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Rechtschreibserie Teil 19: Belämmerte Gämse

Die Umlaute "ä", "ö" und "ü" sowie "äu" haben eine lange Geschichte. Schon im Alt- und Mittelhochdeutschen sind Umlaute belegt, allerdings noch nicht in der heutigen Schreibweise. Von Sabine Hilliger

Die Es sind da, die As auch - aber wozu braucht man eigentlich ein Ä? Die Umlautregelung der Rechtschreibung ist manchmal unklar.
Die Es sind da, die As auch - aber wozu braucht man eigentlich ein Ä? Die Umlautregelung der Rechtschreibung ist manchmal unklar.
Foto: dpa

Die Umlaute "ä", "ö" und "ü" sowie "äu" haben eine lange Geschichte. Schon im Alt- und Mittelhochdeutschen sind Formen von Umlauten belegt, allerdings noch nicht in der heutigen Schreibweise.

Wer die Wörter betrachtet, deren Umlautschreibung reformiert wurde, merkt schnell, dass es sich nur um Wörter mit "ä/e" sowie "äu/eu" handelt. Warum ist das so? Während "ö" und "ü" eindeutig von "o" und "u" unterscheidbare Laute bezeichnen, werden "ä" und "e" gleich oder sehr ähnlich ausgesprochen.

So taucht in alten Schriften zum Beispiel der Plural von Hand noch als Hende auf. Erst mit der Zeit wurden die Umlaute auch genutzt, um die Verwandtschaft der Wörter untereinander zu kennzeichnen. Inzwischen gilt grundsätzlich das Prinzip der Stammschreibung, wenn Wörter einer Wortfamilie voneinander abgeleitet sind. Deshalb schreiben wir Hände (wegen Hand), aber auch Fähre (wegen Fahren).

Ausnahmen beseitigt

In der alten Rechtschreibung gab es einige Ausreißer, die dem Stammprinzip nicht folgten. Diese Ausnahmen hat die Neuregelung auf der Basis des heutigen Sprachgebrauchs beseitigt. Das heißt, dass einem Wort ursprünglich eine vom jetzigen Verständnis abweichende Schreibung oder Bedeutung zugrunde gelegen haben kann. Gesprochene Sprache, Bedeutungen verändern sich. Da ist es nur legitim, dass auch die Schreibung dem zeitgemäßen Gebrauch und Verständnis folgt.

Ein Beispiel: Das Quentchen* bringen wir aus heutiger Sicht mit dem Wort Quantum in Verbindung, deshalb schreiben wir es neu Quäntchen. Historisch gesehen leitet es sich allerdings vom Wort Quent oder Quint ab, einer Maßeinheit, wie sie noch im 15. Jahrhundert gebräuchlich war.

In Zukunft müssen wir uns also an folgende neue Schriftbilder gewöhnen: Bändel (wegen Band), behände (wegen Hand), Gämse (wegen Gams), Gräuel und gräulich (wegen Grauen). Ihrer eigenen Entscheidung überlassen bleibt die Schreibung von aufwendig/aufwändig (wegen aufwenden und Aufwand) und von Schenke/Schänke (wegen ausschenken und Ausschank), wobei die deutschen Nachrichtenagenturen der ersten Variante den Vorzug geben, da sie die gewohnte ist. Möglicherweise fällt es Ihnen zunächst schwer, sich an die neuen Schriftbilder zu gewöhnen. Aber fragen Sie Ihre Kinder, die das Schreiben gerade lernen - für sie ist diese Neuregelung einfach nur logisch.

Und doch - keine Regel ohne Ausnahme. Vielleicht ist es der Eitelkeit der "Eltern" zu verdanken, dass sie auch in Zukunft nicht zu Ältern* werden, obwohl hier eindeutig eine Wortstammverwandtschaft vorliegt. Vielleicht aber hat man sich in diesem Fall der Tradition und starken emotionalen Wirkung dieses Wortes gebeugt und alles "beim Alten" gelassen.

Zum Schluss eine Übung. In diesem "belämmerten" Text fehlen alle "e" und "ä". Setzen Sie sie richtig ein: B..h..nd.. kl..tt..rt die G..ms.. d..n F..ls..n ..ntlang. Überschw..nglich n..h..rt sie sich ein..m gr..ulichen Abgrund.

Auflösung Teil 18: Wir haben schon so oft gemütlich zusammengesessen. Es kann auch irgendwer einfach so vorbeikommen, sodass/so dass am Ende alle da sind.

* mit Stern gekennzeichnete Wörter entsprechen nicht der neuen Rechtschreibung

Sabine Hilliger ist Germanistin, freiberufliche Lektorin und Redakteurin.

Autor:  Sabine Hilliger
Datum:  9 | 11 | 2009
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