell und stressfrei ans Erbe

 Von Josephine Pabst
 Foto: dpa-tmn

Ist nach einem Todesfall kein Testament auffindbar, drohen jahrelange Streitigkeiten. Dabei gibt es einen neuen Weg, dem zu entkommen.

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Ist nach einem Todesfall kein Testament auffindbar, drohen jahrelange Streitigkeiten. Dabei gibt es einen neuen Weg, dem zu entkommen.

Ein schönes kleines Häuschen in einem vornehmen Viertel, mit Garten und einer Menge Platz: Nach dem überraschenden Tod der Mutter stehen ihre drei Kinder plötzlich vor der Immobilie samt 1.000 Quadratmetern Grundstück. Es gibt kein Testament, keinen Erbvertrag, nichts, was die Aufteilung genauer regelt. Die gesetzliche Erbfolge besagt, dass die drei Kinder zu gleichen Teilen erben. Doch genau hier entstehen Probleme.

Denn wer kein Testament hat, besitzt keinen gültigen Nachweis, um sich einen Überblick über Konten zu verschaffen, und kann auch keine Einträge im Grundbuchamt vornehmen. Folglich muss ein Erbschein beim Nachlassgericht beantragt werden. Die Kosten variieren je nach Höhe des Erbes: Bei 50.000 Euro kostet der Schein 132 Euro, bei 200.000 Euro sind es schon 357 Euro. Hinzu kommen Gutachtengebühren, in denen der Wert des Erbes durch das Gericht ermittelt wird.

Und noch ein Problem entsteht: Kein Testament, eine Immobilie und drei Erben, so entsteht zwangsläufig eine Erbengemeinschaft. Jeder hat ein Mitentscheidungsrecht, ob die Immobilie vermietet, verkauft oder in der Familie bleiben soll. Keine Entscheidung kann ohne die Einwilligung der anderen getroffen werden. Unter den Geschwistern entbrennt ein Streit. Denn sie haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es mit dem Haus der Mutter weitergehen soll.

„Erbengemeinschaften sind meistens schlecht. Je mehr Personen dabei sind, desto schwieriger wird es“, sagt Rechtsanwältin Julia Roglmeier, die sich zusammen mit ihrer Kollegin Maria Demirci auf Erb- und Familienrecht spezialisiert hat. Sie versuche bei der Testamentsgestaltung immer, Erbengemeinschaften zu vermeiden.

Je nachdem, wie weit die Beteiligten an einem Strang ziehen, kann die Angelegenheit schnell erledigt werden oder in einen jahrelangen kostspieligen Streit münden. „Das kann langwierig und zermürbend sein“, warnt Julia Roglmeier. Wer schnell an sein Geld und zugleich seine Nerven schonen möchte, allerdings auch bereit ist, dafür finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen, kann aus der Erbengemeinschaft aussteigen. Mehrere Wege führen zu diesem Ziel.

Der Erbteilsverkauf: Die Wenigsten nutzen zurzeit diese Variante. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: eine schnelle Abwicklung, der Erbe ist auf einen Schlag alle eventuellen Sorgen los. Das Prinzip heißt „alles oder nichts“. Das gesamte Erbe wird veräußert, inklusive möglichen anteiligen Schulden des Verstorbenen. Das entbindet den Erben zu einem großen Teil, aber nicht vollständig von seinen Pflichten. Er haftet eingeschränkt für mögliche Mängel. Der Verkauf kann auch ohne die Zustimmung der anderen Erben erfolgen, die allerdings ein Vorkaufsrecht haben. Möchten sie davon Gebrauch machen, muss das innerhalb von zwei Monaten geschehen. Das Problem: Sie können nur gemeinsam einen Teil des Erbes aufkaufen.

Der Verkäufer muss zudem beachten, dass jeder Erbteilverkauf notariell beurkundet werden muss. „Diese Variante ist auf jeden Fall ein Trend“, sagt Julia Roglmeier. „Bei immer komplexeren Familienverhältnissen wird das in Zukunft noch viel häufiger gemacht werden.“

Über den Erbteilsverkauf wird in der Regel mehr erzielt , als über eine Versteigerung. Für die anderen Erben kann die Variante allerdings problematisch sein: Ein fremder Investor legt schließlich keinen großen Wert darauf, was mit Haus und Grund passiert, ihm geht es ums Geld. Deshalb können im Einzelfall Streitigkeiten auch ausgeräumt werden, wenn der Verkauf lediglich angedroht wird. „Der Käufer tritt komplett in die Rechtsstellung des Erben ein“, erklärt Fachanwalt Jochen Flegl. „Er erwirbt damit alle Rechte und Pflichten des Erben.“

Die Seitenbetreiber der Plattform erbanteile.de haben in der Vermittlung von verkaufswilligen Erben und Investoren eine Marktlücke entdeckt. Dort können Erben den Immobilienstandort, ihren Erbanteil, mögliche Schulden, den Verkehrswert und ihre Preisvorstellungen angeben. Ein Beispiel: Ein Haus und vier unbebaute Grundstücke sind vererbt worden. Der anteilige Verkehrswert beträgt 248.000 Euro, der Erbe möchte dafür gerne 190 000 Euro erhalten. Sobald sich ein interessierter Investor meldet, vermitteln die Seitenbetreiber den Kontakt. Je nach Höhe des Verkaufserlöses zahlen Erben 1,25 Prozent und Investoren 2,5 Prozent an die Plattform.

Die Erbauseinandersetzung: Anders als es der Name vermuten lässt, kommt es nicht zu einer Auseinandersetzung. Vielmehr wird die Erbengemeinschaft aufgelöst, indem alles in den entsprechenden Teilen an die Mitglieder ausgezahlt wird. Immobilien müssen dafür verkauft oder versteigert werden. Die Auseinandersetzung funktioniert jedoch nur, wenn die Erben an einem Strang ziehen - je zerstrittener die Parteien, desto schwieriger wird es. Bei der Schlichtung kann das Nachlassgericht hilfreich sein.

Für den Fall, dass die Betroffenen sich nicht einig werden, einer der Erben aber trotzdem auf seine Auszahlung besteht, muss Immobilienvermögen zunächst versilbert, also versteigert werden, was auch in Teilen möglich ist. „Diese Variante sollte immer das letzte Mittel sein“, betont Roglmeier. „In aller Regel geht das Objekt nämlich deutlich unter Verkehrswert über den Tisch und daran hat keiner Interesse.“

Die Erbschichtung: Ein Erbe kann auch aus der Gemeinschaft austreten, indem er sich auszahlen lässt. „Hat man sich über die Höhe der Abfindung in Geld geeinigt, kann die per Abschichtungsvertrag ausgezahlt werden. Eine notarielle Beurkundung ist in diesen Fällen nicht notwendig“, sagt Fachanwältin Roglmeier. Bei Immobilien ist es sinnvoll, vorher von Gutachtern den genauen Wert beziffern zu lassen, um bei den Verhandlungen gut informiert zu sein. Solange die Abfindung allerdings nichts Immobilien zu tun hat, bedarf es nicht zwingend einer notariellen Beurkundung. Nachteilig: Ob die Höhe der Auszahlung auch dem entsprechen würde, was der Erbe nach langwieriger Einigung erhalten würde, ist fraglich.

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