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Rechtschreibserie Teil 21: Small Talk in der Rushhour

Wenn Wörter aus fremden Sprachen ins Deutsche wandern, passieren ihnen mitunter eigenartige Dinge: Was getrennt bleibt oder zusammengehört. Von Sabine Hilliger

Rushhour (Symbolbild).
Rushhour (Symbolbild).
Foto: afp

Wenn Wörter aus fremden Sprachen ins Deutsche wandern, passieren ihnen mitunter eigenartige Dinge. Sie bekommen große Buchstaben, wo vorher kleine standen (trend - Trend), sie verlieren Buchstaben (blouse - Bluse), erhalten ganz neue (bureau - Büro) oder verkleiden sich so, dass man nur glaubt, sie kämen von weither (das Handy gibt es im Englischen nicht, dort heißt es etwa "mobile").

Etliche zwei- oder mehrteilige Fremdwörter können in Zukunft viel häufiger so wie ihre einheimischen Brüder und Schwestern behandelt, also zusammengeschrieben werden. Die Betonung liegt auf können, denn Sie sollten beim Schreiben immer im Sinne des Lesers entscheiden. Ist das betreffende Wort schnell zu erfassen? Wäre eine Getrenntschreibung beziehungsweise die Schreibung mit Bindestrich besser?

Aber immer dann, wenn besonders viele Varianten in der amtlichen Regelung vorgesehen sind, ist auch die Unsicherheit am größten. In den folgenden Beispielen zeigt die erste Schreibung jeweils, wie sich die Nachrichtenagenturen entschieden haben. Diese Schreibweise kann in bestimmten Fällen von den Empfehlungen des Dudens oder Wahrigs abweichen, nämlich immer dann, wenn sich die beiden in ihrer Interpretation widersprechen.

"Ernest Hemingway ist bekannt für seine Short Storys (Shortstorys).", "Die Big Band (Bigband) begeisterte alle mit ihrem Comeback (Come-back).", "Sollte Hardrock (Hard Rock) wirklich nur etwas für die Jüngeren sein?". Auch in den folgenden Beispielen sind Varianten vorgesehen, von denen jeweils die erste von den Nachrichtenagenturen bevorzugt wird: Compact Disc (Compact Disk), Small Talk (Smalltalk). Nur (noch) eine Schreibweise gibt es für die folgenden Wörter: Hairstylist, Bluejeans, Rushhour.

Schaut man sich all diese Beispiele an und stellt sie in ihren unterschiedlichen Schreibweisen gegenüber (Knockout gegen Know-how), ist es schwer, eine allem zugrunde liegende Regel zu entdecken - weil es nämlich keine gibt. Letztlich wird der Schreibgebrauch entscheidend sein und die Toleranz von Lesenden und Schreibenden. Bei längeren Zusammensetzungen ist es etwas einfacher. Sie lassen sich besser lesen, wenn sie durch einen Bindestrich getrennt werden: "Mein Mann kaufte sich im Duty-free-Shop eine After-Shave-Lotion."

Eine Nachbemerkung zum Binde-Strich*. Bitte benutzen Sie ihn nicht wahl-los*, das hat er nicht verdient. Geheim-Bericht* und Verhör-Affäre* (gesehen auf einer bekannten Nachrichtenwebsite) werden nicht wichtiger durch ein gewichtiges Divis. Ganz zu schweigen von Wörtern wie Betrugs-Versuch* oder Gesundheits-Reform*: Sie alle haben ein alles verbindendes Fugen-s erhalten, das extra für die Verbindung, nicht für die Trennung da ist. Zusammengesetzte Substantive schreibt man zusammen.

Wie würden Sie entscheiden?

das Parkandridesystem, das Park-and-ride-System oder das Park and ride System; der Softdrink, der Soft-Drink oder der Soft Drink; die Open-End-Diskussion, die Open End Diskussion oder die Openenddiskussion.

Auflösung Teil 20: "das Wahlrecht für 16-Jährige", "jeder x-beliebige Reisende".

* Mit Stern gekennzeichnete Wörter entsprechen nicht der neuen Rechtschreibung.

Sabine Hilliger ist Germanistin, freiberufliche Lektorin und Redakteurin.

Autor:  Sabine Hilliger
Datum:  25 | 1 | 2010
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